Seite:Zerstreute Blaetter V.djvu/240

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und Anmuth; fast ohne gewöhnliche Flickreime fliessen die Verse, wie ein sanfter Strom; das Lustige, Naive, Poßirliche wird in ihm siebenfach natürlich und lustig.

Aber, werden sie sagen, ist dieses Gedicht denn ein Deutsches Product? ists nicht eine Uebersetzung aus dem Alt französischen, wie sein Verfasser selbst saget? Allerdings. Darauf laße ich mich aber nicht ein; gnug, wir sind im Besitz, und kennen bisher kein französisches Original, aus dem es übersetzt wäre. Welche Nation sich des Werks anmaaßet, beweise ihre Anmaaßung, nicht durch Titel des oder jenes Romans, sondern durch Bekanntmachung des Originals selbst. [1] Fände


  1. Den von Suhl aus der Lübeckschen Bibliothek herausgegebnen holländischen Reineke kenne ich noch nicht. Nach denen von Gottsched gegebnen Proben scheinet er dem Französischen Original näher zu kommen; das wahre Epische Kunstgedicht bleibet indessen vor der Hand dennoch das Deutsche, bis das Original selbst erscheinet.
Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Fünfte Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1793, Seite 224. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_V.djvu/240&oldid=- (Version vom 1.8.2018)