Theatri Saxonici Ander Theil

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Textdaten
Autor: Lorenz Peckenstein
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Titel: Theatri Saxonici Ander Theil
Untertitel: Darinnen ordentliche Warhaftige Beschreibungen von Erbawung vnnd Auffnemen der vornembsten Haupt vnd Fürsten Schlössere / Im Marggraffthumb Meissen / Der Chur Sachsen / Landgraffschafft Düringen / Vnd dem Voigtlande / So wol dem Burggraffthumb Magdeburg / etc.
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Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1608
Verlag: Henning Grosse
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Erscheinungsort: Jena
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Quelle: ULB Halle und Commons
Kurzbeschreibung:
im VD17 unter der Nummer 3:313542Y Exemplar ULB Halle
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[1]
Theatri Saxonici
Ander Theil /
Darinnen or-
dentliche Warhaf-
tige Beschreibungen von Erbawung vnnd
Auffnemen der vornembsten Haupt vnd
Fürsten Schlössere /
Im

Marggraffthumb Meissen /
Der Chur Sachsen /
Landgraffschafft Düringen /

Vnd dem
Voigtlande / So wol dem Burggraffthumb Magdeburg / etc.
Zusampt dero Empter Vorzeichnis etc.
Aus vielen alten Monumentis vnd Archivis colligirt
Durch
Laurentium Peccensteinium Churf. S. Histor.
In Verlegung Henning Grossen des Eltern.


[Vignette]


Gedruckt zu Jehna im Jahr /

M.     DC.     VIII.

[2]
Amplissimâ dignitate, Generis anti-
quitate, Eruditione & rerum usu Viris praestantiss:
Dn. JOANNI Löser in Pretatzsch Haereditario, Mareschallo Electoratus Saxon.
Dn. JOANNI à Kostitz in Kriegersdorff.
ET
Dn. JOHAN ERNESTO ab Haugwitz in Potzka.


Praepositis & Praesidibus summis Ecclesiarum Naumburgensis, Mersburgensis & Misnensis, nec non Cizensis etc. Dominis officiosè observandis.


Hanc Pyrgographiam Principum & Ducum Saxonie etc.

 Dicat &
 consecrat
 Officioso & humilimo animo
 Laurentius Peccenstenius
 Autor.


Inhaltsübersicht[1]
Nr. Ortsbezeichnung heutige Schreibweise Kreis[2] Seite
1 MeissenSchlos Meissen Meißen Meißnisch 3
2 Scharffenberg Scharfenberg Meißnisch 6
3 DressdenSchloß Dreßden Dresden Meißnisch 8
4 Pirna Pirna Erzgebirgisch 10
5 KonigsteinKönigstein KonigsteinKönigstein Erzgebirgisch 11
6 Donyn Dohna Erzgebirgisch 12
7 Freyberg Freiberg Erzgebirgisch 13
8 Frawenstein Frauenstein Erzgebirgisch 14
8 Porstenstein Purschenstein Erzgebirgisch 14
9 Dippoldiswalde Dippoldiswalde Erzgebirgisch 14
10 Wolckenstein Wolkenstein Erzgebirgisch 15
11 Lichtenwald Lichtenwalde Erzgebirgisch 15
12 Augustusburg Augustusburg Erzgebirgisch 16
13 Lauterstein Lauterstein Erzgebirgisch 16
14 Schwartzburg Schwarzenberg Erzgebirgisch 16
15 Tzschopaw Zschopau Erzgebirgisch 17
16 Waldheim Waldheim Leipziger 17
17 Leißnick Leisnig Leipziger 18
18 Colditz Colditz Leipziger 18
19 Rochlitz Rochlitz Leipziger 19
20 Nossen Nossen Erzgebirgisch 20
21 Chemnitz Chemnitz Erzgebirgisch 20
22 Zwickaw Zwickau Erzgebirgisch 20
23 Hoenstein Hohnstein Meißnisch 21
24 Stolpen Stolpen Meißnisch 22
25 Moritzburg Moritzburg Meißnisch 22
26 Kalckreut Kalkreuth Meißnisch 22
27 Zabelutz Zabeltitz Meißnisch 23
28 Hayna Großenhain Meißnisch 23
29 Hohebucke Hohenbucko Kurkreis 24
30 Senfftenberg Senftenberg Meißnisch 24
31 Radeberg Radeberg Meißnisch 24
32 Libenwerdaw LiebenwerdaBad Liebenwerda Kurkreis 24
33 Torgaw Torgau Meißnisch 26
34 Weidenhayn Weidenhain Meißnisch 27
35 Sitzeroda Sitzenroda Meißnisch 27
36 Lichtenberg Lichtenburg Kurkreis 27
37 Annaburg Annaburg Kurkreis 28
38 MulbergMülberg MuhlbergMühlberg/Elbe Meißnisch 28
39 MogelenMögelen MugelnMügeln Leipziger 29
40 Eylenburg Eilenburg Leipziger 30
41 Wurtzen Wurzen Leipziger 30
42 Mutzschen Mutzschen Leipziger 31
43 Grimb Grimma Leipziger 31
44 Pleissenburg Leipzig Leipziger 32
45 Landesberg vnter Hall Landsberg Leipziger 33
45 Groitzsch bey Pegaw Groitzsch Leipziger 33
46 ZorbigkZörbigk ZorbigZörbig Leipziger 33
47 Wettien Wettin Stift Halle 33
48 Wittenberg WittenbergLutherstadt Wittenberg Kurkreis 34
49 Beltzig BelzigBad Belzig Kurkreis 35
50 Gommern Gommern Kurkreis 35
51 GlucksburgGlücksburg GlucksburgGlücksburg Kurkreis 36
52 Weissenfels in Thüringen Weißenfels Thüringer 36
53 Naumburg Naumburg (Saale) Stift Zeitz und Naumburg 36
54 Freyburg Freyburg (Unstrut) Thüringer 37
55 Eckhardsberg Eckartsburg Thüringer 38
56 Sachsenburg Sachsenburg (Oldisleben) Thüringer 38
57 Weissensee Weißensee Thüringer 39
58 Langensaltza LangensalzaBad Langensalza Thüringer 39
59 Sangerhausen Sangerhausen Thüringer 40
60 Plauen Plauen Vogtländisch 40
61 Voigtsberg Voigtsberg Vogtländisch 41
62 Weida Weida Neustädtisch 42
63 Adorff Adorf Vogtländisch 42
Beschlus


[3]
PRIMORUM AR-
CIUM MISNENSIUM
Ducum Principumq[ue] Saxo-
niae Origines.
I.
Schlos Meissen.

AVs beglaubten Historicis ist allerding kundbar / daß Keyser Heinricus Saxo, Auceps zugenamet / Anno 934. nach dem er die Vngern vor Merseburg allerding biß vffs Heupt erlegt / vnd von der grossen Menge derselben nicht mehr als jhr sieben vbrig vnd am Leben gelassen / welchen er doch die Ohren / Nasen vnd Hände abhawen / vnd also zerstümmelt anheim schaffen lassen / den andern die Zeitunge zu bringen / sich fort nicht mehr also mutwillig in andere Herrschafften zu wagen / vnd mit eusserstem Vnheil der Vnterthanen einen Tribut zu erzwingen / an dem Ort / da hernacher die Stadt Meissen angelegt / vnd nahe an der Elbe eine Burg / Castell vnd Landesfestung erbawet / daraus nicht allein den einfallenden Vngern / besondern auch andern Völckern / als die Laußnitzer / Dalomincier / vnnd Milciener Wenden / so er damals auch vnter seinen Gehorsam gebracht / zu wehren vnnd den Vnterthanen Schutz zu halten. Inmassen Ditmarus, als der Eltisten einer dauon also schreibet: Imperator Heinricus montem juxta Albim positum, & arborum densitate tunc occupatum, excoluit, ibiq[ue] arcem propugnaculum nec non urbem statuens, eidemq[ue] de rivo quodam, qui in parte Septentrionali fluit, nomen Misna imposuit, quam, ut hodie in usu habetur, praesidiis & aliis impositionibus munivit, ut ex ea Milcienos suae subactos ditioni, censum persolvere [4] coëgit. Das ist / Keyser Heinrich hat einen Berg an der Elben / so voller Beum vnd Gestreuche gestanden / einebnen reumen / vnd darauff ein Schlos / Burg / vnd dann darneben eine Stadt angelegt / vnd der Stadt den Namen von dem Wässerlein die Meisse / so nach Mitternacht seinen Vrsprung vnd Lauff hat / gegeben / das Schlos auch mit Kriegsvolck besetzt vnd befestiget / daraus die Milciener vnnd andere Völcker / so er bezwungen / in Gehorsam vnd zu Erlegung des Tributs anzuhalten.

Die Meißnischen vhralten Annales geben diese Nachrichtung / daß Keyser Heinrich der Erste / oder Vogler im Jahr Christi 930. vnd im 11. seines Regiments / das Schlos vnnd die Stadt darbey erstlichen angelegt / vnnd weil beydes zur Landfestunge wol gelegen / in etwas mit Wallen vnnd Graben befestiget / vnd das Schlos mit einer Besatzung von Riparensischen Kriegsleuten wider die Vngern / Lusatzer / Milciener / Böhmen vnnd Polen / so er alle bezwungen / versehen / vnd solche Festung vnd Stadt einem seiner Vettern / so zwar nicht genennet wird / vntergeben / welchen er hernacher zum Marggraffen vnd Iudicem Limitaneum gewidmet vnd endlichen gar vbereignet / welches Posteri vnnd Marggraff Echardus I. Guncelinus, Gunterus vnd Echardus II. mit den Polen vnd Böhmen darumb viel Kampffs gehabt / solche zum teil eine zeitlang daraus entsetzt / von jnen eingenommen / vnnd dagegen hinwieder von den Margraffen eröbert / vnd allerding besteiffet. Hernacher auch das hohe Stiefft daselbsten vom Keyser Ottone I. angelegt / vnd zum Schutz mit einem Burggraffen versehen / so dann auch seine sondere Residentz des Orts gehalten / inmassen dann von den dreyen Castellis des Orts vnnd sondern Burgen hernacher diß Sprichwort vnd Retzel erwachsen / da man zu sagen gepflogen / Raht / wo ist im Lande ein solcher Berg / darauff drey vnterschiedene Schlösser erbawet / vnd dann solche / als auch die Stadt darbey mit dreyen Wassern vmbgeben / vnd die Schlosbrücken vber den Kirchthurmb der Stad erhoben / da man diesen Ort damit gemeynet / der nicht allein die drey Schlössere / als der Marggraffen oder Fürsten Residentz / besondern auch des Bischoffs / so von Johanne dem Fünfften des Geschlechts von Weisbach erhoben / vnd dann der Burggraffen / dauon noch vor wenig Jaren ein hoher runder vnd zum theil eckichter Thurm zu sehen gewesen / gehabt / besondern auch die Schlosbrücken vber der Kirchen / so im Thal gelegen / erbawet / vnd dann die Stadt mit dem Schiffreichen Wasser der Elben / dann der Trebisa / vnd dann der Meisse / dauon die Stadt den Namen erstmal / vnd dann die gantze Gegend zusampt den Incolis erlanget.

