Seite:Wilhelm Löhes Leben Band 1 (2. Auflage).pdf/55

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Sonnenstrahle hinschwimme in das Land der Verheißung; ihr aber suchet und findet mich nicht. Ist doch mein Geist in diesem Körper eingeschlossen und schwimmt oft auf ihm wie der Rauch auf ausgeschüttetem heißen Wasser. Einmal, wenn diese schwanke Spiritusflamme aufgezuckt hat, weht mich ein Hauch hinweg, und diese Sonne scheint mir nicht mehr. Aber die ewige Wahrheit in diesem Glanze wird mich umweben, ich in ihr, sie in mir sein.“

 Es kann nicht Wunder nehmen, wenn in dieser sentimentalen Jugendperiode Löhe’s auch das Gefühl für Freundschaft und Liebe in ihm sich regte.

 Eine Weile glaubte er, in der Person eines um mehrere Jahre jüngeren Schulgenossen aus seiner Vaterstadt den Freund fürs Leben gefunden zu haben. Als er von dem Freunde bei dessen Abgang auf das Gymnasium zu A. sich trennen muß, ruft er ihm empfindsam genug nach: „Du aber, vergiß nicht, daß Deine Brust das einzige Herz birgt, an dem Wilhelm liegen kann. Wenn Du mir nicht bliebest, wär ich unter den Menschen verarmt und müßte mich aus Schillers Freudenkreise weinend stehlen. Aber Du lässest mich nicht, sondern unsere Hände sind ineinander gelegt, bis sie verwelken und auseinander fallen im Tode. Ja auch da noch wird das Gebein der welken Hände ineinander bleiben.“ Trotz dieser gewiß sehr überschwänglich klingenden Worte zweifelte Löhe doch schon damals, ob er je einen Freund finden werde, an den er sich ganz würde hingeben können. Er fürchtete, „daß er mit seinen Gefühlen, seinem Denken und Dichten allein stehen, und daß sein Geist kein Echo in einer fremden Brust finden werde“. Es offenbaret sich hier schon in der Jugend eine auch den Mann charakterisirende Eigenthümlichkeit. So viele Freunde Löhe hatte (und der obenerwähnte Jugendfreund zählte auch später zu diesen), für das eigentliche