Seite:Zerstreute Blaetter V.djvu/325

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also ist das lyrische Gebäude in höchster Würde und Vollkommenheit zu erbauen; hier oder nirgend: denn mit Worten und Tönen wirkt die Kunst hier rein. Es sind Stimmen, die sich hören lassen, und keine Personen; aber alle Stimmen der Welt, von der Stimme Gottes an, bis zum Laut und Seufzer jedes Herzens, jeder reinen menschlichen Empfindung. Die Symmetrie zweier Stimmen und Chöre bleibt indessen die Hauptabtheilung, wie bei jedem symmetrischen Gebäude, so auch hier; dies ist der Einfalt gemäß, die sowohl das Herz als die lyrische Kunst wünschet.

3. Daß die Chöre von Hymnen und Liedern unterbrochen oder gleichsam aufgenommen, besänftigt, oder beflügelt werden, liegt abermals in der Natur der Sache. Wir sind aber auch hierinn hinter der ältern Kirche zurück geblieben. Die lateinische hatte nur wenige, kaum neun Haupt-Sylbenmaasse zu ihren Hymnen; diese sind alle popular und sehr faßlich; und doch sind von ihnen kaum

Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Fünfte Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1793, Seite 309. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_V.djvu/325&oldid=- (Version vom 1.8.2018)