Steinichtwolmsdorf während des 30jährigen Krieges

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Textdaten
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Autor: Friedrich Bernhard Störzner
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Titel: Steinichtwolmsdorf während des 30jährigen Krieges
Untertitel:
aus: Was die Heimat erzählt. Sagen, geschichtliche Bilder und denkwürdige Begebenheiten aus Sachsen, S. 384–385
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Erscheinungsdatum: 1904
Verlag: Arwed Strauch
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: SLUB Dresden und Wikimedia Commons
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162. Steinichtwolmsdorf während des 30jährigen Krieges.

Alle Ortschroniken unseres Vaterlandes wissen zu erzählen von den Drangsalen, welchen die Bewohner der betreffenden Orte während des 30jährigen Krieges ausgesetzt waren. Auch die früheren Einwohner von Steinichtwolmsdorf bei Neustadt wissen davon zu berichten. Der Ort hatte schwere Schicksale zu ertragen. Pastor M. Adam Grund, der von 1693 bis 1742 Pfarrer in Steinichtwolmsdorf war und dort am 19. Februar des letztgenannten Jahres starb, hat die Schicksale des Ortes aufgezeichnet. In dem von ihm hinterlassenen Manuskript heißt es da wörtlich:

Was die Heimat erzählt (Störzner) 386a.jpg

Steinichtwolmsdorf um 1840.

„Das verderbliche Kriegsfeuer hat diesen an der böhmischen und lausitz’schsen Grenze gelegenen Ort sehr hart vom Anfange bis zum Ende des Krieges betroffen, wie aus folgendem zu sehen ist: Anno 1631, den 2. Oktober (setzet M. J. Kettner, Past. zu Steinichtwolmsdorf), habe ich 2 Kinder im Hohenwalde unter freiem Himmel getauft, weil eben damals die Crabaten allhier eingefallen und der Pfarrer mit Weib und Kind die Flucht nehmen und sich etliche Tage und Nächte im Hohenwalde aufhalten und von dannen auf der Elbe sich nach Dresden begeben müssen. Den 5. Oktober ist Balthasar Ulbrecht von den Crabaten in der Sacristey niedergehauen und Thomas Thonius erschossen worden.

Den 30. Oktober ist Matthäus Flügel, Kirchvater und Einwohner allhier, zu Weisa, nachdem er zuvor von den gedachten Crabaten greuliche Martern erduldet und mit Anlegung der Daumenstöcke an den Händen und Anzündung derselben mit Kopfreiteln unbarmherzig gemartert und endlich erschossen worden. Anno 1632 hat der im Lande grassierende Contagion dieses ganze Kirchspiel dermaßen hart betroffen, daß nicht ein einziges Haus verschont geblieben und viel Häuser gar ausgestorben, daß deren Einwohner [387] sehr wenig übriggeblieben. Anno 1637, von dem guten Freitage bis auf Dom. Rogate, haben wir in Büschen und Steinklüften uns aufhalten müssen wegen des räuberischen Kriegsvolkes, so alles ausgeplündert und die Leute beschädigt. Montag nach Jubilate ist Balthasar Richtern im Oberdorfe ein Sohn in der Talwiese getauft worden. Nach vollendeter Taufe ging die Hatzfeldische Plünderung an, und mußten wir über 4 Wochen den Gottesdienst und unsere Nahrung verlassen. Anno 1643 im Monat März: Diese Zeit hatten wir unsere rechte Marterwoche, wegen stetigen Plünderns der Torstensonischen Armee. Eod. Anno, vom 18. November bis auf 10. Januar 1644, mußten wir alle von hier entweichen und wurde alles von Vieh und Hausrat uns von den Kayserlichen, so Zittau belagert, entführt und jämmerlich verderbt.“ –

Während des 30jährigen Krieges haben in Steinichtwolmsdorf drei Geistliche amtiert, nämlich Joachim Reinicke, vorher Pfarrer in Strawalde, von 1617–1623, der im Jahre 1623 als Pfarrer nach Torgau kam; M. Johann Kettner, der im Jahre 1625 das erste Kirchenbuch anlegt und 1633 als Archidiakonus nach Bischofswerda versetzt wird; M. Christoph Nitzschmann, vorher Feldprediger, stirbt 1662 in Steinichtwolmsdorf. – Schullehrer waren in Steinichtwolmsdorf während des 30jährigen Krieges Martin Richter, ein Bäcker, von 1612–1624 und Georg Vetter von 1624 bis 1676.

Die Wunden, welche der 30jährige Krieg der Gemeinde Steinichtwolmsdorf geschlagen hatte, heilten nur langsam, und Jahrzehnte hindurch kämpften die so schwer heimgesuchten Bewohner mit der bittersten Not.