Spanisches Leben

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Spanisches Leben
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 46, S. 560
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[560] Spanisches Leben. Insofern es nicht politisch ist, gehört das spanische Leben nicht zu den schlechtesten Arten, die süße Gewohnheit des Daseins zu genießen. Die Familie steht früh oder auch spät auf, nimmt etwas Kaffee oder Chokolade und einen Mund voll Brot, worauf Jeder bis 10 oder 11 Uhr macht, was er will. Jetzt wird substantiell gefrühstückt und dann von der Anstrengung ausgeruht, was man „Siesta“ nennt, welche verschiedene Ausdehnungen hat. Wer sich den Spanier zum Freunde erhalten will, darf sich nie einfallen lassen, ihn während der „Siesta“ zu stören. Wer ihn während dieser Zeit beunruhigt, ist sein ärgster Feind. Der Spanier wird dann ein Wilder. Abends bis Mitternacht ist er ein Menschenfreund, während der Siesta ein Tiger. Wecke ihn und er zerreißt Dich! Mittagsessen giebt’s nicht. Jeder ißt nach Belieben, wenn er ausgeschlafen hat. Um 8 bis 9 Uhr Abends erst kommt das gemeinschaftliche, feierliche, freudige Mahl. Die Familie versammelt sich, Freunde gucken herein und essen mit, die Mädchen bringen ihre Guitarren und es wird bis Mitternacht gesungen und getanzt. Das ist die Zeit, wo man eine spanische Familie sehen muß. Von neun Uhr bis Mitternacht ist Alles Lust, Freude und Gemüthlichkeit. Wer einmal bekannt, einmal eingeführt ist, kann während dieser Zeit kommen und gehen, wie er will und Fremde mitbringen. Ist er bekannter, steht ihm Haus und Herd und Speisekammer, jeder Theil des Hauses zu jeder Zeit zur Verfügung. Er kann überall herumlaufen, wie ein Liedlingshund. Frauen und Mädchen laufen im tiefsten Negligé nicht von ihm, sondern plaudern mit ihm. Der Bekannte im Hause wird nie angemeldet. Er wird vom Diener eingelassen und macht dann, was er Lust hat, ohne daß es Jemandem einfällt, etwas zu Familiäres darin zu finden, wenn er in der Speisekammer (wo freilich Vorräthe nicht Mode sind) sich selbst bedieut oder zusieht, wie sich die Dame des Hauses das Haar kämmt oder die Strumpfbänder zubindet.