Skizzen aus Ungarn I

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Herbert König
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Skizzen aus Ungarn. 1. Der Csikós; 2. Esterhaz und Forchtenstein
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 20, S. 261–263
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1855
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[261]
Skizzen aus Ungarn.
Von Herbertka.
I.
Der Csikós.

Wenn man den ungarischen Bauer über sein Vaterland befragt, antwortet er nicht selten: „Ach, Ungarn ist viel zu groß, das läßt sich nicht beschreiben!“ – Er kennt kein anderes Land über die Marken seiner Heimath, oft nicht über die seines Comitats hinaus – er will kein anderes kennen – und er hat so Unrecht nicht – denn Ungarn ist. ein schöner, glücklicher, gesegneter Erdstrich, er ist in Wahrheit die Kornkammer Oesterreichs, und von einem Volke bewohnt, das, stolz auf seine kampfreiche Geschichte, kriegslustig und in ungeschwächter Jugendkraft, durch die Jahrhunderte braust. Es sind noch dieselben Centauren, Roß und Mann eins, welche unter dem gefürchteten Namen der Hunnen, gleich Wetterschlägen, ganz Deutschland durchdrangen; dieselbe südasiatische Glut wohnt noch im Magyaren von heute, den aber die Civilisation, die allerdings eines Zeitraums von siebenzig Decennien bedurfte, auch zum guten Bürger, zum arbeitsamen Landmann bildete.

Die Gartenlaube (1855) b 261.jpg

Der Csikós.

Die Hirten Ungarns, diese ächten Natursöhne, diese Muster einer unverfälschten Race, sind der eigentliche Typus des ungarischen Volkes. Ein schöner, kräftiger Menschenschlag, scheinen sie gefeit gegen jede Krankheit; die Urkraft, die in ihnen wohnt, trotzt der sengenden Glut der Sonnenstrahlen, wie den eisigen Herbstnebeln der Pußta, – dafür schauen sie aber auch das erste Morgenroth, und ihnen leuchten Mond und Sterne wohl am Längsten. Einfach wie ihr Kleid, ist ihre Nahrung. Sie kennen kaum eine andere, als Speck und Brot, so wie eine Hose und ein Hemd von grober Leinwand, darüber die Bunda geworfen, ihre ganze Verhüllung ausmachen. Sie kennen nichts in der Welt als die ihnen anvertrauten Thiere, sie lieben nichts als ihre Pferde, Schafe, Schweine oder Rinder, mit denen sie sich schon als kleine Jungen beschäftigten. Was unsern Kindern ein Spielzeug oder ein Bilderbuch, das ist dem siebenjährigen Hirtenbuben ein junges Schaf oder Fohlen.

Die Hirten bilden gewissermaßen eine Zunft. Es giebt Schafhirten, Rindvieh-, Schweine- und Roßhirten, die sich in ihrer Lebensweise streng von einander scheiden, und gewisse Gebräuche und Rechte usurpirt haben, von denen sie keinen Zoll breit weichen.

Sieht man auf einer Hochzeit, wo es immer drüber und drunter geht, einen recht ausgelassenen Burschen, der wie toll den Dudelsack bearbeitet, oder auf einer Flöte bläst und dazu mit dem Bund-Schuhe taktirt und wild den Kopf wirft, dessen Haare in lange Zöpfe gefloxhten, so kann man wetten, dies sei ein Schafhirt, der am Morgen des Tages auf seinem Esel zur Schenke kam, und die Huth seiner Heerde einstweilen dem großen zottigen Freunde, seinem Hunde, vertraute, dessen Glieder so stark sind, daß er selbst ein Schrecken für Wölfe ist. Außerdem bleibt der Schafhirt Tag und Nacht unter seinen Schafen. Auf seine Handaxt gestützt, mustert er Stunden lang die wollige Zucht, oder lehnt an seinem Esel, und schnitzt zum Zeitvertreib Holzlöffel oder strickt Strümpfe. Dabei darf die Pfeife nie ausgehen, so wie der Napf mit saurer Milch nicht leer werden, die im Sommer seine einzige Nahrung ausmacht.

