Seite:Zerstreute Blaetter V.djvu/314

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Gegenstände der Natur und suchen gleichsam den großen unumschränkten Himmel, unter dem sie ertönen; diese können nur entstehen, wenn die Religion schon Geschichte, menschliche Geschichte worden ist, und lieben einen engern Kreis; aber auch sie gehen noch den einfachen Gang der alten Naturhymnen. Von beiden werden wir ein andermal in Beziehung auf die Griechen reden; jetzt bleiben wir bei dem, was dem christlichen Hymnus Materie und Form gegeben.

Ohne Zweifel war dies vor allem andern das Ebräische Psalmbuch. In ihm sind Lobgesänge der vortreflichsten, reinsten Art vorhanden, Gesänge die noch von keiner Nation übertroffen worden, ja die in jedem ihrer Glieder Jubel und Klang gleichsam mit sich führen. Der Geist der Tonkunst wohnt ihnen so innig ein, daß er sich jeder Sprache mittheilt, in welche sie übersetzt werden; auch in den härtesten Mundarten roher Völker fängt sich mit ihnen heiliger Gesang an

Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Fünfte Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1793, Seite 298. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_V.djvu/314&oldid=- (Version vom 1.8.2018)