Seite:Zerstreute Blaetter V.djvu/41

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Die gemahlte Poesie war in der Christenheit ehemals wohl gelitten gewesen und ihres Scharfsinns halben gelobt worden; sie mußte aber, ich weiß nicht weßhalb? einmal plötzlich unter die Scythen wandern. Da war sie in großer Gefahr.

Sie liebt bekanntermaassen Salz und nur das reinste Salz; die Scythen aber brauchen kein Salz, und waren der mahlenden Poesie von Natur erzfeind.

Mochte sie eine Sonnen- oder Mondfinsterniß, mochte sie Nebelsterne, oder irgend sonst etwas mahlen. Zahnlose Löwen, faule Bären, läßige Pflugstiere, lahme Pferde, magre Hirsche, räudige Wölfe, dumme Füchse, Adler ohne Federn, Pfauen ohne Schweife, heisere Hähne, geflügelte Schildkröten, rostige Kronen, welke Kränze, welkende Rosen, befleckte Lilien, faules Obst, angehauene

Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Fünfte Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1793, Seite 25. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_V.djvu/41&oldid=- (Version vom 1.8.2018)