Sponsel Grünes Gewölbe Band 4/Tafel 62

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Tafel 61 Das Grüne Gewölbe: eine Auswahl von Meisterwerken in vier Bänden. Band 4 (1932) von Jean Louis Sponsel
Tafel 62
Tafel 63
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TAFEL 62
BRONZEGUSS: REITERDENKMAL AUGUSTS DES STARKEN
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Sponsel Grünes Gewölbe Band 4 Tafel 62.jpg

[164] Ein hölzerner, mit Bronzeein- und -auflagen und Figuren ausgestatteter Unterbau trägt einen ebenso dekorierten Marmorsockel, auf dem die Reiterfigur ruht. – Barhaupt, mit wallender Lockenperücke und Lorbeerkranz, im römischen Harnisch und Mantel, sitzt der Fürst auf dem langsam schreitenden Pferde. – Der Sockel trägt auf je einer Langseite ein Bronzeschild mit Krone und Palmen, das buntemailliert das polnisch-litauische Wappen mit dem von Kursachsen als Herzschild enthält. An den Ecken Kartuschen mit bärtigen Masken. – Auf der Voute des Sockels, mit Gold gemalt, Inschriften:

1. Vorn: „Sac. Rom. Imp. Archimarcalcus • et • elector Dux Saxoniae &“

2. Links (von vorn gesehen): „Augustus • II • D • G • Rex Poloniae • Magnus Dux Lithuaniae Rusiae Prusiae Massoviae Samogitiae Kioviae Voliniae Podoliae Podlaciae Livoniae Smolenciae Severiae y Czernicoviae“

3. Hinten: ,,[L]andgr Turinciae • Marchhi Misniae [n]ec non Superio et Inferi Lusatiae Burgra Magdee Com Princep Henneb comes Marci Ravenb et Barbi Domin in Raven“.

4. Rechts (von vorn gesehen): „August Wtory Zbozeylaski • Krol Polski Wielki Hiaze Litewski • Ruski • Pruski • Mazowieski Zumdski Kiowski • Wolynski • Podolski Podlaski • Lieflanski • Smolenski • Siewierski y • Czerniechowski.“

Der Unterbau besteht aus einer rechteckigen Platte mit vorgeschobenen Quadraten an den Ecken; die Mitte wird durch ein nach der Mitte zugespitztes Achteck von Spiegeln eingenommen, das in einer lambrequinartigen Platte gipfelt. An den Langseiten liegen Turbane. Auf den Eckplatten erheben sich doppeltgeschweifte Voluten, gleichfalls mit Bandeinlagen und Beschlägen: Trophäen und Ranken, innen Akanthuspalmetten. Auf ihnen sitzen die Gestalten nackter Männer, drei Tataren, mit geschorenen Schädeln, dazu ein Arier, ein Jüngling mit idealem Gesichtsschnitt und lockigem Haar, die mit ausdrucksvollen Gebärden emporblicken. Die Deckplatte trägt auf den Ecken Trophäen: Helme, Schwerter, Bogen und Köcher. An den Langseiten lambrequinartig umrahmte Flachreliefs. Rechts der Empfang von Gesandten durch August den Starken im Palast zu Warschau; links die Schlacht bei Kalisch, darunter die Inschrift: La bataille de Kalisch.

Das Ganze ruht auf einer Platte von graugeädertem Marmor. IX, 87 und IX, 67. 1819 Inventar des Bronzezimmers Nr. 1. „Statue Königs August II. zu Pferde, vom Stückgießer Weinhold zu Dresden gefertigt, auf einer Platte von weißem Marmor … Unten ist eine Erhöhung von Spiegelglas, auf welcher eine Erdkugel steht“.

Bis 1929 war dem Postament irrtümlich die Reiterfigur Augusts des Starken auf kurbettierendem Pferde beigegeben, während die zugehörige Reiterfigur als die Ludwig XIV. von Frankreich galt (Sponsel, Führer, 2. Aufl., S. 332 und 338). Wie eine neuere Untersuchung ergab (G. Rudolph, Wiss. Beilage des Dresdner Anzeigers 8. X. 1929, Nr. 41), stellt die letztere gleichfalls August den Starken dar (1819 Inventar des Bronzezimmers Nr. 2: Statue Königs Augusti II., zu Pferde, in Paris gefertigt – auf hohem Schwarz gepeitztem hölzernem Postamente).

1716 hatte Raymond La Plat, der Architekt, ein Verzeichnis von Kunstgegenständen, die er in Paris für den König gekauft hatte, nach Dresden gesandt; darunter war: La statue Eguestre du Roi de polognie Electeur de Saxe demy grandeur naturel de bronse sur un piedestal de 8 pied de haut composse de marbre marcetterie bronses … pour mettre dans le millieux dun Sallon 15000 r. 10 pl … R 5300.“ Das Denkmal wurde in der Bildergalerie aufgestellt, 1742 im Palais im Großen Garten, wo es noch 1765 im Inventar genannt wird.

Über den Zusammenhang des ganzen Modells mit den Denkmalentwürfen des Barock s. Sponsel, Das Reiterdenkmal Augusts des Starken und seine Modelle. Neues Archiv für Sächsische Geschichte, 1901, S. 102. Es steht den Arbeiten des Pariser Bildhauers François Girardon, 1628–1715 am nächsten. Die Angabe des Inventars von 1819, der Dresdner Michael Weinhold habe das Denkmal geschaffen, ist ein Irrtum.