Wenn man bedenkt, daß Ungarn mehr als 17 Millionen [262] Schafe züchtet und daß auf 80 bis 100 Schafe ein Schäfer kommt, so mag wohl die Anekdote nicht übertrieben sein, daß Ungarns größter und reichster Grundbesitzer mehr Hirten habe, als jener Lord Schafe. –

Ungeselliger und unzugänglicher ist das Leben des Schweinehirten, der nie in einer Schenke zum Tanze aufspielt. Weniger in den Ebenen, als in undurchdringlichen Eichen- und Buchenwäldern, lebt er mit seiner grunzenden Schaar. Abgeschlossen von Städten und Dörfern, fern von jeder Kultur, ist der ungarische Schweinehirt der vollendete Sohn der Wildniß. Sümpfe und Moräste stehen bei ihm in gleichem Werthe mit Flüssen und Seen. Er lacht laut auf, wenn die Fischer an der Theiß ihren Strom den Nil Ungarns nennen, und verweist dagegen stolz auf den Hansag mit dem beweglichen Kahne als den König der Moräste. Statt des Dudelsacks handhabt er seine Balta (Handaxt) als Wurfgeschoß mit so furchtbarer Geschicklichkeit, daß er damit jedes beliebige Schwein aus ziemlicher Entfernung todt zu Boden streckt. Diese Handaxt ist sein stetes Spielzeug; er läßt es durch die Finger laufen wie einen Spazierstock, wirft es hoch in die Luft und fängt es im Gehen wieder auf, und so verleiht diese Waffe dem ganzen Manne ein solches Gefühl der Sicherheit, daß das Sprüchwort geht: der Kondas ist sicher vor Jedem, aber nicht Jeder vor ihm. – Und in der That ist er bei seinem rachsüchtigen Temperament ein gefürchteter Charakter, den man, mehr als zuträglich ist, mit der „Haideschenke“ verkehren sieht, und der nie recht begreifen kann, daß seines Herrn Schweine nicht auch die Seinigen sind. – –

Neben der Schweine- und Rindviehzucht spielt die Pferdezucht in Ungarn die bedeutendste Rolle.

Das Steppenpferd wird nicht so leicht von einem andern an Schnelligkeit wie an Wildheit übertroffen; gewiß aber erreicht kein Pferdeknecht der Welt den Csikós an Schlauheit, Ausdauer und Kühnheit.

Außer den kaiserlichen Gestüten, wo die ungarische Zucht durch englische Race veredelt wird, giebt es auch in den Pußten wilde Gestüte, welche das ganze Jahr hindurch unter freiem Himmel campiren. Nur bei außergewöhnlicher Kälte werden die Pferde in leicht gebaute Ställe getrieben, und es ist keine Seltenheit, daß die Stute auf dem Schnee fohlt.

Hier ist nun das Reich des Csikós, hier ist es, wo der verwegene Bursche, um ein Lobeswort seines Herrn zu erhaschen, oft sein Leben einsetzt, um diesen oder jenen Ausreißer wieder zur Heerde zurückzubringen, oder ein Roß einzufangen, welches verkauft werden soll.

Was der Araber in der Wüste, ist der Csikós in der Steppe. Er lebt, ißt, trinkt, schläft und stirbt auch manchmal auf seinem Pferde. Kein Pferd zu besitzen, ist ihm geradezu eine Schande, so daß er es vorzieht, das erste beste sich lieber anzueignen, als etwa zu Fuße zu gehen. Wie der Seemann die Landratte verachtet, so blickt der Csikós mit Geringschätzung auf den bescheidenen Fußgänger herab; und hört man einmal von einer Schlägerei zwischen einem Infanteristen und Husaren, so kann mit ziemlicher Gewißheit angenommen werden, daß dieser Husar ein ehemaliger Csikós gewesen.

Um bei seinem Geschäft völlig unbehindert zu sein, liebt er die zwangloseste Tracht. Außer einer blauen Weste trägt er nur Hemd und Gatye (weite Hosen), die er meist bis über’s Knie aufschlägt, wenn er läuft oder reitet. Die Csizmen (Stiefeln) sind oben so weit, daß sie zugleich als Taschen dienen, und nur auf seinem Hute erlaubt er sich einen kleinen Luxusartikel, in Gestalt eines weißen Busches. Es ist dies die Blüthe einer baumwollenartigen Staude, die aus den Steppen wächst, und das „Waisenmädchen“ genannt wird, weil sie immer allein steht. –

Wer jemals ein Steppenpferd in seiner ganzen Wildheit daherbrausen sah, und so leicht wieder fortjagen, daß es nur eine leise Spur im Sande zurückläßt, den befällt gewiß eine Art Schauder, wenn er nur daran denkt, sich einem solchen Thiere nähern, oder in den Weg stellen zu wollen.

Wohl aber sucht sich der Csikós den wildesten Hengst in der Heerde, wirft ihm, noch ehe das Thier sein Heranschleichen gewahrt, schon den Lasso über den Kopf und zieht diese Fangschnur, indem er sich dabei selbst zu Boden wirft, mit solcher Gewalt zusammen, daß das eben noch wüthende Pferd wie todt zur Erde stürzt. Wie ein Blitz eilt er nun herbei, stellt sich mit gespreizten Beinen über das zusammengebrochene Thier, und lockert vorsichtig den Lasso, der den Hals zuschnürte; das Roß fühlt sich frei, bäumt mit sammt dem Reiter in die Höhe und durchbricht im wüthendsten Carrière die auseinanderstiebende Heerde, und endet nicht eher diese Höllenjagd, bis es mit zitternden Knieen an einem Flüßchen oder Moraste steht, wohin es der schlaue Reiter dirigirte, der in der einen Hand seine Peitsche schwang und mit der andern die Mähnenhaare umschlungen hielt. Man behauptet, die Wildheit sei für immer von einem Pferde gewichen, das die eiserne Faust eines Csikós berührte.

