St. Barbara

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Textdaten
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Autor: Eduard Brauer
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Titel: St. Barbara
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 380–381
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Quelle: Commons und Google
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[380]
St. Barbara.

Als teutsches Land noch ganz und gar
Mit wilden Heiden bevölkert war,
Da wohnt’ ein Fürst am Strom des Rheines,
Der hatt’ ein Töchterlein, ein feines,

5
Um das mit heißem Herzverlangen

Viel wunderkühne Degen rangen;
Die Maid indeß, von Weltlust fern,
Diente dem Heiland, unserm Herrn,
Hielt aller Fürsten Glanz gering,

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Seit sie ein himmlisches Licht empfing.

Das blieb dem Vater unverborgen,
Und also sprach er am Ostermorgen:
„Sag’ ab dem Götzen Jesu Christ,
Mit Leib und Seele zu dieser Frist,

15
Sonst will ich selbst dich fluchbeladen

In’s Elend stoßen sonder Gnaden!“
Die Maid sprach: „Nein.“ – „Sag’ ab, zur Stunde!
Sonst soll im tiefsten Kerkergrunde
Bei Kröt’ und Molch’ dein Wohnsitz seyn!“

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Er sprach’s voll Grimm, die Maid sprach: „Nein!“ –

„Sag’ ab, sonst soll am Hügel hier,
Beim Zürnen Odin’s schwör’ ich’s dir,
Dein Blut vergießen dieser Stahl!“ –
„Nein!“ sprach die Maid zum Drittenmal.

25
„So stirb!“ – Der Wüthrich hat inmitten

Den lilienweißen Hals durchschnitten,
Doch aus der Wunde fließt kein Blut;

[381]

Sie wallt, umstrahlt von Himmelsgluth,
Zum Kreuze, das im Thale steht,

30
Schwingt sich zu Gott in frommem Gebet,

Derweil in regungslosem Grauen
Die Heiden solches Wunder schauen.
Erst als sie hat das Amen gesprochen,
Ist hell das Blut hervorgebrochen;

35
Mit Lächeln starb sie seligen Tod.

Und sieh, des Blutstroms dunkel Roth
Ward plötzlich eine Wunderquelle,
Die silbern fleußt an jener Stelle.
Da ward des Volks ein großer Theil

40
Sofort bekehrt zum ewigen Heil,

Und Pilger wallten von fern und nah,
Zum Kirchlein der Sanct Barbara.
Wohl mancher Mann und manches Weib
Wusch sich am Born den siechen Leib,

45
Und haben sie Heilung dort empfahn,

Das hat Sanct Barbara gethan.

Eduard Brauer.

Der Stoff obiger Legende findet sich u. A. in des Karlsruher Rectors Malsch „Noctes vacivae lucerna,“ t. II. p. 104. Die Heilige soll sogar ihr abgehauenes Haupt, ohne den Kopf zu verlieren, ruhig den Berg herab zur Quelle getragen haben; ein Wunder, welches selbst für die Poesie etwas zu stark ist.