Das Heupt vnnd Fürstenschlos ist von Hertzog Albrechten von [5] Sachsen / so man den deutschen Ruland / vnnd dann die Rechtehand des Römischen Reichs Ehren halben zugenamet / Anno 1471. auffs newe aussm Grund gantz steinern erhoben / also daß vier Gemach hoch alles vbereinander / auch biß vnter das Dach gewelbet / vnd recht Fürstlich vnd prechtig allerding zugerichtet / darüber Bawmeister Arnoldus Westphalus gewesen / ist wol zusehen / vnnd ein rechtes Fürstliches Sommerhaus / desgleichen keines im Lande der Gelegenheit vnd Lusts wegen / ob wol prächtigere vnd grössere derer verhanden / zu finden. Der Berg ist vor Alters mit einem Thiergarten vmbgeben gewesen / vnd hat dz Schlos einen trefflichen schönen Prospectum nach allen Plagis.

Neben diesem Fürstlichen Schlos haben in vorzeiten die Könige in Böhmen / vnd Vratislaus I. ein besonderes Schlos Anno 1088. nach der Höhe zur Gegenfestunge / daraus die Stadt in derer Gehorsam zu halten / zu demmal angelegt / als gantz Meissen vnd der Oberteil durch Keyser Heinrich den Vierdten / dem Königreich Böhmen zugeschlagen / vnd nach Böhmischer Sprach Guozedeck genant / dauon aber keine Vestigia jetzo in wenigsten der Rudera verhanden / vnnd allerding hernacher von dem alten Marggraffen vnd Erbherren zu grunde desolirt.

Auff diesem Schlos zu dem mal sich eine merckliche Historia zugetragen / so Cosmus Historicus mit diesen Vmbständen anziehen thut / Daß ein Böhmischer Herr / Beneda genant / des Königreichs Böhmen / aus was Vrsachen wird nicht angezogen / landreumig vnd ein Exul werden müssen / vnd als solcher sich nach Meissen / vnnd zu dem heiligen Mann Bischoff Bennoni, so ein Graff von Woldenburg aus Sachsen / vnd ingleichen in des Keysers vnd Königs Vngnaden gewesen / gewendet / vnd der König solches erfahren / habe er ihn durch gütliche Beschickung / aus Meissen zu sich ins Schlos Guozedeck bestellen lassen / Der Beneda trawte dem Könige / vnd stellet sich ein / dem der König mit guten Worten zugesprochen / sein Rapier vnd Mantel in Freundschafft abzulegen / welchem Beneda Folge thut / darauff wider Traw vnd Glauben der König solchen greiffen vnd anfassen lassen wil / Beneda so ein hertzhaffter Mann / erwischt in eil ein Schwerdt / so des Königs Cämmerling an der Seiten getragen / vnnd hewet zum ersten den Cämmerer / so den König schützen wollen / zu boden / der König / so allein / verheisset jhm in der Gefahr / Gnade zu erzeigen / als darauff Beneda einhalten thut / sticht vnd hawet der König auff solchen los / Beneda mus sich seiner Haut wehren / vnnd gibt dem Könige drey Streiche / also daß er fast zu boden gesuncken / in deme die Guardi wach worden / vnd auff Beneda zugeeilet / der dann in der ersten Furien zween Soldaten auff die Seel gefast / endlichen vbermannet / vnd gefenglichen angenommen / vnd ob er wol die Vntrew des Königes / vnd wie er zur [6] Noht vnd Gegenwehr höchst gedrungen / angezogen / ist er doch mit vier Pferden ad supplicium von einander gerissen / vnd dessen Cörper aus Gnaden vor dem Thumstifft zu Meissen ehrlichen begraben worden / da man dann hernacher wunderbare Lugenden geschrieben / vnd wie der Cörper gantz wiederumb in der Erden zusammen gewachsen / im Auffgraben gesehen / vnd sondere Mirackel darauff / Item / diß erfolget / daß der König in Böhmen bald hernacher erstochen / vnd also an jhm poena Talionis war gemacht / vnd jhm seine Vntrew belohnet worden / derwegen Beneda martyrisiret vnd canonisiret, vnd von Casma virum illustrem & Dei Martyrem nominirt wird.


II.
Scharffenberg.

ISt auch der vhralten Schlösser vnd Keys. Burgen eines / vom Keyser Heinrico Aucupe mit dem Schlos Meisen vnd Streela zugleich aus Vrsachen wie in Meissen angezogen / erstlichen vnnd Anno 934. angelegt / vnd mit einer Kriegsbesatzunge versehen / endlichen auch gar den Marggraffen von Meissen vntergeben / die es auch lange Jahr vor jhr Heuptschlos vnnd Fürstlichen Residentz gehalten / Den Namen sol es von Schurffen haben / weil daselbsten vnd vngefehr vmb die Jahr Christi 1226. im Silberbergwergk / so anfenglichen starck geschurffet / fundig worden / vnd noch biß auff diese Zeit in etwas im Brauch gehalten / vnd geben die Historien / daß / da zur Zeit Marggraff Heinricus Illustris, der erlauchte vnd gewaltige Fürst / dero Gegend seiner Jagtlust nachgezogen / habe sein Gaul einen Stein auffgestossen / so vom Glantz dermassen scheinbar vnd schön anzusehen gewesen / daß er vom Klepper abgestiegen / solchen auffgehoben / vnnd durch die Geschworne zu Freyberg / so vnter seinem Grosvater Marggraff Otten Anno 1171. zur Bergkstadt worden / probiren lassen / da dann befunden / daß es gut Silber Ertz gehalten / darauff der Marggraff einfahren lassen / vnd den Berg daselbsten / so reich von Silber Ertz vnd Bley befunden / auch darinnen solche starcke Ausbeuten erlangt / daß er mit solchen vnnd was jhm aus Freyberg zukommen / gantz Böhmen mit barem Gelde bezahlen können / inmassen er sich auch also bereichert / daß er damals vor den gewaltigsten Fürsten / vnnd sich sonderlichen in des Reichs Zusammenkunfften / vnd bey den Keysern also statlichen gehalten / vnd solchen Pracht geführet / daß es jhme leichtlichen keiner nachthun können / darumb er auch vom Keyser Friderico II. also respectiret, [7] daß derselbe seine Tochter Margrethen dessen Sohne Alberto ehelichen beygelegt / vnd mit jhm sondere Freundschafft gehalten.

Wie es aber pflegt zuzugehen / wann einem der liebe Gott ein Glück bescheret / er der Neider viel zu erwarten / also damals dem freudigen Fürsten begegnet / dann er von dem Bischoff von Meissen / Wittichen / einem Herrn von Camentz / castris aptior quàm quieti, wie solchen Lumbertus describirt, wegen dieses Bergwergks angefeindet vnd vorgegeben worden / als wann solches vnter dem Territorio des Stiffts gelegen / derwegen von jhm den Zehenden erfordert / Der Marggraff dagegen solches auff Vnterhandlung gestellet / inmassen sich dann der König in Böhmen Wenceslaus des Marggraffen Schwager darein geschlagen / vnd solches vertragen. Auff diesem Schlos dessen erstes Gemahl / vnd Fraw Agnes Königin in Böhmen verstorben / von der diese Historia in der Isenachischen Chronica zu lesen / daß / da solche im Siechbette gelegen / jhr im Schlaff ein Engel vorkommen / so jhr aus einem gülden Becher einen Trunck geboten / welchen sie genossen / vnnd gantz herb vnd bitter schmeckend / befunden / darüber sich die Fürstin erschottert / vnd gesagt / Ey wie ist diß ein herber Tranck / der Engel jhr geantwortet / Ja wol ein herber Tranck / wird aber bald in einen lieblichen süssen vnnd anmutigen Tranck verwandelt werden / so durch Christum geschehen wird / darüber die Fürstin erwachet / vnnd solchen Traum jhrem Herrn referirt, auch bald darauff hernacher verschieden / so dann wol zu mercken.

Dieses Schlos viel lange Jahr der Fürsten von Sachsen Landhaus gewesen / wie es aber hernacher an die von Schleinitz / so diß Haus durch Begnadung erlanget / dann hernacher auff die von Miltitz / so es noch jetziger Zeit besitzen thun / vnd derselben vhraltes Stamhaus ist / kommen / dauon findet man keine Nachrichtung. Ingleichen bewohnen die von Miltitz das Schlos Siebeneichen / nahe drunter vnd in solcher Gegend gelegen / als dann auch Batzdorff / ob dieses alte Heuser / vnnd von wem solche anfenglichen angelegt vnd erbawet / ist ingleichen vnwissend / aber vor langen Jaren jederzeit derer von Miltitz Erbstamheuser gewesen.

[8]
III.
Schlos Dreßden.

