Seite:Zerstreute Blaetter V.djvu/147

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Lobrede auf Nero.[1]


A. Endlich hat sich gar einer gefunden, der dem Nero eine Lobschrift schrieb. Abscheulich!

B. Der Autor hat bei mir große Gunst gefunden.

A. Wie? kanns Ihnen angenehm seyn, daß Ungeheuer der Erde, daß die Pest des menschlichen Geschlechts entschuldigt werde?

B. Wie die menschliche Natur ist, kann mir nichts so Ungereimtes und Ungeheures genannt werden, das nicht auf dem Gipfel von Macht und Ungebundenheit veranlaßt, befohlen, endlich auch entschuldigt werden könnte; wenn Gott nicht drein siehet.

A. Was werden wir also von denen sagen, die auf dem Gipfel von Macht und Ungebundenheit sich Schuldlos und löblich betrugen?

B. Wir wollen von ihnen sagen, daß sie etwas über Menschenkräfte durch eine besondere


  1. Sie ist bekanntermaaßen von Cardanus.
Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Fünfte Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1793, Seite 131. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_V.djvu/147&oldid=- (Version vom 1.8.2018)