Seite:Wilhelm Löhes Leben Band 1 (2. Auflage).pdf/43

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Kirche geboren und auferzogen bin! Die Sünde hatte sich zur Zeit meines Confirmationsunterrichts schon mächtig geregt; da reichte mir der HErr Kräfte, die mich nicht untergehen ließen, die mich im Strudel jugendlicher Eitelkeit, Versuchung und Sünden hielten und retteten.




5. Meine Gymnasialzeit.

 Bald nach meiner Confirmation führte mich mein Lehrer, Herr Subrector Küchle, nach Nürnberg zu dem Gymnasialrector Götz, und ich wurde wenige Wochen vor dem Schlusse des Schuljahres in die untere Classe des Progymnasiums aufgenommen. Meine Wohnung und Kost bekam ich bei einem Verwandten von mütterlicher Seite, der mir viel Lieb und Treue erwiesen hat. Die Zufriedenheit meiner Lehrer erwarb ich mir bald und behielt sie im Ganzen, bis ich die Schule verließ.

 Bekanntlich ist auf dem Gymnasium das hauptsächlichste Bildungsmittel die Sprache. Alles andere tritt mehr oder weniger zurück. Ich fand mich drein, aber ich war viel zu unreif, als daß ich nur den geringsten Classiker, welchen ich las, seinem wahren Werthe nach hätte schätzen können. Daß Homer, daß Virgil, daß Horaz etc. schön seien, hörte ich immer, von Horaz gefiel mir auch wirklich Manches; aber ich müßte lügen, wenn ich irgend die Schönheit jener Dichter als eine von mir in jener Zeit erkannte und gefühlte darstellen wollte. Ich war die ganze Anstalt hindurch unter meinen Mitschülern der erste; möglich, daß trotzdem Andere für die classische Reife jener Schriftsteller selbst empfänglicher und reifer gewesen sind, aber ich wars nicht. Von einem Verständnis des Euripides, Sophokles etc., die wir lateinisch übersetzten, will ich gar nicht reden. Der einzige Schriftsteller, dem ich wirklich näher kam, war