DAS Schlos zu Dreßden / so billich vor das Heuptschlos im Lande wegen allerhand Zierligkeit vnd der Grösse / auch wegen des steten Chur vnd Fürstlichen Hofflagers / zu achten / ist zwar ein alte vnd beruffene Burg vnd Vorwehre des Landes zu Meissen an der Böhmischen Grentze fast gelegen / vnd gleublichen / daß des Orts wegen guter Gelegenheit vnd der Elbenfart / zeitlichen vnnd je mit dem Auffkommen der newen Stadt eine Burg vnd Fürstenhaus angelegt / inmassen dann Nachrichtung verhanden / daß Marggraff Otto von Meissen vnter deme das Silberbergwergk zu Freywerg An. 1171. angangen / des Orts residirt, auch daselbsten Anno 1189. inmassen auch dessen Sohn / Marggraff Diderich vnd Nepos Heinricus illustris, vnter dem das Bergwergk zum Schurffenberg entstanden / verstorben / vnd in das Kloster Alten Zella vnter Freyberg begraben / vnnd ob wol die folgenden Marggraffen andere Residentz / darnach ein jeder seinen Willen vnd Lust gehabt / anderswo gehalten / ist doch jederzeit des Orts ein Fürstlicher Sitz verblieben / Vnnd ob wol beyde Städte / alt vnnd new Dreßden / als auch der Strich nach Bischoffwerda / Stolpen vnd Pirna / dem Stiefft Meissen incorporirt gewesen / vnd also demselben mit Lehnspflichten verwandt / ist doch zeitlichen mit dem Stiefft Handlung gepflogen / vnd diese Städte als auch Pirna gegen andern Gütern An. 1312. verwechselt / vnd allerding den Marggraffen zu Meissen erblichen vberlassen / inbesondern haben die Churfürsten Marggräffischen Stams / gern des Orts vnd in dero Gegend hausirt / in dem sie angesehen die gute frische Lufft / Bequemigkeit des Wassers vnd Zufure aus Böhmen / dann auch der Bergwergke halben / daraus sie dann ein statliches genommen / von den newsten aber hat Hertzog Albrecht von Sachsen / welchen man den Hertzhafften vnd der Deutschen Roland zugenamet / gerne des Orts residirt, sein Gemahl auch / so eine Königin in Böhmen / vnd Georgii Bodiebracii Tochter gewesen / jren Witwenstuel daselbsten vnd zum Torand / dauon diß alte Sprichwort / welches man jhr zulegen wil / Verlieren wir das Meißnerland / so behalten wir doch den Torand / wegen der Befestigung des Schlosses / so von Natur angelegen / stetig gehalten / darumb dann auch dessen Sohn / Hertzog Georg von Sachsen / weil er daselbsten jung worden / einen solchen Willen zu der Stadt Dreßden gewonnen / daß er die alten Schlosgebewde meistentheils zu Grund legen / vnnd gar ein newes [9] gantz prechtig / königlich vnd auff das allerzierlichste Anno 1530. bawen lassen / so den Namen von jhm vnd Hertzog Georgen Schlos bißanhero behalten / Vber solches Gebewde dann sich König Ferdinand / hernacher Keyser / nach der Zeit Gelegenheit dermassen verwundert / daß er gesagt sol haben / In gantz Spanien dergleichen zu befinden.

Nachdem vnd Anno 1550. Churfürst Moritz ingleichen ein new Gebewde nach der Elben warts vierkandicht anlegen / vnd dermassen mit Fürstlichen Zimmern vnnd andern Herrligkeiten versehen lassen / daß dergleichen im Lande keines zu befinden / so wol mit der Stadtfestunge einen starcken Anfang gemacht / welches alles hernacher Churfürst Augustus erweitert / ausgeführt / verbessert vnd allerding vollbracht / So wol das Zeughaus vnd die Artalarey mit allem Vorraht erbawet / vnd also steiff versehen / daß wol dergleichen in Germania nicht zu befinden. Als dann auch Churfürst Christian der Erste / das Schlos vnnd die Stadtfestunge dermassen verbessert vnnd fortificirt, daß fast daran kein Mangel zu befinden / wie er dann auch ein newes Schlosgebewde dem andern vnd alten weit prechtiger vn[d] fürtrefflicher / so man die Stallunge in gemein nennen thut / ausgeführt / welches alles an alten vnd newen Schlosgebewden Churfürst Christian der Ander / gantz prechtig mit grossen Vnkosten renoviren lassen / vnnd in summa / sind die Schlosgebewde des Orts also mit allerhand Regalischen Zierden vnd Ornat von inwendig vnd aussen versehen / daß es nicht allein jederman Verwunderungs gibt / besondern auch wol einem Keyserhaus zu vergleichen. Vnd Keyser Maximilian der Ander / Anno 1575. nicht vnbillich diesen Schlosgebewden damals / als auch der Festunge diß Elogium gegeben / Er müste bekennen / daß diese Stadt mit aller Notturfft also versehen / daß / da er dergleichen eine an den Vngerischen Frontier haben möchte / er sich vngeschewet einiger Gefahr / jedoch ausser Gottes Gewalt / eigener Person / nicht ein / sondern mehr Jahr / auffenthalten wolte / wüste dessen gleichen nicht in Germania, was zur Landesbefestigung nöhtig vnd nütz / zu Wasser aber hette es andere Meynunge / Haecille, vnd von dem gnug. Wann aber ermelter oder jetziger Keyser den jetzigen Zustand / so weit vbertrefflicher / anschawen solte / würde ein mehrers ludicium gefallen / vnd bleibt billich diß Distichon war / Omnibus optatis Dresda referta bonis.

[10]
IV.
Pirna.

DAs Schlos zu Pirna ist nach der Höhe vnnd zweiffels ohn vor Alters zur Landesvorwehr vnd Grentzfestunge zugerichtet / inmassen an den Vestigiis der tieffen duppeln Gräben / als auch andern Propugnaculis zum Ernst angerichtet / zu sehen / vnnd ob wol keine Gewisheit verhanden / von weme solches erbawet / ist doch gleublichen / weil diese Stadt vor Alters dem Königreich Böhmen / vnd noch Anno 1340. immediatè incorporirt gewesen / daß dieses Schlos von den Hertzogen / hernacher Königen in Böhmen erhoben / Als es aber Anno 1408. hinwieder an die Marggraffen kommen / inmassen es dann tempore Heinrici Illustris, vnd Anno 1260. ingleichen Meißnisch gewesen / ist solches als ein Grentzhaus fortificirt, vnnd jederzeit vor eine Festung gehalten worden / Nach dem es aber Bischoffslehn gewesen / allerding auch nicht also in Esse, inmassen auch jetzo / weil das Haus Sachsen mit der Kron Böhmen gute nachbarliche Correspondentz halten thut / verblieben / jedoch gleichwol noch in einem zimlichen Bawwesen erhalten / also / daß es wol vor ein Fürstenhaus bestehen thut. Monachus Pirnensis setzet in seinem hinterlassenen Manuscripto, daß Marggraff Wilhelm / so man Coclem vnd den Eineugigten zugenamet / die Stadt Pirn sampt dem obern Tractu Regionis nach dem Lande zu Böhmen / vnd vnter andern die alten verwüsten Heuser vnd Schlösser / Donyn / Wissenstein / Königstein / Schreckenstein / Lilgenstein / Riesenburg / Totzaw mit aller Zugehörung aller der Schlösser vnd dem Thierstein / Item / Keferburg / Wintenstein vnd Werda / mit Gold vnd Gelt / wie die Wort lauten / zum theil auch durch Kriegesgerechtigkeit / an sich erkaufft vnnd gebracht / vnnd hernacher bey dem Hause Sachsen verblieben / vnd inbesonder das Schlos zu Pirna befestiget / mit schönen Gebewden gezieret / vnd jhm den Namen Sonnenstein / inmassen auch der Stadt auff deutsch Sonnenthal gegeben / dannenhero etliche Historici diesen Wilhelm vor den alterum Fundatorem arcis allerding halten thun / Die jetzogenanten Schlösser sind noch zum meisten bey dem Haus Sachsen / aber allerding biß auff den Wisenstein / so jtzo derer von Bunaw Erbstamhaus ist / vnd den Königstein / dauon bald Meldunge geschehen sol / vnerbawet.

[11]
V.
Königstein.

SChlos obig Pirn vnd zwo Meilen dauon gelegen / darauff hat vor Alters ein altes zerfallenes Gemawer gestanden / vnnd lange Jahr wüste gelegen / auch gleublichen / solches vnd andere darbey liegende von den Böhmen / so stetige Kriege mit den Meißnern geführet / oder ja von den Hussiten Anno 1425. desolirt, biß daß zu den Zeiten Hertzog Georgen von Sachsen / vnnd durch jhn aus sonderer Andacht Anno 1505. ein Kloster daselbsten / Coelestiner Ordens angelegt / vnd aus dem Stifft Meissen / zum theil aus des Fürsten Rent-Cammer mit Einkommen versehen / so aber nicht lange Bestand gehabt / dann wie der Bischoff damals zu Meissen Johan von Salhausen / dauon judicirt, daß solches Kloster von den Bömischen Winden vnd der starcken Lufft / der Böhmischen Ketzer die Hussiten meynende / bald vmbgeworffen vnd zergehen werde / inmassen dann geschehen / dann die Mönche noch bey Hertzog Georgens Leben daraus entlauffen / vnd das Kloster wüste worden / auch also öde liegend verblieben / biß daß Churfürst Augustus die Gebewde zum theil wegen des hohen vnd von Natur festen Orts erhoben / vnnd endlichen noch bey seinem Leben zur Landeskron vnd Festung gewidmet / vnd zum theil mit allerhand Kriegesmunitionibus vnd Propugnaculis versehen lassen.

Diese Festung Churfürst Christian der Erste / nicht allein statlichen ausgeführt / besondern auch mit weitern vnd solchen Gebewden / Vowehren / Schies vnd Wachheusern / als auch Munition vnnd Prouiant also versehen / daß es zwar vnmenschlich scheinet dieselbe zu ersteigen / oder durch Menschen Gewalt vnd Kriegeslist zu gewinnen / hat nur einen einigen Zugang / vnd ist der Platz des Berges also geraumlichen / daß nicht allein die vielfaltigen Gebewde allerding jhre gute vnd bequeme Gelegenheiten haben / besondern auch noch ein vbriger Platz / so mit Holtz bestanden / zum theil zum Ackerbaw zugerichtet / vber das ein tieffer Wasserbrunn durch den Berg mit Stollen ausgeführt / so zwar je alles grosse Verwunderung gibt / Diese Gegend haben in vorzeiten ein sonder Herrngeschlecht die Clommen / so auff dem Schlos Wilen residirt, vnd Rathen / auch den gantzen obern Tractum vnter sich gehabt / besessen / hernacher aber erblos gestorben.

[12]
VI.
Donyn.

ISt wol eine alte Herrschafft vnd die Burg des Orts gros vnnd von vielen Gebewden vnd ansehnlicher Herrligkeit gewesen / aber jetzo gantz desolat vnd fast dem Boden gleich geebnet / vor Alters Bömisch / jetzo aber Sächsisch Lehn worden / haben daselbsten die Herren Burggraffen von Dohna residirt, so ein altes Herrengeschlecht / vnd allbereit tempore Ludovici Pii, vnd Anno 840. in sonderm Beruff / vnd jetzo noch in Flore andere örter / als Schlesien vnd Böhmen / zum meisten seyn / vnter denen vnnd der Eltisten einer H. Conrad berühmbt / so also gewaltig vnd reich gewesen / daß er eine Brücke vor Dreßden zu beyden Vfern vff seine Vnkosten angelegt vnd ausgeführt / darumb auch diß Geschlecht noch bey Mansgedencken die Zollgerechtigkeit darauff gehabt / so durch Churfürst Augusten erst gar abgelöset.

