Sponsel Grünes Gewölbe Band 2/Tafel 52

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Tafel 51 Das Grüne Gewölbe: eine Auswahl von Meisterwerken in vier Bänden. Band 2 (1928) von Jean Louis Sponsel
Tafel 52
Tafel 53
  Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
[Ξ]
TAFEL 52
1. KANNE IN EIFORM MIT EINEM FRAUENRAUB DURCH
MEERESGÖTTER, GETRIEBENE AUGSBURGER ARBEIT DER
1. HÄLFTE DES 17. JAHRHUNDERTS. WOHL VON EINEM
MITGLIED DER FAMILIE GRILL
*
2. DRACHENKANNE IN BIRNENFORM MIT BAROCKER
VERZIERUNG, GETRIEBENE UND GEGOSSENE ARBEIT VON
CHRISTOPH JAMNITZER IN NÜRNBERG
[Ξ]
Sponsel Grünes Gewölbe Band 2 Tafel 52.jpg

[254] Links: Getriebene bauchige Kanne aus vergoldetem Silber in Eiform, mit getriebenem glattgebuckelten runden Fuß. Ausguß und Henkel gegossen. Oben auf dem Bauch der Kanne vorn ein Kinderkopf, hinten eine Löwenmaske, gegossen und aufgesetzt. Auf dem Körper der Kanne ringsum ein Frauenraub durch Meergötter in getriebener Arbeit. Am geschweift aufsteigenden Hals mit kurzem breiten Ausguß vorn eine Maske, auf dem geschweiften Henkel ein langhalsig vorgestreckter Frauenkopf. – Auf dem Rand des Sockels die Beschaumarke von Augsburg und die Meistermarke R 296, nach R ein Goldschmied aus der Familie Grill. Erste Hälfte des 17. Jahrhunderts. (H. 39,5 – IV. 291.)


Rechts: Silbervergoldete getriebene Kanne mit langhalsigem Drachenkopf als Ausguß und einer zweiköpfigen Schlange als Henkel. Der birnförmige Körper ist mit seiner Einschnürung und seinen Buckelungen aus der Form der Ageleyblume entwickelt. Die obere stark ausladende Körperzone hat vier große herzförmige glatte Buckel in Akanthusranken mit darüber sitzenden Cherubimköpfchen. Die untere Zone hat acht Schneckenbuckel und in der Einschnürung darüber aufgesetzte durchbrochene gegossene Bügel und Drachen. Der Schaft hat einen vasenförmigen Knauf mit vier glatten Buckeln zwischen aufgesetzten Bügeln mit Drachenköpfen und einen im Vierpaß gebildeten Sockel mit vier glatten Buckeln, auf denen gegossene Widderköpfe über Ranken aufsitzen. Auf dem Körper ist eine im Vierpaß gebildete Öffnung, auf der als Deckel ein geschweifter aufsteigender Sockel mit vier getriebenen knorpelartigen Löwenmasken und angesetzten Bügeln sitzt, darauf steht eine geflügelte Fama. Auf den vier Buckeln sind in kaum sichtbarer Punzenarbeit die allegorischen Gestalten der vier Jahreszeiten angebracht. In dem Deckel sitzt eine Platte mit Maureske, umgeben von vier eingeätzten Cherubimköpfchen. – Auf dem Zapfen der Öffnung und auf einem Buckel des Sockels die Beschaumarke von Nürnberg, auf letzterem auch eine undeutliche Marke, nach R 3096 die des Christoph Jamnitzer (1563–1618). (H. 46 – IV. 293.)