So verleben diese waghalsigen Menschen ihre Tage in der Steppe, die hier, wie auf dem Schlachtfelde, stets Heldenthaten vollziehen. –

II.
Esterhaz und Forchtenstein.

Wie ein leuchtender Stern strahlt in der Geschichte Ungarns der Name „Maria Theresia!“

Nie wird der Ungar vergessen, wie die bedrängte Frau, den Feind im Rücken, sich nach Preßburg begab, und den Säugling Joseph auf dem Arme, in der Versammlung der Stände erschien und in lateinischer Sprache eine Rede hielt, in der sie, mit Thränen im Auge, ihre unglückliche Lage schilderte, und sich und ihren Sohn dem Schutze der Ungarn anvertraute. Ihre Jugend, ihre Schönheit nicht minder als ihr Mißgeschick rührten alle Anwesenden, und mit begeistertem Rufe erscholl’s: „Laßt uns sterben für Maria Theresia, unsern König!“

Auch in der Geschichte von Esterhaz ist der Name der erhabenen Frau verflochten, und mit Ehrfurcht betreten wir das Zimmer des Schlosses, wo die große Königin vor 164 Jahren übernachtete.

Sogenannte Ritterburgen giebt es in Ungarn nur noch sehr wenige. Die Mongolen und Türken, die in das Land gerade zu der Zeit einfielen, in welcher sich der Adel jene Schlösser zu bauen pflegte, bereit Dauerbarkeit Jahrhunderten trotzte, scheinen Ungarn um seinen mittelalterlichen Schmuck gebracht zu haben, der in deutschen Landen noch durch unzählige der herrlichsten Ruinen zur Gegenwart redet.

Wenn auch Johannes Hunyad unsterblich als Osmanensieger glänzte, und sein ruhmwürdiger Sohn, Mathias Corvinus, als König ein wahrer Vater und Beschützer seines Volkes war, so verfiel doch bald unter schwächeren Nachfolgern Ungarn wieder der Anarihie durch innere Zerfleischungswuth und jene wilden Eindringlinge und ward ein Herd des Vandalismus. Endlich schaffte Eugen’s denkwürdiger Sieg bei Zentha über die Türken (1697) dem Lande die ersehnte Ruhe, nachdem das Haus Oesterreich zehn Jahre früher, auf dem Landtage zu Preßburg, das unglückselige Wahlrecht der ungarischen Stände aufgehoben hatte.

Eine der wenigen Ruinen, die aus jener eisernen Zeit stammen, liegt im neograder Comitate und zeigt noch Spuren von ihrer einstigen Größe und Gewaltigkeit. Sie heißt Fülekvár. Sie ward gegründet, indem ein Hirt den höchsten Punkt eines Berges erreichte, wo sein Hund einen ungeheuern Schatz fand, mit welchem der Hirt die Burg daselbst aufbaute und so ein mächtiger Ritter wurde. Der Hund hieß Fülaß (d. h. Einer der Ohren hat), und deshalb wurde die Burg Fülekvár genannt.

Ein anderes Bergschloß aus späterer Zeit und in demselben Comitate beißt Dévény, und liegt eine halbe Stunde von dem großen Marktflecken Miethna, ungarisch Samosfalck. Dort hauste ein reicher, wilder Dynast (hoher Edelmann), Georg von Balassa, der sein Schwert in dem Aufstande des Grafen Mathé von Trentstein gegen den Ungarn-König Robert zog, gefangen wurde und auf seine Burg Dévény, unter Aufsicht eines Obersten, gebracht wurde, der ihm immer knapp zur Seite blieb. Doch endlich wurde dies Bewachen Georg von Dévény zu viel, und er erschoß mit einer Pistole den Obersten beim Mittagsmahle, über den Tisch hin. So ward er frei – und hier schweigt die Geschichte.

Doch zu Esierhaz und Forchtenstein.

An der Grenze eines zwanzig Meilen langen Morastes, des Hansag, liegt Esterhaz, eines der schönsten Schlösser des Fürsten Paul Esterhazy, des Aeltesten dieser berühmten Familie.