Was die Desolirunge dieses Hauses geursachet / dauon findet man allerhand / jedoch widerwertige Bericht / Dann etliche wollen / daß solches Anno 1373. geschehen sey / da Burggraff Jonas des Orts residirt, welcher sich auff des Keysers Ludovici Bavari, dem er gedienet / Gnade verlassen / vnd dem Marggraffen von Meissen Guilhelmo Cocli rebellisch vnd widerspennig worden / auch auff dessen Vnterthanen vom Adel gestreifft / darüber der Marggraff mit Hülff der Böhmen verursacht / jhn zu belagern / inmassen geschehen / das Schlos eröbert vnd zu grunde gelegt. Andere wollen dieses Anno 1402. erfolgt sey / dann da die Burggraffen mit einem Adelstand vnnd denen von Körbitz / so auch grosses Vermügens gewesen / in einen Mißverstand vnd zum Faustrecht geraten / dieselben aber jhre Lehensherren vnnd Marggraffen von Meissen zu Hülffe genommen / sey das Schlos / daraus der Landschafft allerhand Plackerey beschehen / berandt vnd zu grunde gelegt / auch damals cavirt worden / daß solches zu ewigen Zeiten nicht hinwiederumb auffgebawet werden solle. Ein ander Autor wil vorgeben / solches aus Vrsachen / daß ein Herr von Dohna / wegen eines vnzüchtigen Tantzes / so der Marggraff mit dessen Gemahl vngeschewet getrieben / solchem einen Maulschlag gegeben / auch mit dem Dolch nach jhme gestochen / geschehen sey / also bißanhero desolat gelassen.

[13]
VII.
Freyberg.

ISt auch zweiffels ohn ein altes Bergschlos vnd von Marggraff Otten / vnter dem das Bergwergk daselbsten / vnd beym Dorff Laußnitz Anno 1171. erstlichen auffkommen / erbawet / hernacher auch von dessen Nachkommen verbessert / hat aber viel Anstösse erlitten / vnnd inbesondern damals / da Keyser Heinrich der Sechste / Marggraff Diderichen / dessen Sohn wegen solches reichen Bergwergks biß in den Tod angefeindet / vnnd damals vnnd Anno 1198. das Schlos von jhme eröbert / doch solchen hinwieder mit Hülff des aus Landgraffen Thüringen Herman seines Schwagers ab vnnd ausgetrieben / auch damals da beyde Keyser Adolphus vnd Albertus dem Marggraffthumb Meissen vnnd inbesondern dieser Stadt viel Vnglücks zugefügt / vnd das Schlos sampt der Stadt eingenommen / vnd den rechten Erben vorenthalten / jedoch jederzeit wiederumb erlediget / vnd den Fürsten von Meissen biß auff diese Stunde verblieben / Haben auch daselbsten gerne residirt, inbesondern vnter dem newesten Hertzog Heinrich von Sachsen / den man Pium zugenamet / seine meiste Lebenszeit daselbsten zubracht / vnd sich öfftern hören lassen / Er wolle bey seinen Freybergern leben vnd sterben / inmassen auch daselbsten sein Begrebnis zum ersten angestellet. Dieses Schlos Churfürst Augustus als seinen Geburtsort gantz new renoviren vnnd mit sondern Fürstlichen Gebewden versehen lassen / inmassen dann dieser löbliche Churfürst sein Land aller örter fast dermassen gezieret / daß es billich zu loben / vnnd in Ewigkeit nicht vergessen werden kan / Daselbsten auch sein vnnd der seinen Begrebnis allerding / so mit solcher Magnificentz angeordnet / daß es zu verwundern / daran dann Churfürst Christian der Erste / ein statliches angewendet / vnd sich wol sehen lest.

Dieses Schlos sol den Namen vor Alters vnd noch den Freudenstein à liberis fossis inmassen die Stadt / haben. Iohannes Bocerus wil den Namen à laeticiis per V haben / wie er dann in seinem Epigrammate also discurrirt:

Huic à laeticia, cùm nil nisi gaudia praestet,
[14]
His inventa locis foecundae copia venae
Formaq[ue] Fribergi, sidus & jucundior urbis,
Nomina perpetuae tribuerunt consona famae,
Vt Freudenstenu[m] nativo jure vocetur.


VIII.
Frawen vnd Porstenstein.

OB wol diese beyde Heuser jetzo denen von Schönberg einem fürnemen adelichen Geschlecht zustendig / auch vor langen Jaren derselben Erb vnnd eigen gewen / ist doch an dem / daß inbesondern Frawenstein der Burggraffen von Meissen / vnd Herren von Hartenstein / Sitz vnd Burg lange Zeit gewesen / vnd An. 1444. durch Churfürst Friedrichen den Ersten / dieses Stams / an das Haus Sachsen kommen / inmassen solches durch dessen Heuptleute / deren einer Storch / der ander Fincke / vnd der dritte Zeißke geheissen / vnnd derer einer eine gantze rauche Haut gehabt / durch Kriegsgewalt gewonnen / vnd lange Jahr der Fürsten von Sachsen Sitz / Ampt vnd Residentz gewesen / wie aber dieses / so wol der Porstenstein an die von Schönberg kommen / ist keine Gewisheit verhanden / gleublichen aber / daß wegen jhrer ritterlichen Thaten / derer Vorfaren einem aus Gnaden solche geeignet / sind beyde vorneme erbawte Heuser / vnd haben grosses Einkommen / auch eine vorneme statliche Landschafft.


IX.
Dippoldißwald.

OB auch dieses Schlos als auch Stadt vnd gantze Gegend nit vor langen Jahren derer von Maltitz / auch einem fürnemen Meißnischen Adels gewesen / ist doch solche Pflege durch Churfürst Augusten allerding ausgekaufft / vnd also an das Haus Sachsen kommen / daselbsten auch das Schlos als auch die vmbligende Forbergsgebewde dermassen in solch Ansehen vnnd Verbesserung gebracht / daß es numehr vor ein Fürstenhaus wol bestehen thut / sol den Namen von einem von Clomen des Geschlechts so Dippoldus geheissen / haben / vo[n] wegen seiner sondern Heiligkeit vom Bapst canonisirt, auch dessen Orts im Walde allda ein Capel vor alters gestanden / von dem gemeinen Volck venerirt [15] worden / welches Cappellichen noch bey Mannes Gedencken gestanden / vnd durch den Bischoff von Meissen Johan von Maltitz aus diesem Hause desolirt worden / dann damals allbereit der Aberglaub in Abfall kommen. Andere wollen à Fundatore vnd Dippoldo von Maltitz den Namen hero deriviren, so verisimilius.


X.
Wolckenstein.

ISt der alten Heuser eins / vnd jederzeit der Fürsten von Sachsen Hofflager / vnd zuförderst derer so zu regieren angefangen / inmassen Hertzog Heinrich von Sachsen bey Leben seines Brudern Hertzog Georgen mit solchem Ampt vnd Freyberg / dann Churfürst Augustus anfenglichen auch mit solchem vnd dem Ampt Weisenfels bey Churfürst Moritzen Zeiten sich benügen lassen müssen / Hat den Namen von der Höhe / vnd daß es fast die Wolcken erreichen solle / Ist aber allerding nicht so vbermennigter Höhe vnnd zimlichen wol erbawet.


XI.
Lichtenwald.

ISt auch der alten Heuser eins vnd hiezuuorn derer von Vitzdomb Erbschlos / hernacher derer von Harras / so es lange Jahr besessen / gewesen seyn / Als aber Eustachius der letzte dieses Geschlechts ohne Erben mit Tode abgangen / ist es an die Fürsten von Sachsen gefallen / die es jetziger Zeit vor sich vnd als ein sonders Ampt gebrauchen / darunter dann das Stifft Ebersdorff gehörig / in welcher Kirchen der beyder abgeführten Fürsten von Sachsen Ernesti vnd Alberti von dem Schlos Altenburg / Kleidunge von schlechter Art vnd allerhand Farben auffgehengt zu sehen.

[16]

XII.
Augustusburg.

HAt zuuor der Schellenberg geheissen / nahe bey Chemnitz gelegen / Ist vor Alters nicht sonders an Gebewden ansehnlichen vnnd in acht gehalten / jetzo aber durch Churfürsten Augusten / von deme es auch den Namen erlanget / dermassen erhoben / daß es fast / ausser Dreßden / sonsten keinem Fürstenhaus innerlandes zu vergleichen / ist vierkandicht / vnnd jeder Ort nachm Morgen / Abend / Mittag / vnnd Mitternacht / vor ein sonderes Schlos zu achten / inmassen dann jeder Ort also mit Zimmern vnd anderer Notturfft zugerichtet / daß sich reichlichen eine Fürstliche Person darinnen mit allen Requisitis zu betragen / vnnd sol Keyser Maximilian der Ander / als er solches gesehen / gesagt haben / Er köndte nicht sagen / daß dieses Haus an Zierden / so einem Fürsten / ja wol Keyser vnnd Königen wol anstehen solle / in etwas vnnd geringsten mangeln könne / also wol vnnd ordentlichen ist es erbawet / Darunter dann die Tzschopa vorüber fleust / vnd die Gegend befeuchtet.


XIII.
Lauterstein.

AVch der alten Heuser eins / vnnd ein sonderes Ampt / nahe beym Marienberg gelegen / So wol das Ampt vnd Schlos.


XIV.
Schwartzburg.

SO auch ein alt Gebewde / jedoch von Gehöltzen vnd sondern Höhen vnd Beerjagten berühmet / Diese Heuser hiezuuor zur Kron Böhmen gehörig gewesen / wie aber solche zum Hause Sachsen [17] kommen / ist keine Gewisheit verhanden. Monachus Pirnensis setzet / solche pro dote sampt andern / Hertzog Albrechten von Sachsen mit seinem Gemahl König Georgen Tochter zugeschlagen / inmassen dann auch wolermelte Hertzogin nach dem Todesfall jhres Herrn / derer Gegend / vnd vmb den Torand jhren Witweibsstuel gehalten / vnd beyde Empter jhr zum Leibgut verschrieben / darbey der Wiesenthal gelegen / so ein herrlich Ort von Warmenbaden vnnd anderer Nahrungs Bequemigkeiten.


