Seite:Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin II.djvu/200

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Nowaja Semlje.

Nowaja Semlje in geographischer, naturwissenschaftlicher und ökonomischer Beziehung dargestellt von K. Swenske“ – ist der Titel eines Werkes, das im Jahre 1866 in St. Petersburg erschienen und eine wesentliche Lücke der russischen Litteratur auszufüllen bestimmt ist. Es zerfällt in 7 Kapitel: Uebersicht der Expeditionen nach Nowaja Semlje, geographischer Umriß (eine Art Periplus) von N. S., Geognosie, Klimatologie, Flora, Fauna und Fischerei und Jagd auf N. S. Angehängt sind eine Karte und zwei Ansichten vom Westufer der Insel. Der Zweck dieses Werkes ist, die bis jetzt gewonnenen Kenntnisse über N. S. dem großen russischen Publikum zugänglich zu machen; neue Untersuchungen, deren auch seit v. Bär wohl keine vorliegen, bringt es nicht, sondern stüzt sich in seinem wissenschaftlichen Theile wesentlich auf die im Bull. der Petersb. Akademie t. III (1838) mitgetheilten Resultate der im J. 1834 unternommenen v. Bärschen Forschungsreise. Von Interesse sind einige Angaben über die Schifffahrts- und Handelsverhältnisse in Nordrußland. Man ersieht daraus, daß die auf und bei N. S. betriebenen Jagd- und Fischereigewerbe immer mehr in Verfall gerathen sind. Während im Jahre 1835 etwa 80 Schiffe nach N. S. ausliefen, welche etwa 1000 Menschen beschäftigten, sank die Zahl der Fahrzeuge schon im folgenden Jahre auf die Hälfte, im J. 1837 waren es nur noch 20 und in den Jahren 1859 und 1860 nicht mehr als 5–6. Die Ursachen des Verfalls liegen theils in der periodischen Abnahme der jagdbaren See- und Landthiere (Wallrosse, Delphine, Robben, Lachse, Polarfüchse), theils in der Mangelhaftigkeit der angewendeten Fahrzeuge und Geräthe, die sich beide noch in sehr primitivem Zustande befinden und den Ertrag der Jagd höchst unsicher machen. So ist denn auch z. B. die Stadt Mesen, die früher an 10 Schiffe in das Eismeer sandte, jetzt zu einem elenden Flecken herabgesunken, in dem nur noch ein Kaufmann dritter Gilde vorhanden ist. Im ganzen Gouvernement Archangel gab es im Jahre 1802 überhaupt 458 Kaufleute aller drei Gilden, im Jahre 1846 nur noch 130, und zwar kamen auf Archangel einst 330, später (1846) 109, Mesen 42–1, Cholmogory 23–5, Onega 27–6, Kola 10–1, Kem 13–4, Sumsk 6–keiner, Pinega 4–2, Schenkursk 3–2. Der mittlere Jahresertrag vom Fang der Seethiere repräsentirte in der Zeit von 1846–1856 einen Werth von 44,927 Rubel; an Thran wurden jährlich etwa 20,000 Pud gewonnen; die Ausfuhr an Thran allerlei Art aus Archangel betrug in der Zeit von 1857–1862 jährlich etwa 30,500 Pud.

Marthe.


Artesischer Brunnen zu Harkány in Ungarn.

Zu Harkány (Baranyaer Com. in Ungarn), ½ Stunde von Siklos entfernt, befindet sich eine in neptunischen Gebilden auftretende stark besuchte Therme, deren Quelle seit ihrer im Jahre 1824 erfolgten Entdeckung zu wiederholten Malen, ihre Fassung verlassend, an verschiedenen Stellen des Harkányer Gebietes

Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. Zweiter Band. Dietrich Reimer, Berlin 1867, Seite 185. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zeitschrift_der_Gesellschaft_f%C3%BCr_Erdkunde_zu_Berlin_II.djvu/200&oldid=- (Version vom 1.8.2018)