Staubwirbel und Sandtänze

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Textdaten
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Autor: Bw.
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Titel: Staubwirbel und Sandtänze
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 2, S. 36
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1897
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
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[036] Staubwirbel und Sandtänze. In wüstenhaften Gegenden mit trockenem Klima und felsiger, sandbedeckter Oberfläche wird nicht selten eine meteorologische Erscheinung beobachtet, welche gewiß zu den seltsamsten unserer Atmosphäre gehört. In Persien, Beludschistan, im Indusgebiet, in Nevada und in einigen anderen Ländern, freilich bei weitem nicht in jeder wüstenartigen Gegend, beobachtet man alsdann bei völliger oder nahezu völliger Windstille, daß sich urplötzlich ein leichter Luftstoß bildet, der eine Handvoll feinen Staubes vom Boden rafft und in die Höhe wirbelt. Ohne äußeres Zuthun, rein aus sich selbst heraus, wächst dann diese kleine Staubsäule an, saugt den gröberen Sand des Bodens sichtlich auf, reckt sich in die Länge und Breite und beginnt zu kreisen. Bald rafft sie Gesträuch, Gras, Kies empor, Steine erheben sich und machen den Wirbel mit, und ringsum herrscht immer noch völlige Windstille und tiefes Schweigen. Die wirbelnde Säule reckt sich bei 8 bis 20 Fuß Durchmesser bis in die Wolken, und endlich setzt sie sich in Bewegung: der „tanzende Riese“ wie man die wunderlichen Gebilde in Nevada nennt, ist fertig. Anfangs langsam eilt er bald mit Windeseile über den dürren Boden hin, gern den Thalzügen folgend und mitunter lange Reisen vollendend, bevor er sich geräuschlos, wie er entstand, auflöst. Der Eindruck der ungeheuren, geisterhaft durch die stille, sonnige, windlose Gegend schreitenden Gebilde auf den Reisenden soll großartig sein, dabei haben sie nichts von der zerstörenden Gewalt der Tromben und auch niemals die trichterförmige Gestalt der Wasser- und Windhosen. Manchmal kann man mehrere solcher Säulen zugleich sehen: Cook zählte in Indien ihrer zwanzig an einem windstillen Tage in dem von hohen Bergen eingeschlossenen Thale Mingochac. Selten richten die wandernden Staubtänzer Unheil an, da ihre Massen gering sind und man ihnen leicht ausweichen kann, dennoch soll es schon vorgekommen sein, daß überraschte Wanderer von ihnen ergriffen und mitgenommen wurden. Die Vorbedingung ihres Entstehens ist ein heißer, trockener Tag mit einer Atmosphäre, die stark von Elektricität erfüllt ist. Wenn beim Schwellen des Indus sein Wasser überzutreten und in den alten Kanal zu fluten beginnt, der zur Bewässerung des oberen Stromgebietes angelegt ist, so pflegt der vorschreitenden Flutwelle auf die Entfernung einiger Kilometer eine solche gewaltige Staubsäule voranzugehen. Vielleicht wird die genauere Erforschung dieser Staubwirbel einst den Schlüssel zur Erklärung der bekannteren Wirbelerscheinungen, wie Tromben, Wasserhosen, Tornados, Cyklonen u. dergl., liefern.

Bw.