XV.
Tzschopaw.

ALlda auch ein alter Fürstensitz / so aber auch vor wenig Jahren mit sondern Gebewden verbessert vnd renovirt, dabey das Städlein / von guten Bieren / vnnd die Gegend von herrlichen Jagten vnnd Viehezucht beruffen. Hat den Namen von dem fürfliessenden Wasser der Tzschopaw / so jhren Vrsprung hat vberm Annaberg / zwischen Zwenitz vnd Scheibenberg / nicht fern von der Leßnitz / Schwartzenburg vnd Krotendorff / vnd vnter die Augustusburg / Franckenberg / vnd dem Dorff Flöhe vorüber fleust / dazu dann die Flöhe kommen thut.


XVI.
Waldheim.

ISt auch ein alter Sitz des Orts gewesen / jetzo aber vnd vor wenig Jahren durch Churfürst Christian den Ersten / renovirt, vnd mit schönen newen Gebewden / inbesonders einer zierlichen Kirchen dabey versehen. Sol diese Gegend den Herren von Schönburg / jetzo zu Penigk / zugestanden haben / aber durch einen Wechsel an die Fürsten kommen.

[18]

XVII.
Leißnick.

DIeses Schlos / Stadt vnd Gegend ist vor Alters eine Praefectura Imperii oder Burggraffthumb gewesen / zu dem Ende allda angelegt / daß den Einwohnern derer örter vor den einfallenden Wenden vnd andern Völckern Schutz gehalten / so hernachmals erblich worden / vnd Graff Wiprechten von Groitzsch durch Keyser Heinrich den Vierdten / vorlihen / von deme es auff Marggraff Conradum vnd seine Erben kommen / Vnd als Graff Heinrich dem Kloster Bucha / so seine Vorfahren Anno 1190. gestiefftet / allerhand Widerwillen vnd Dampffs angelegt / sind die Fürsten von Sachsen / Friederich / Wilhelm / vnd Balthasar / daruor gezogen / solches belagert / eröbert / vnd den Graffen zu permutiren gedrungen / vnnd also Anno 1365. an das Haus Sachsen / von dem es zu Lehn gangen / kommen / ist im Spanischen Kriege Anno 1547. vom Keyser Ferdinand als Böhmisch verfallen Lehn zusampt Eilenburg vnd Colditz eingezogen / aber durch Churfürst Moritzen hinwieder gegen dem Fürstenthumb Sagen[3] permutirt vnd abgelöset worden. Ist eine gar alte Burg vnd Graffschafft / dann in der Vngerischen Niederlage vor Merseburg / Anno 1333. allbereit ein Burggraff von Leißnick mit im Zuge gewesen / hernacher auch lange Jahr / vnd biß in das Jahr Christi 1300. diese Familia florirt, Inmassen auch die Herren von Penigk das Wapen biß auff Albertum Hugonem vnd Georgium, so im Jahr 1538. gestorben / jederzeit noch geführt. Die Gebewde des Schlosses sind zwar von alter aber sehr starcker Manier / mit Thurnen vnd Mauren also versehen / daß es wol zum theil vor eine Landesfestunge zu achten.


XVIII.
Colditz.

SO auch in vorzeiten eine sondere Herrschafft gewesen / vnd zu dem Pleißnerlande geschlagen / Das Schlos liget birgicht / vnnd darunter mit der Mulden beflossen / Hat den Namen von den finstern vnd dicken Wälden / damit es vff allen Seiten vmbgeben / vnd sol das Wort Colditz auff Wendisch finster Wald heissen / Anno 1397. [19] erst vnter die Fürsten von Sachsen kommen / vnnd durch Wilhelmen den Ersten / erkaufft / welcher das Schlos in etwas reparirt, aber durch Churfürst Ernsten / als es Anno 1486. gar ausgebrandt / gantz new vnd prechtig erhoben / welcher auch gern des Orts residirt, Inmassen er auch daselbsten verstorben / jetzo aber durch Churfürst Christian den Ersten / also in eine ansehnliche Form vnnd Zier gebracht / daß es wol vor ein Fürstliches Haus bestehen thut / vnnd inbesondern mit einem Thiergarten vmbfangen / gebraucht solches vnnd residirt daselbsten sampt vmbligender Pflege dessen hinterlassene Witwe / Fraw Sophia / Marggräffin von Brandenburg / ex pacto datalitio.


XIX.
Rochlitz.

IST in vorzeiten auch eine sondere Herrschaft gewesen / so daselbsten residirt, gar vhralter Ankunfft / dann aus Historien wissend / daß Graff Wittichind der jünger / eine Gräffin von Rochlitz Iulandam, Anno Christi 860. zum Gemahl gehabt / dessen Posteri hernacher das Marggraffthumb Meissen / vnnd nochmals jetzo besitzen thun. Hat den Namen von den Rissen oder Hölen / derer des Orts viel zu sehen.

Andere sagen von dem Schachtspiel / dessen Notam die Graffen in jhrem Wapen vnnd Insigniis geführt. Etliche von dem Wort Rötlicht / von dem Rotenstein / so des Orts gebrochen wird vnd grossen Nutz gibt. Ist diese Herrschafft durch Marggraff Wilhelm dem Ersten / Anno 1390. erst zum Marggraffthumb geschlagen / inmassen auch solcher das Schlos von newen erbawet / vnd mit zweyen Thürmen ornirt, so wol die Schlösser zu Leißnick / Grim / vnd Colditz vernewret / vnnd mit mehrern Gebewden gezieret / jetzo aber von der Churfürstlichen Witwen / vnnd Christian des Ersten / Gemahl / zu einem fürnemen Fürstenhaus / nach der jetzigen Welt Lauff / gewidmet vnd statlichen renovirt.

Die Kirche am Schlos / so von lautern Quadratsteinen ausgefürt / sol ein gar altes Gebewde / vnd vom Keyser Heinrico I. oder dessen Gemahl Cunigundis / An. 1009. erbawet seyn / inmassen solches der gülde[n] Kelch so daselbst in der Stad oder Pfarrkirchen verhanden / vn[d] darauff diese Wort zu sehen: Heinricus & Mathildis me co[n]paraverunt, [20] dessen Anzeigunge gibt. Die Gegend dessen Orts ist sehr lustig vnd bequeme / wie dann das Gebirge im Walde daselbsten / neben dem Oschatzer / Colmberg für die höchsten zwey Gebirge in Meissen / ausserhalb den Bergstädten gehalten wird / dann solcher Rochlitzer Berg auff ein zehen Meilweges zu sehen.


XX.
Nossen.

DAs Schlos vnd Ampt Nossen ist in vorzeiten dem Stifft Meissen incorporirt gewesen / inmassen es von Bischoff Wittichen dem Andern / Anno 1357. dazu erkaufft / so endlichen dem Kloster Alten Zella Anno 1414. vnd dann den Fürsten von Sachsen zukommen / Ist jetzo gantz new durch Churfürst Augusten erbawet vnd renovirt, Ligt an der Molden / vnd hat ein fruchtbaren Boden dero Gegend.


XXI.
Chemnitz.

ISt in vorzeiten ein Kloster Benedictiner Ordens / vnd der Apt dessen ein Archidiaconus Romanae Ecclesiae gewesen / vnd vom Keyser Lothario Franco, Alii, Conrado Svevo fundirt, von Churfürst Mauritio aber des Orts ein Schlos daraus angelegt / vnd mit schönen Gebewden gezieret / Hat den Namen von dem fürfliessenden Wasser die Kemnitz / so wol die Stadt darbey ligend / so vor Alters eine Reichstadt gewesen / vnnd Anno 1308. vnter die Marggraffen von Meissen kommen.


XXII.
Zwickaw.

DAs Schlos daselbsten sol erstlichen von Graff Wiprechten von Groitzsch dem Eltern / erbawet / vnnd der Osterstein genennet worden seyn / vnnd hernachmals nach derer Erben Absterben [21] hinwieder an das Reich gefallen / vnd Schlos vnd Stadt zum Reich kommen / dann vnter Friderico Forti Marggraffen / neben Chemnitz vnd Altenburg an Meissen geraten / darbey es auch bißanhero erhalten / vnd das Schlos durch Churfürst Augusten gar Fürstlichen angerichtet vnd renovirt, ligt an der Grentze des Voigtlandes / wird von der Mulden befeuchtet / vnd hat einen fruchtbaren Boden.


XXIII.
Hoenstein.

DIeses Schlos sampt Lomen haben in vorzeiten die Herren Bircken von der Dauba Böhmischer Ankunfft / innegehabt / vnd Anno 1414. nochmals besessen / hernacher durch Zwang wegen dessen / daß sie dem Stifft Meissen in vielen zuwider gewesen / mutiren müssen / vnd sich nach Mülberg an die Elben gesetzt / Hernacher dieses Schlos als auch die Gegend durch Churfürst Friedrichen den Andern / Anno 1444. eingenommen / vnd der Kron Böhmen entzogen / aus Vrsachen / daß daraus dero Gegend grosser Schaden von den Streiffrotten beschehen / also vnter dem Fürsten von Sachsen verblieben / vnd jederzeit vor ein besonder Ampt / inmassen auch nochmals gehalten. Endlichen von Hertzog Georgen die von Schleinitz darmit begnadet / von denen es die Herren von Schönburg jetzo zu Penigk kauffsweise erlangt / vnnd dann hernacher durch einen Wechsel vor Rosla / wieder an die von Sachsen kommen / Ist ein altes jedoch festes Bergschlos / von sondern starcken Thürmen vnnd Gebewden / sol vor alten Jahren eine sondere Herrschafft / noch vor den Herren Bircken gewesen / vnnd solches das Geschlecht die Clommen innengehabt haben / so zu Wila an der Elben residirt, Rathen / Clomen oder jetzo Lomen / so wol Hoenstein / vnd den obern Tractum Königstein / Liligen vnd Schreckenstein besessen / vnd wegen jhrer Streifferey vnd Plackerey des Orts vertrieben seyn.