[263] Um einen Begriff von dem Reichthume dieses Magnaten zu bekommen, muß man wissen, daß die Güter dieses Edelmannes den Flächeninhalt des Königreichs Sachsen übertreffen, gegen vierzig Städte, fünfunddreißig Schlösser und 130 Dörfer umfassen, und daß sein Gesammtvermögen auf 150 Millionen geschätzt wird. Und deshalb durfte es auch nur ein Esterhazy wagen, ein Schloß in solch’ einförmige Gegend, wie die am Neusiedlersee, zu bauen und so zu beweisen, wie durch Reichthum und menschliches Raffinement einer so öden Landschaft noch gewisse Reize abgewonnen werden können.

Esterhaz stammt aus dem Ende des 17. Jahrhunderts und steht seit länger als funfzig Jahren unbewohnt. In seinen Dimensionen riesenhaft (denn es zählt 356 Fremdenzimmer, außer den Tanz- und Concertsälen, den fürstlichen Gemächern, den Officianten- und Trabantenwohnungen), erscheint es dennoch beim ersten Anblick kleiner, was wohl das Ueberladene der Ornamentik und der tausend und aber tausend Schnörkel verursacht, welche die Architektur der damaligen Zeit bedingte, besonders da es im italienischen Styl aufgeführt ist. – Aber das Innere übertrifft diese Außenseite noch bei Weitem. – Wohin der Fuß tritt, berührt er geschliffenen Marmor oder Parkets von den kostbarsten Hölzern fremder Welttheile. Die Wände und Decken der Vorhallen sind bedeckt mit Gold und Malerei; gewirkte Seiden- und Ledertapeten der endlosen Zimmerreihen wechseln in mannigfaltigsten Variationen, venetianische Spiegel und Glasverzierungen werfen ihre brillantesten Lichter und Reflexe auf diese Prachtschöpfungen, die uns noch so frisch und glänzend entgegen strahlen, daß man meinen sollte, erst gestern habe der alte musikliebende Fürst, der Mäcen Joseph Haydn’s, seinen Feenpalast verlassen.

Den schroffsten Gegensatz zu dieser architektonischen Ueppigkeit bietet deren Umgebung – der Park des Schlosses, der wohl meist im schönsten Zopf-Styl angelegt sein mag, jetzt aber wie ein Bild versunkener Herrlichkeit vor uns liegt. Die Wege sind mit Gras und Unkraut überwachsen, die Bäume und Taxushecken haben ihre ursprüngliche Form verloren, und sind, nach damaligen Begriffen, sehr ausgeartet, d. h. ihrem Naturzustande näher gekommen – die kleinen niedlichen Amoretten liegen, von den Piedestalen gestürzt, mit Moos überwachsen, am Boden; die verschiedenen Schleichwege zu den Pavillons sind völlig undurchdringlich vor Gestrüpp und Binsen, und die kleinen, sonst so einladenden Lusthäuser, die ebenfalls bemalt und vergoldet waren, stehen, von Feuchtigkeit überzogen, in gräulicher Schwärze da und der Wind klappert mit den lockern Jalousie-Läden, durch die kein liebeglühendes Auge mehr lauscht.

Wenn auch unscheinbarer, doch für den Archäologen von viel bedeutenderem Interesse, ist das Schloß Forchtenstein, in der Nähe von Eisenstadt und gerade auf der österreichischen Grenze gelegen. Aus einem steilen Felsen erhebt es sich weit über das Land, und schaut mit seinem unförmlichen Wachtthürme, stolz ob seines ehrwürdigen Alters, nach Esterhaz hinüber. Forchtenstein erbaute ebenfalls ein Esterhazy im Anfange des 16. Jahrhunderts. Hier deutet Alles aus Kampf und Vertheidigung – keine Gärten, keine Pavillons, nicht Gold noch Marmor, nur starke Bastionen und Rittersale mit Waffensammlungen.

Die innern Räumlichkeiten sind eben so eng als unbehaglich, wie es nur in einem befestigten Schlosse des Mittelalters sein konnte. Der Baustyl ist gemischt, halb gothisch, halb byzantinisch, fast den Waffen entsprechend, womit die Burg theils gerüstet, theils verziert ist. Alle Lanzen, Speere und Schwerter sind leichter und in der Form graziöser als die unserer Ritter, die Brustharnische sind immer aus beweglichen Schienen zusammengesetzt, um sich darin nach allen Seiten hin bewegen zu können; die Helme sind leicht und oft schuppenartig, so wie man noch Schilde aus der ältesten Zeit von Korbgeflecht sieht. Türkische Waffen aller Gattungen prangen hier als Siegestrophäen, zwischen denen die alten ungarischen Fahnen hängen, die ein Kreuz mit dem Heilande als Banner führen.

Diese Veste, vielleicht das einzige Denkmal des mittelalterlichen Ungarns, dient jetzt als Gefängniß für die aufsässigen Bauern des Fürsten.