Seite:Zerstreute Blaetter V.djvu/270

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Bau und Maas der Sylben erscheint dadurch mehr Proportion und Zusammenordnung. In Lehrstellen, Sentenzen, kurzen Gleichnissen und Gegensätzen ist daher auch unser Andreä besonders glücklich; so wie auch in komischen, witzigen Zügen. Doch ich will Ihrem Urtheil nicht vorgreifen, und wähle also gleich das erste, ein sehr ernsthaftes Stück seiner Sammlung. Es ist auf den Tod einer Freundin geschrieben, theilnehmend und voll edler Dichtung: eine wahre Glorification derselben. Setzen Sie sich in diesen Zustand des Verfassers, wenn Sie es lesen wollen, und nehmen ihm auch seinen kleinen Anstrich von Mystik, so wie den Trost seines Herzens aus geistlichen Liedern nicht fremde: er schrieb aus seiner Seele und nicht für unsre Zeit. So hebt er an:

Wenn wir die Welt mit Fleiß ansehn,
Wie All’s thut durch einander gehn,
Wie der Bös’ herrscht, der Fromme leidt,

Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Fünfte Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1793, Seite 254. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_V.djvu/270&oldid=- (Version vom 1.8.2018)