[22]

XXIV.
Stolpen.

IN vorzeiten der Bischoffe von Meissen fürnemer Residentz / inmassen auch auffm Schlos ein sonderlich Collegium Canonicorum gewesen seyn / welche diese Gegend sampt Jochern von einem Adelstand die von Mocken von adelischer Ankunfft / welche des Raubens gewohnet / vnnd damit den Benachbarten grossen Dampff angelegt / Anno 1218. erkaufft / vnd vom jhm / als auch hernacher Bischoff Johan von Weisbach Anno 1476. Fürstlich erbawet / vnd vnter dem Stifft biß auff das Jahr Christi 1555. gelassen. Zu der Zeit das Geschlecht die von Carlowitz mit Bischoff Johan von Haubitz / eines Testaments halben / so vnterdruckt werden wollen / vnnd darinnen von dessen Vorfahren dem Geschlecht ein Legatum beschehen / einen Streit vnnd Widerwillen angefangen / darüber der Bischoff verjagt vnd endlichen die Sache also vertragen / daß das Stiefft sich mit denen von Carlowitz vorgliechen / das Schlos Stolpen sampt der Stadt vnd Gegend gegen der Stadt Mülberg an der Elben / sampt andern Cohaerenten permutirt, vnd aus Stolpen ein Fürstliches Haus vnd Ampt worden / von Churfürst Augusten auch das Schlos statlichen renovirt, vnd recht zur Fürstlichen Residentz gewidmet.


XXV.
Moritzburg.

ISt ein newes Schlos vnd Jagthaus vnter Dreßden vnd beym Hayn gelegen / von Churfürst Moritzen aussm Grunde Fürstlichen erbawet / ligt am Friedewalde / vnnd wird von den Fürsten von Sachsen offtmals bewohnet wegen der Jagtlust / so dero Gegend angestelt.


XXVI.
Kalckreut.[4]

DIeses Haus ist in vorzeiten der von Kommerstadt gewesen / inmassen solches H. Görg von Kommerstadt Churfüst Moritzen-Cantzler vnd vornemer Raht / noch Anno 1559. besessen / daselbsten [23] auch gestorben / durch Churfürst Christian den Ersten / aber hinwieder mit Gelde abgelöset / vnd mit statlichen Gebewden vnnd Fürstlichen Hofflager versehen / wird des Orts wegen sonderer guter Triefften vnd Gelegenheiten eine Pferdestruth gehalten / vnd viel junge Pferde allerhand Art erzogen.


XXVII.
Zabelutz.

INmassen auch das Schlos Zabelutz hiezuuorn vnd lange Jahr der Pfluge Erbsitz gewesen / ingleichen durch Churfürst Christian Caspar Pflugen jetzo zu Gauernitz mit Gelde abgelöset / vnd zur Fürstlichen Residentz gewidmet / auch mit sondern newen vnd statlichen Stallgebewden versehen / Darunter dann vnd an der Elben das Haus Seuselitz vnd Hirschstein / jetzo den Pistoriussen zustendig / gelegen / welche Heuser in vorzeiten Fürstliche Residentze / inbesondern der Hirschstein gewesen / dann daselbsten / wie in Chronicis gelesen wird / Marggraff Friederich Didrici des Weisen Sohn / Anno 1291. residirt, vnd jhme in Kirschen vergeben worden / vnd zu Suselitz / so hernacher zum Nonnenkloster gewidmet / begraben worden / Sind beyde Heuser jetzo wol erbawet / vnd der Hirschstein derer von Haubitz / Seuselitz aber lange Jahr der Pistoriussen gewesen / inmassen dann Herr Simon Pistorius Churfürstlicher Sächsischer Cantzler vnd Raht / solches zum ersten aus Gnaden erhalten / vnnd auff seinen Stamm gebracht / darbey es auch bißanhero verblieben.


XXVIII.
Hayna.

DAselbsten auch jederzeit ein Fürstlicher Residentz gewesen / inmassen der hohe vierkandichte Thurn sampt andern Ruderibus dauon noch zu sehen / Inbesondern Marggraff Friedrich Fortis daselbsten gerne hausirt / auch vor sein fürnembstes Hofflager gehalten.

[24]

XXIX.
Hohebucke.

OB dieses ein altes Haus / ist vnwissend / vom Churfürst Augusto aber zum Jagthaus gewidmet / vn[d] mit newen Gebewden versehen / ligt im Ampt Schlieben / vnd fast an der Grentze / des gleichen Namens auch eines an der Elben vor alten Jahren / wo aber / ist vnwissend / gelegen gewesen sol / so jederzeit vor eine der Sachsen wolverwarte Festung gehalten / vnd setzet Albinus in seinem Meißnischen Commentario, daß solche Festung von den Viltzer Wenden Anno 810. eröbert / vnd zu grunde eingerissen / vom Carolo Magno aber hinwieder erbawet / dauon aber keine vestigia mehr verhanden.


XXX.
Senfftenberg.

ISt fast ein Grentzhaus nach der Laußnitz / vnd vmb vnd vmb mit Wendischen Dörffern vmbgeben / vom Churfürst Moritzen von Sachsen anfenglichen erbawet / vnd insonderheit gezieret / Ob daselbsten zuuor eine alte Schlosstat gewesen / dauon ist keine Gewisheit verhanden.


XXXI.
Radeberg.

INgleichen von diesem Schlos Radeberg / so auch durch Churfürst Moritzen mit sondern newen Gebewden gezieret / vnnd beyde zu Emptern gewidmet / sind vorneme Grentz vnd Fürstenheuser.


XXXII.
Libenwerdaw.

SChlos vnd Ampt in der Chur Sachsen / vnd an der Grentze gelegen / Ist ein altes Haus daselbsten gestanden / so durch die von Rammelshain einem alten vn[d] abgegangenem Adelstand / bewonet / [25] vnd weil solche sich des Stegereiffs genehret / vnd allerhand Klagen von den Preßlauischen vnd Schlesischen Kauff vnd Fuhrleuten einkommen / sind die Churfürsten von Sachsen Anhaldischen Stams als Lehnherren / vnd inbesondern Churfürst Rudolph der Dritte / Anno 1384. verursacht worden / Sicherheit den Fürreisenden zu schaffen / sie darauff verwarnet / vnd da solche nicht ablassen wollen / des Orts gentzlichen auszusetzen gedräwet / inmassen jhnen auch das Haus feil gemacht / vnd andere örter verwiesen / darauff das Schlos eingenommen / vnd zum Fürstlichen Lager versehen / auch darauff eine Stadt darbey angelegt / da zuuorn nur wenige vnd etliche Diversoria vnd Gastheuser vnterm Schlos dabey gelegen / vnd die Stadt mit Sicherung vnd Freyheiten / auch Gerichten versehen. Nach dem aber vnd als der Letzte in diesem Anhaldischen Geschlecht vnd Churfürst Albertus III. mit Tode ohne Erben abgangen / vnnd die Chur dem Marggräffischen Stam von Meissen / vnd Friderico Bellicoso zukommen. Ist dieses Schlos sampt Stadt vnd etliche Dörffer desselben hinterlassenen Witwen / vnnd Frawen Offkam / einer Schlesischen Fürstin / vnd Hertzog Conraden von der Olß Tochter / ex pacto dotalitio eingereumet / welche dan[n] auff solchem Schlos fast ein Klosterleben geführt / inmassen noch bey Mannes Gedencken die Cellen vnnd Capell daselbsten noch zu sehen gewesen / der Stadt viel gutes bewiesen / vnnd diese Gnade erzeit / daß sie solcher zu jhrem Abzug vnd Gedechtnis (dann sie hernacher hinwieder von Fürst Georgen dem Schwartzen von Anhalt geheyrahtet) das Holtz / jetzo den Bürgerpusch genant / dann die Luckische Wiese / Item / die Frawenwiese / dann ein Forwerg / Kloitzschdorff genant / zusampt dem Ackerbaw vnd zugehörigem Wiesenwachs / als auch der freyen Fischerey auff der Elster / mehr / mit etlichen Zinsen aus den Fleischscherren aus Gnaden erblichen vnd vnwiederrufflichen verschrieben vnd geeignet. Nach derer Abzug wiederumb Stadt vnd Schlos zur Chur geschlagen / inmassen dann die Churfürsten Fridericus III. Sapiens, Item / Johan dessen Bruder / vnd Johan Friederich sein Sohn / alle Churfürsten / gerne des Orts wegen der Jagtlust / sich enthalten / So wol Churfürst Augustus auch die alten Schlosgebewde gentzlichen aussm Grunde erhoben / vnd zu einem Fürstlichen Lager allerding zierlichen auffbringen lassen.

Den Namen des Schlosses vnd der Stadt wollen etliche Scriptores dannenhero deriviren, daß solcher beyden von der Specula oder Wartta / so noch heut bey tage auff der Schlosstete / vnnd mitten im Hofe auffgeführt zu sehen / zugelegt / vnd Lubbwarth / das ist / Hohewarttha heissen sol / wie dann auff Wendisch das Wort Lubbe / hoch ausgelegt wird / auch dieses Wort in den alten Brieffen also / vnnd Lubbewarth [26] geschrieben befunden wird. Andere wollen die Deutung auff recht Deutsch geben / vnd Libenwerdaw / quasi ein guter oder lieber Anger auslegen / so ich an seinen Ort stelle / vnd zwar wolte ich mir die erste Deutuung / weil die Vestigia des Thurms / oder der Warthen / dauon dann noch vnter dem gemeinen Mann vor Alters ein Sprichwort auskommen / wegen dessen / daß es vor alten Zeiten da fürüber nicht sicher zu reisen gewesen / da man gesagt / Weren wir der hohen Warth hinweg / alsdann wir hetten sichern Steg / noch verhanden / vor der andern / so vbel dero Gegend zu beweisen / gefallen lassen.


XXXIII.
Torgaw.

SChlos vnd Ampt gar vhralter Originis, dann obwol Nachrichtung verhanden / daß Anno 960. Torgaw nur ein kleines Dörfflein von lauter Fischerheuslein gewesen / dauon dann noch die Fischergasse verhanden / Hat doch bald darauff die Stadt sehr zugenommen / also daß es zur sondern Graffschafft gediehen / inmassen dann deroselben Graffen noch Anno 1342. daselbsten zweene residirende Lutholdus vnnd Iohannes, in den Annalibus nominirt werden / denen durch Keyser Adolphum Nassaviensem, so mit dem Marggraffen von Meissen Friderico vnd Tizemanno schwere Kriege geführt / diese Stadt vnd zwar die gantze Graffschafft entzogen / welche sich hernacher vnd nach gestilten Kriegen / vnter der Marggraffen Schutz vnnd Gebiet gegeben / zumal weil bald darauff die Graffen ohne Erben mit Tode abgangen / vnd daß solche Graffen dem Schlos vnd der Stadt einen Anfang gegeben / ist kein zweiffel / hernacher aber durch die Fürsten von Sachsen / so gerne des Orts residirt in vielen verbessert / dann Anno 1491. die Brücke vber der Elben durch Hertzog Ernsten vnd Albertum Gebrüdere / erstlichen angelegt / inmassen auch an dem Schlos durch sie gegen dem Abend grosse Verbesserung geschehen / dann durch Churfürsten Fridrichen vnd Johan Gebrüdern / ingleichen ausgefürt vnd vollnbracht / wie dan[n] auch Churfürst Johan Friederich die andern beyde Theil am Schlos gegen Morgen vnnd Mittage aussm Grunde gar new vnd prechtig erhoben / vnd das Schlos allerding An. 1535. auff die Mas / wie es jetzo zu sehen / absolvirt, dessen gleichen in diesen Landen ausser Dreßden nit zu befinden ist / die Schloskirche D. Luther eigner Person Anno 1536. eingeweihet / vnd die erste Predigt gethan / [27] Ist auch vorgewesen / daß der Churfürst sein Begrebnis dahin legen wollen / wenn nicht leider ein Vnfall sich Anno 1547. da der Churfürst vom Keyser Carolo V. geschlagen / gefangen / vnnd der Chur benommen / sich zugetragen.

