Seite:Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin IV.djvu/145

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etwa 5500–6500 Fuß über den Spiegel des Sees, d. h. 10–11,000 Fuß über den Spiegel des Meeres. Höher jedoch ist der mittlere Theil des Gebirges auf einer Strecke von 50–60 Werst = 7–8½ Meilen, denn hier steigt das Gebirge bis 12- und 14,000 Fuß auf und überschreitet die Schneelinie. Doch liegt der ewige Schnee immer nur stellen- und fleckenweise, daher mit Recht der Name des Gebirges: das bunte, fleckige (Alatau). Zu solchen Höhen nun steigt das Gebirge steil und schroff empor, Vorberge sind fast nicht vorhanden, nur kurze, rasch abfallende Contreforts scheiden eben so viele kurze Querthäler von einander, in denen kleine, aber stürmische Gebirgsbäche von der Schneelinie über Stein und Fels zum See hinabstürzen. Nur eines dieser Contreforts tritt, aber bedeutend erniedrigt, so hart an den See heran, daß kaum ein Durchgang übrig bleibt; diese Stelle heißt Kesse-Ssengir. Was dem Alatau vom Kungei her ganz den Anblick einer Mauer giebt, das ist namentlich der Mangel jedes irgendwie bedeutenden Ausschnittes in seinem Kamme und die Höhe seiner Pässe.

Anders stellt sich am Terskei das Himmelsgebirge dar, das 10–11,000 Fuß über den See, d. h. 15–16,000 Fuß über das Niveau des Meeres ansteigt. Der Abfall des Thian-Schan ist zwar steil, doch nicht so übermäßig steil, wie der des Alatau, eine Vorkette und Vorberge erscheinen ziemlich selbstständig, einzelne Gruppen sind individualisirt und verdecken zum Theil selbst, vom Terskei aus gesehen, die hinter ihnen stehenden Schneeriesen des Hauptkammes, welche übrigens nicht nur an der Spitze der tiefeingeschnittenen Querthäler sichtbar sind, sondern überall dort hinter der Vorkette hervortreten, wo diese einigermaßen absinkt. Vom Kungei aus gesehen, tritt jedoch der riesige Hauptkamm in seiner geraden Erstreckung von Ost nach West in ganzer Majestät hervor. Von hier aus erscheint der Kamm des Himmelsgebirges als eine endlose Reihe riesiger Berggipfel, die in glänzender, nirgends durch dunkle Streifen unterbrochener Schneehülle strahlen. Wenn es in der That möglich wäre, eine Wanderung auf dem Kamme des Thian-Schan, von den Quellen des Koschkar (Tschu) bis zu der erhabenen Gruppe des Chan-Tengri und des Passes Mussart, auszuführen, auf einer Strecke von 400 Werst = 57 Meilen, der kühne Wanderer würde höchstens 6 Mal die Schneedecke unter seinen Füßen weichen sehen, dreimal auf Bergübergängen, die eben nur zur Schneegrenze, d. h. zu einer Höhe von 11,500 Fuß hinanreichen und dreimal in den Engthälern von Flüssen, die auf der Nordseite des Thian-Schan entspringend, den Hauptkamm desselben durchbrechen, um nach Süden hin abzufließen.

Großartig ist die Landschaft, die dem Blicke des Reisenden sich

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Verschiedene: Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. Vierter Band. Dietrich Reimer, Berlin 1869, Seite 129. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zeitschrift_der_Gesellschaft_f%C3%BCr_Erdkunde_zu_Berlin_IV.djvu/145&oldid=- (Version vom 1.8.2018)