Seite:Zerstreute Blaetter V.djvu/346

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(es giebt Mönche in allen Ständen) früh verläßt, eben weil vielleicht sein Genius zulispelt, daß ers nicht lange werde thun können: er strebt, was er kann: a) [1] erwählt mit den Guten und fürs Gute freywillig Ungemach zu leiden, Stand, Güter, Ruhe, Leben, Ehre aufzuopfern, und läßt sich durch jede neue Gefahr nicht abschrecken bis ans Ende seiner kurzen Laufbahn; die Finsterniß ist aber stärker als das Licht, die Sklaverey stärker als die Freiheit: man rottet sich um ihn, schneidet, da er noch keine Grenzen seiner Wirksamkeit kennet, ihm Luft und Athem ab: auch seine Freunde treten scheu zurück: sein edelster, ihm treugebliebner Freund sinkt, und mit ihm


  1. a) Hutten scheint dieses selbst geahndet zu haben; er machte sehr früh seine Grabschrift:

    Von der Geburt an ward mir zum Lebensloose das Elend;
         Uebel zu Land’ hab’ ich, Uebel zu Wasser erlebt.
    Will es das Schicksal dann, daß all mein Leben in Jammer
         Ende; so will es mir wohl, daß ich es endige bald.
    Unter tausend Gefahren hab' ich die Muse geliebet,
         Habe gethan für sie, was und wieviel ich vermocht.

Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Fünfte Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1793, Seite 330. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_V.djvu/346&oldid=- (Version vom 1.8.2018)