Sponsel Grünes Gewölbe Band 4/Tafel 20

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Tafel 19 Das Grüne Gewölbe: eine Auswahl von Meisterwerken in vier Bänden. Band 4 (1932) von Jean Louis Sponsel
Tafel 20
Tafel 21
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TAFEL 20
ELFENBEINSCHNITZEREIEN
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Sponsel Grünes Gewölbe Band 4 Tafel 20.jpg

[80] a) Die griechische Caritas. Einem Greis, den Oberkörper nackt, um die Hüften einen faltigen Mantel, der auch den Baumstumpf umhüllt, auf dem er sitzt, die gefesselten Hände durch eine schwere Kette mit dem linken Knöchelring verbunden, reicht eine stehende Frau die linke Brust. Sie blickt spähend zur Seite, der weite Mantel läßt den Oberkörper frei; die Linke hält die Brust, mit der Rechten drückt sie den Kopf des Mannes an sich. Es ist Kimon und seine Tochter Pera, die ihn im Gefängnis nährt. Aus einem Stück geschnitzt.

II. 43. Dem Stil nach von Melchior Barthel, Dresden.


b) „Die Zeit hebt die gesunkene Kunst.“ – Die Kunst, eine nackte Frau, deren Schoß ein Tuch bedeckt, sitzt mit zurückgelehntem Haupt und gelösten Gliedern auf dem Erdball. Saturn, ein sehniger Greis mit Kahlkopf und langem Bart, empfängt sie auf seinem linken Schenkel: seine Linke umfaßt ihren Leib, seine Rechte stützt sie von hinten. Ein weinender Putto, künstlerisches Handwerkszeug, Bücher, Karten, Modelle liegen am Boden. Auf dem über den Rücken des geflügelten Gottes herabwallenden Mantel die Inschrift: I. C. L. Lücke.

Hölzerner Sockel grün marmoriert, geschweift, die vier Reliefs vergoldet: auf ihnen Embleme von Baukunst, Malerei, Musik und Astronomie.

Nach Scherer a. a. O. S. 81, 84ff. (Abb. S. 85) hat Lücke die Arbeit am 8. November 1736 dem Kurfürsten Friedrich August II. überreicht, der ihm dafür am 24. November 80 Dukaten zahlte. Lücke bewarb sich damit um die durch Permosers Tod freigewordene Stelle eines Hofbildhauers. Auch der Sockel, der den Stil des Rokoko zeigt, ist sicher von seiner Hand. Vgl. auch Scherer, Elfenbeinplastik, S. 89 (Abb. S. 88).


c) Neptun raubt die Amphitrite. Der nackte bärtige Gott, das rechte Knie auf einen Stock gestützt, hat den rechten Arm um den Leib der Frau geschlungen, die Linke hält ihren Schenkel, während sein Mund sich auf ihre Wange preßt. Sie wehrt mit verzweifeltem Blick und hocherhobenem Arm den Angriff ab; ein Delphin krümmt sich zwischen ihren Beinen.

II. 44. Von derselben Hand wie a, also auch von Melchior Barthel, Dresden.

An der Hand der Frau fehlt der kleine Finger.