Den Namen Torgaw sol es haben nach Wendischer Sprach à Lucerna, von einer Leuchte / inde quod in illustri loco posita sit tanquam Lucerna seu Specula totius Regionis. Das Schlos aber sol Hartenfels heissen / darumb daß es allerding auff einen Steinfels fundirt vnd erbawet / wird jederzeit bawlichen vnnd im guten Stande erhalten. Ist ein recht Fürstliches ja fast Keyserliches Haus / inmassen es Carolus V. Keyser also getaufft.


XXXIV.
Weidenhayn.

IST ein Fürstliches Jagthaus / vor langen Jahren darzu erbawet vnd gewidmet / auch nochmals in gutem Esse erhalten. Inmassen auch


XXXV.
Sitzeroda.

SO zwar vor Alters ein Kloster Benedictiner Ordens gewesen / hernacher auch zu einem Fürstlichen Jagtlager verordnet / vnnd durch Churfürst Augusten mit sondern Fürstlichen Gebewden versehen / ligen beyde im Ampt Torgaw / werden auch daraus bestellet / vnd ligen beyde im Holtz / vnd sind darbey Dörffer erbawet.


XXXVI.
Lichtenberg.

IST vor alten Zeiten ein Antoniter Hoff vnnd Kloster gewesen / von sondern Gebewden vnd Einkommen / jetzo aber vnnd durch Churfürsten Augusti Gemahl / Fraw Anna / geborne Königin aus Dennemarck / zu einem Fürstlichen Haus vnnd Forwerg gewidmet / vnd mit sondern statlichen Schlosgebeuden versehen / Ligt an dem [28] Städtlein Pretien nicht weit von der Elben / auff einem fruchtbarlichen vnd genieslichen Boden zur Viehezucht vnd allerhand Nützungen angerichtet.


XXXVII.
Annaburg.

IN vorzeiten ein altes Jagthaus vnd Lochaw geheissen / jedoch ein sonderes Ampt / Ingleichen Anno 1579. von Churfürsten Augusti Gemahl / Fraw Anna / aussm Grunde gar new vnd prechtig erhoben / daß es numehr vor ein Fürstliches Haus wol zu halten / vnd von jhr / als der Fundatrice den Namen Annaburg erlanget / ligt im Holtz / nicht weit von der Schweinitz / dem Ampt vnnd Städlein / allda nicht vorlengsten ein vornemes Jagthaus / so durch Churfürst Ernsten Anno 1486. gantz prechtig erhoben vnd renovirt, auch gestanden / aber wegen des Hauses Annaburg desolirt, vnd der Abraum an Steinen vnnd andern dahin transferirt. Ist das Haus allda Churfürst Rudolphen von Sachsen des Geschlechts von Anhalt / Anno 1406. zween Söhne mit einem alten Thurm bey Nacht verfallen / vnnd sampt andern sechs Personen / Knaben vom Adel / vnd dem Praeceptori erschlagen. Item / Churfürst Johans Anno 1532. verstorben / Wie dann auch Churfürst Albertus der Letzte im Anhaldischen Stamme zur Lochaw in Fewersnöhten geraten / daß er bald darauff aus Erschreckens vnd andern zufallenden Kranckheiten / ohne Erben mit Tode abgangen / vnnd Churfürst Fridericus Sapiens, so die Vniversitet Wittenberg fundirt, allda Anno 1525. verstorben / vnnd alle zu Wittenberg in der Schloskirchen begraben ligen / daß also beyde örter wol vor ominosa zu halten.


XXXVIII.
Mülberg.

AN der Elben gelegen / ist in vorzeiten eine sondere Herrschafft gewesen / vnd den H. Bircken von der Tauba zugestanden / die es noch Anno 1492. besessen / vnnd endlichen von den Fürsten von Sachsen abgelöset / vnnd zu einem sondern Ampt gewidmet / Anno 1556. aber dem Stifft Meissen das Kloster vnnd die Stadt sampt dem [29] Schlos Dreßkaw vnnd der Stadt Belgern / an stat des Hauses vnd Ampt Stolpen eingereumet / Als aber hernacher der letzte Bischoff Johan von Haubitz vom Stifft abgetretten / vnnd sich verheyratet / auch auff Mögeln allerding auff sein Leben vorwiesen / ist alles hinwieder dem Ampt heimgefallen / da dann das Schlos von Churfürst Augusten statlich renovirt vnd verbessert. Dreßka aber das Schlos vnter Mülberg / einem wolverdienten vom Adel / Stellano von Holtzendorff aus der Marck / vnd Sächsischem alten Diener / aus Gnaden erblichen geeignet. Dieses Schlos Dreßka sol ein altes Burgwardum vnd Keyserliches Haus seyn / von Ludovico Pio Caroli Magni Sohn zum Schutz wider die Sachsen / Böhmen vnd Sorben Wenden angelegt / Andere wollen die Fundation dieses Hauses Carolo dem jüngern zulegen / so auch Belgern erbawet / vnnd seinen Hoff vnd Winterlager zu etlich malen allda gehalten / auch den Roland dahin gesetzt haben / vnnd wird dafür gehalten / daß Belgern vnnd Zwickaw die eltesten Städte in Meissen seyn sollen / Inmassen dann daselbsten auch ein altes Schlos gestanden / so nach der Stadt Namen / Weissenberg genennet / vnnd jtzo denen von Drandorff der Stadt keufflichen zukommen. Das Kloster daselbsten in Mülberg Virginum Cistertiensium, sol ein altes Stiefft / vnd von Marggraff Diderichs von Meissen Gemahl Jutta oder Juditha / Anno 1219. fundirt seyn / inmassen noch vor weniger Zeit jhr Bildnis daselbsten zu sehen gewesen.


XXXIX.
Mögelen.

SChlos vnd Stadt ist dem Stifft Meissen incorporirt gewesen / inmassen es noch dem letzten Bischoff Johan von Haubitz auff sein Leben gelassen / der auch daselbsten verstorben / vnnd das Schlos / so den Namen Kugethal vor Alters vnnd Anno 1261. gehabt / vnd von Bischoff Alberten des Geschlechts von Motzschen zum ersten erbawet / mit sondern zierlichen Gebewden renovirt, vnd statlichen verbessert / jetzo der Fürsten von Sachsen Amptshaus.

[30]

XL.
Eylenburg.

VOr Alters Ilenburg von Ilone oder Ilba, einem sondern Graffengeschlecht fundirt, inmassen es dann jederzeit ein sondere Herrschafft gewesen / vnd Anno 1127. an die Marggraffen von Meissen erstlich kommen / da es auch hernacher hinwieder von dem Stamm auff andere geraten / durch Marggraff Wilhelm / den man Coclem vnnd Eineugigten genant / Anno 1395. hinwider eingelöset / Von der Zeit an dann diese Herrschafft jederzeit beym Hause Sachsen geblieben / vnd das Schlos so Miltenaw vor Alters geheissen / zweiffels ohn / von dem vorfliessenden Wasser der Milden / vmb ein statliches verbessert vnd erweitert / also daß es wol vor ein Fürstenhaus bestehen thut / wird daselbsten ein sonderes Ampt gehalten. Im deutschen Kriege vnd Anno 1547. ist diese Stadt sampt Leißnick vnd Colditz vom König Ferdinand als Böhmisch Lehn vor die Vnkosten eingezogen / so durch eine sondere Transaction durch Churfürst Moritzen gegen dem Fürstenthumb Sagen / Pribas vnd Camberg hinwieder eingelöset / weil es fast mitten im Lande gelegen / so aber fast ein vngleicher Wechsel gewesen / jedoch damals nicht viel dawieder zu handeln. Vnter solchem Schlos ligt das vhralte feste Haus Grunna / so der Sorben Wenden starkes Propugnaculum vnd Heuptschlos Anno 927. allbereit gewesen / vnd durch Keyser Heinricum Aucupem eröbert vnd zerstöret / vnd aus der vornemen Stadt ein Dorff gemacht / jetzo den Spiegeln einem Adelgeschlecht zustendig.


XLI.
Wurtzen.

IST vor Alters ingleichen eine sondere Herrschaft gewesen / vnnd Anno 985. dem Stifft Meissen nach Absterben Graffen Esiconis des Letzten / so keine Erben gelassen / durch Keyser Otten dem Dritten zugeschlagen. Andere Historici setzen nur von jhm confirmirt, vnd durch Volckhulden dem andern Bischoff von Meissen / beneben Bichen / Bauchen / Lubenitz vnd Gerischo jetzo Groitz erkaufft / vnd der Thumb als eine Collegiata Ecclesia Cathedralis Ecclesiae Misnensis von Hervvigo dem Andern / in der Ordnung Bischoffen Anno 1112 fundirt, Das Schlos aber daselbsten erstlichen durch Bischoff [31] Johan von Saalhausen Anno 1497. angelegt / vnd aussm Grunde erbawet / welcher auch in willens gewesen / die Stadt zu erweitern vnnd die Wentzelskirche mit in die Ringmauer zu beschliessen. Jetzo numehr nach dem der Bischoff Haubitz allerding abgetretten / zu einem Fürstenhaus vnnd sonderes Ampt gewidmet / doch wird daselbsten noch eine sondere stifftische Regierung gehalten.


