Seite:Zerstreute Blaetter V.djvu/260

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Deutschen Bildersprüche, mit ihren merkwürdigsten Producten hätten; ohne Zweifel haben mehrere stille Liebhaber dazu gesammlet, und Meusels nützliche Journale dörften der beste Versammlungsplatz dazu werden. Wie Holbein des Erasmus unsterbliche Moria mit seiner Kunst begleitete: so rüstete Brand sein Narrenschiff in und zu Holzschnitten aus. In den Uebersetzungen desselben, sie mochten prosaisch oder poëtisch seyn, 31)[1] in Raisersbergs Predigten u. f. kamen diese wieder zum Anblick. Wie Aretino seine berühmten Sonnetten zu unzüchtigen Zeichnungen erfand: so suchte der Deutsche keuschere Geist sittliche Embleme kurz- oder langweilig zu empfehlen; dagegen ihm auch die damals vortrefliche Deutsche Kunst zu Gebot stand. Beide haben zu Vorbereitung und Ausbreitung der Reformation das ihrige tapfer beigetragen, 32)[2]


  1. 31) Von Jacob Locher, Idocus Badius u. f.
  2. 32) Einer der Liebhaber, Kenner und Sammler Altdeutscher Kupferstiche, Holzschnitte, Gespräche, Satyren [245] Verse und Schwänke sollte der Materie nachgehn, was dies alles zur Reformation und Aufhellung des Geistes beitragen habe. Unglaublich frei, dreist und kühn waren die damaligen Zeiten.
Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Fünfte Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1793, Seite 244. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_V.djvu/260&oldid=- (Version vom 1.8.2018)