Seite:Zerstreute Blaetter V.djvu/246

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geschaffen. Beide haben sich ihr auch sehr glücklich, oft mit beneidenswerther Kürze und wenn ich so sagen darf, mit einer Rechtschaffenheit eingepräget, daß der ziemlich eintönige Vers gleichsam ein Echo der eintönigstarken Ueberzeugung zu seyn scheinet. Schon in den Dichtern der Schwäbischen Zeiten bemerkt man, daß, so viel Kunst man auch auf die Bildung einer abwechselnden Strophe verwandte, die moralischen Sprüche die einförmigsten und durch das Wiederkommen ihrer Schwere gleichsam die prägnantsten werden; die Anmahnungen des Königes Tyrol an seinen Sohn, des Winsbeck und der Winsbeckin an ihre Kinder, (ob sie gleich noch Lyrischer Art sind,) nähern sich schon diesem moralischen Rhythmus. 23)[1] Vortrefliche Stücke, ein Kern der Alt-deutschen Treue und Sitten-Erziehung! Im Maneßischen sowohl als Jenaischen Codex kommen manche Fabeln, oder kleine allegorische Gespräche


  1. 23) Schilter T. II. Bodmers Sammlung der Minnesinger Th. 2. Bragur Th. 2. 2.
Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Fünfte Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1793, Seite 230. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_V.djvu/246&oldid=- (Version vom 1.8.2018)