Seite:Zerstreute Blaetter V.djvu/162

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B. Was alles man vom Volk erlangen kann, mein Freund, das, dünkt mich, kannst du sehen, wenn du den Luxus der Höfe, den Schmuck der Kirchen, die Musse unsrer Akademieen, die Arbeiten unsrer Feldlager, die Regeln der Orden, insonderheit aber die häufigen Abgaben und Plackereien betrachtest, mit denen man es schert und schindet.

Ueberdas ist das Volk nicht sogar unweise, daß es nicht das Beßere einsehen sollte, wenn dies Beßere ihm nur gezeigt und an die Stelle des Schlechtern gesetzt wird.

A. Als wenn du nicht wüßtest, mit welcher Mühe, mit welchen Bitten das alles vom Volk errungen sei!

B. Mit Mühe? mit Bitten? Durch eine geschminkte Beredsamkeit, durch eine verstellte Heiligkeit, endlich durch vorgemahlte Gewalt, oder durch heuchlerische Tyrannei. Glaube mir, es gehört nicht viel dazu, dem armen Volk Schweiß und Blut abzubetteln, wenn man nur

Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Fünfte Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1793, Seite 146. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_V.djvu/162&oldid=- (Version vom 1.8.2018)