Seite:Wilhelm Löhes Leben Band 1 (2. Auflage).pdf/58

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unter seinem Gebete entschlafen, und seine Hände würden ihr die Augen zudrücken. Gott hat ihm auch wirklich verliehen, seiner Mutter dies kindliche Versprechen zu halten. „Du weißt“, schreibt er schon damals an seinen Freund bei dessen Abgang nach A., „Du weißt, daß ich würdig zu werden wünsche des Wortes Jesu: ,Hast Du mich lieb? So weide meine Lämmer!‘ Hab ich nicht, sobald mein Auge Buchstaben unterscheiden, mein Mund sie lallen konnte, hab ich nicht Kirche gehalten im engen Hofraum schon im fünften Jahre? Hat mich nicht das Heilige, als ich noch Knabe war, hingerissen bis zum weinenden Entzücken? Das Leben ist mir eine Vorbereitung zum Pfarrerleben gewesen und ist es bis jetzt noch. Wer wirket ruhiger, wer leidet stiller, wer stirbt seliger als ein Pfarrer? Unten sitzen die Hörer, harren auf den Strom lebendiger Rede, warten auf das Heil, das ich verkündigen werde. Und ich vernehme ein Brausen vom Aufgang her, flammende Winde wehen, eindringt in den gottgeweihten Busen Er, der alle Welten erfüllet. G., hast Du nicht gemerkt, wie heute so reiner Freude voll der Pfarrer die Kanzel verlassen? ,Die Wolken werden zertheilet vom Gebet des Gerechten und es dringet vor den Thron des HErrn.‘ So sprach er. Wenn ich einst, kein Miethling, beten werde unter den Meinen, wie werd’ ich froh und selig sein! – Bald hallen die Glocken; voll wonnigen Entzückens, der Gnade Gottes gewiß, kommen die Bußfertigen, und ich darf ihnen Vergebung sprechen im Namen Gottes und sie trösten mit dem blutigen Kreuzestode. Und am andern Morgen schmückt der Altar sich mit Kerzen. Wein und Brod wartet. Langsam segnend verkündige ich die Gegenwart des HErrn, es kommt die fromme Schaar, entzückt fallen sie auf ihre Kniee und sprechen: Mein HErr und mein Gott. Laß mich, G., laß mich beten zu meinem HErrn und Gott, daß er mir solchen Segen geben wolle und mich dann