Seite:Zwei Feine Gleichnisse von der Weisheit dieser Zeiten.pdf/5

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Liste.png Zwei Feine Gleichnisse von der Weisheit dieser Zeiten zu Nutz und Frommen des lieben Christenvolkes mit einer Vorrede und Randglossen versehen

Von einer thier’schen Vetterschaft
Zu höherm Stand emporgerafft,
Dem Affenvater sich entrungen
Und sich zur Menschheit aufgeschwungen.

 An Pavians Lenden seh’ man nur
Des kolossalen Aufschwungs Spur,
Dieweil der Mensch enthaart vom Pelze,
In glatter Haut einher nun stelze
Vom Blau der Hinterseite frei,
Schön weiß und rot zu schauen sei,
Sich leicht ergeh’ in Rededunst
Nach Papagaienart und Kunst,
Ja, allbereits Gedankenblitze
Aus altem Affenhirne schwitze.** Denn die neue Wissenschaft lehrt, daß die Gedanken nichts anderes seien als Ausschwitzungen des Gehirns, wie der Urin eine Absonderung aus den Nieren.

 Nur Eines hätten wol auch sie
Gemein noch mit dem lieben Vieh,
Daß nämlich sie unsterblich Leben
Sich könnten nicht zum Erbtheil geben,** Daß sie auch wie das Vieh keinen Anspruch mehr auf ein ewiges Leben machen könnten noch wollten.
Doch schiene ihnen fast bequem,
Daß ihnen dies zu Sinn nicht käm’,
Und daß sie unbeschwert zur Zeit
Verblieben von der Ewigkeit,
Die sich bei gutem Trunk und Essen** „Laßt uns essen und trinken, denn morgen sind wir todt“, wir wollen keine Anweisung auf ein anderes Leben!“ So lautet ihr Geschrei.
Auf Erden lasse leicht vergessen.

 Als Adam von dem Traum erwacht,
Hat dem Gesicht er nachgedacht,
Und dann geblickt durchs Hüttenfenster,
Ob er denn etwa schau Gespenster;
Allein da draußen auf dem Gras
Am Morgen noch der Affe saß,
Der mit gar pfiffigem Gesicht –
Als gieng ihm auf ein neues Licht –
Nach einem Ast mit Steinen zielte
Und mit gestohlnen Aepfeln spielte.

 Und Adam sah den Pavian
Sich lang in tiefem Sinnen an;
Doch endlich that er auf die Pforte,
Trat hin zu ihm und sprach die Worte:
Mein Freund, zur Zeit erfährst du nicht,
Was mir da zeigte ein Gesicht;

Empfohlene Zitierweise:
: Zwei Feine Gleichnisse von der Weisheit dieser Zeiten zu Nutz und Frommen des lieben Christenvolkes mit einer Vorrede und Randglossen versehen. Abteilung II der Gesellschaft für innere Mission im Sinne der lutherischen Kirche, Nürnberg 1874, Seite 05. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zwei_Feine_Gleichnisse_von_der_Weisheit_dieser_Zeiten.pdf/5&oldid=- (Version vom 29.10.2017)