XLII.
Mutzschen.

IST ein altes Haus / denen von Starscheddel zustendig gewesen / so nochmals jetzo darbey vnd auff Kannewitz gesessen / vnnd gegen andern Gütern verwechselt / zum theil auch mit barem Gelde abgelegt / von Churfürst Augusten eingelöset / vnnd zu einem sondern Ampt gewidmet. Vor alten Zeiten sol allda ein sonderes Geschlecht vnd Herrenstandes daselbsten die von Mutzschen residirt haben / so aber ohne Erben abgangen / vnd das Kloster daselbsten Servorum Mariae fundirt, Das Schlos wird in gutem bewlichen Stand erhalten / darbey dann das Jagthaus Wernßdorff gelegen / ist der Ort von Jagten vnd anderer Herrenlust namhafft / inbesonders von herrlichen Teichen / so wol auch einem austreglichen Ackerbaw vnnd guter Viehezucht.


XLIII.
Grimb.

DAs Schlos daselbsten ist auff zween vnterschiedene Sitz vor Alters erbawet / inmassen dann die Fürsten von Sachsen gerne des Orts / vnd inbesonders Churfürst Friederich Placidus residirt, allda dann auch Hertzog Ernst vnd Albertus Gebrüdere jung worden / so sich des Orts auch gerne enthalten / Ist ein altes Gebewde / vnnd der viereckichte Thurm darinnen durch Marggraff Wilhelm den Ersten / erbawet / der dann zum meisten allda Hoff gehalten.

Man wil auch wol sagen / daß Keyser Heinricus Auceps daselbsten zu demmal residirt, vnnd sich gestercket / als er die Hungern vor Merseburg vberfallen vnnd geschlagen / inmassen dann vor wenig Jahren bey dem Dorff Grosse Barda / dessen silbern Müntz / [32] so dessen Bildnis in der Rechtenhand einen Vogel haltend / repraesentirt gefunden worden. In diesem Schlos dann auch der erste Fürstliche Conventus Anno 1288. gehalten / vnd ein Verbündnis gemacht / die grassirenden Reuber vnd Beuähdere zu dempffen / einander wider jhre Feinde Beystand zu leisten / jetzt wird es die Erbvorbrüderung genennet zwischen den Heusern Sachsen / Hessen vnd Brandenburg / so gemeiniglich zur Naumburg renovirt wird.


XLIV.
Pleissenburg.


DAs Schlos zu Leipzig also genant / zur Landesfestung mehr als zur Zier vnd Wohnunge zugerichtet / wiewol es auch dermassen mit Fürstlichen Gebewden versehen / daß es zu rühmen / Hat den Namen von dem Wasser die Pleissa / so darbey fliessen thut. Churfürst Augustus hat auff diese Schlosfestung ein statliches vnnd vber eine Tonne Goldes auffgewendet / Ist auch dermassen mit Munition, Kraut vnd Loth versehen / daß es wol vor eine Festung bestehet / vnnd austauren könne / werden daselbsten fort vnd fort 30. Soldaten sampt einem Heuptman zur Wache vnterhalten / ist sonsten gar ein altes Gebewde vor dessen jederzeit des Orts gewesen / dann in Historien gelesen wird / daß Anno 945. Graff Günther von Pleissen des Orts allbereit residirt, vnnd die drey Schlösser / Pleissenburg / Aldenburg vnnd Skeuditz erbawet / hat die Zeit vnd lang hernach vnter die Graffschafft Merseburg gehöret / biß daß solche endlichen mit Graff Isacio oder Esico dem letzten Anno 1007. abgangen / vnd hernacher eine Zeitlang / vnd biß auffs Jahr Christi 1134. vnter dem Stifft Merseburg gewesen / vnd dann von Marggraff Otten / Conrads Sohn / mit andern Schlössern vnd Gütern vorwechselt / zum Marggraffthum Meissen geschlagen / Dieser dann auch den alten Flecken Liptz mit Mauren vmbziehen lassen / vnd also damals zur Stadt ein Anfang gemacht / von deme es dann auch die Fürstlichen Insignia erlangt / jedoch mit andern Farben zum Vnterscheid vermenget / hernach die succedirenden Marggraffen / dann die Chur vnd Fürsten von Sachsen ein jeder das seine bey dieser Stadt vnd dero Gegend gethan / biß daß solche zu einem solchen Stand kommen / wie es Gott lob zu sehen / vnd ist sonderlich die Festung am Schlos wegen der Märckte / vnd zum Schutz der frembden Handelsleute angelegt. In dero Gegend dann auch die vhreltesten beyde Schlosgebewde gelegen / Als

[33]

XLV.
Landesberg vnter Hall / vnd Groitzsch
bey Pegaw.

WElches erst von Diterico III. Anno 1165. erbawet vnd besessen / jetzo aber gantz desolirt, vnnd wird des Orts mehr nicht als die alte Capell zum Gedechtnis / darinnen eine Marmorseule / so gantz spiegelicht / vnd darauff das Gewelbe im Chor ruhen thut / zu sehen / erhalten. Ist vor Alters ein sonders grosses Bergschlos gewesen / starck befestiget / darumb es dann auch desolirt, vnnd bißanhero vnerbawet gelassen / Inmassen auch das ander vnd Groitzsch vor Alters ein vornemes Propugnaculum, vnnd Graff Wiprechts des Eltern / Hauptschlos / jetzo gantz desolat zusehen / wird auch wol also vorbleiben / jedoch bleiben die beyde Herrschafften vor sich / vnd werden deroselben Regalien in der Marggraffen von Meissen vnnd Hertzogen von Sachsen Fahnlehn gebraucht vnd geführt / vnter denen Petersberg / dann auch die beyde sondere Herrschafftsheuser / Als


XLVI.
Zörbigk.

JEtzo noch etlicher massen erbawet / vnnd ein sonderes Churfürstliches Ampt / Dann


XLVII.
Wettien.

SO denen von Krossig einem Adelsgeschlechte zustendig / sind beyde Heuser von Alters hero berühmbt / vnd in der Marggraffen von Meissen / vnd Fürsten von Sachsen Fahnlehen.

Wann nun das Meißner / Oster vnnd Pleißnerland absolvirt, müssen wir auch zur Chur Sachsen schreiten / ehe wir das Landgraffthumb Thüringen vor die Hand nemen / Vnter denen dann:

[34]
XLVIII.
Wittenberg.

WIttenberg das Heuptschlos von Wittichindo II. Anno 812. alii 779. erstlichen angelegt / hernacher von Churfürst Bernhardo II. Alberti Vrsi Sohn Anhaldischen Stammes Anno 1147. erweitert / vnd mit Wallen / Gräben vnnd Mauren befestiget / dann die Stadt ingleichen mit Mauren bezogen / von Churfürsten Alberto I. Item II. dann Rudolpho I. & II. Wenceslao I. vnd Rudolpho III. allen Churfürsten Anhaldischen Stammes / auff die Mas / wie zu sehen / erweitert vnd verbessert / welche auch allesampt jhr Begrebnis des Orts in der Franciscaner Klosterkirchen / so jetzo zum Kornhaus gewidmet / vnd derer Ossa in die Schloskirche transferirt, sampt den jhren gehalten. Von Churfürsten Friderico III. aber / Sapienti genant / so die Vniversitet daselbsten Anno 1502. angelegt / in ein sondere newe Form / mit schönen Thurnen vnnd Erckern gebracht / darzu dann auch die schöne Schloskirche Anno 1518. aussm Grunde auff die Mas gantz zierlichen vnd prechtig erbawet / inmassen die Vberschrifft vber der Kirchenthür mit diesen Worten dessen Anzeigunge gibt: Domini Friderici Ducis Saxoniae S. R. I. & ejusdem Caesareae Majestatis Archimarschalli Electoris & Locumtenentis generalis Landgr. Thuringiae & Marchionis Misniae Structura Anno 1518. absoluta, pro Domus Saxonicae salute & posterorum incolumitate in Dei Opt. Max. laudem inchoata. Welcher ingleichen seine Fürstliche Sepulturam, sampt seines Brudern Churfürst Johans / in der Schloskirchen daselbst anordnen lassen / Vnd zwar wenn man die jetzigen Schlosgebewde sampt dero Kirchen / vnnd dann die gantze Structura der Stadtfestunge recht ansehen vnd erwegen wil / ist zu bekennen / daß dergleichen im Lande ausser Dreßden vnd zum theil Torga an den Schlosgebewden nicht zu finden / die Festung auch also angelegt / daß man derselben leichtlichen ausser Gottes Gewalt nicht beykommen könne / vnd vor einem zimlichen starcken Anlauff mit allen Requisitis wol versehen / inmassen dann Keyser Carolus V. als S. M. Anno 1547. dafür gelegen / gesagt haben solle / Er müsse bekennen / diese Festung allerding vnd wol angelegt / vnnd würde noch manchen Kopff gekostet haben / wenn er solche durch Kriegesmacht hette eröbern sollen. Ist bißanhero etlicher massen erhalten / vnnd wo es nöhtig gewesen / Besserung angewendet. Vnter diesem ligt das Schlos Pretzsch / den [35] Lösern / Erbmarschalchn der Chur Sachsen zustendig / ein schön herrlich vnd Fürstliches Gebewde / dauon weiter in der Adelschlössere Relation Bericht gethan werden solle.


XLIX.
Beltzig.

IST ein altes Ampt vnd Grentzhaus / von Churfürst Ernsten Anno 1462. auff die Form / wie jetzo zu sehen / restaurirt vnd renovirt, vnd in etwas inmittelst in Besserung erhalten / weil solches Schlos sampt dem Hause Rabenstein drunter gelegen / Anno 1406. vom Ertzbischoff Alberto von Magdeburg gantz desolirt vnd zu grunde gelegt / folgend auch in den Merckischen Kriegen allerhand Schaden empfangen / an den alten Ruderibus, so wol dem runden Thurm / so mitten im Schloshoff stehet / ist zu sehen / daß es ein grosses Gebewde vor Alters müsse gewesen seyn / mit Rondelen vnnd starcken Mauren also starck vnd in der Weite vmbfangen / daß demselben mit Pflitzbogen vnd Steinwürffen / so vor Alters an stat der Büchsen gebraucht / leichtlichen nicht abzubrechen gewesen / zu dem jetzigen Ernst der Büchsen würde es keinen Bestand haben / jedoch eine zeitlang darauff sich noch auffzuhalten. Sol den Namen von Bellsitz / das ist ein Herrnsitz / haben / vnd mit dem Wort Stolpen / quasi Stuhlbahn / so einen Herrnhoff bedeutet / eins seyn.


L.
Gommern.

IST auch ein alter Sitz / so zum Burggraffthumb Magdeburg sampt Elbenaw / Plötzig / vnd derselbe Refier herumb / vor Alters vnd nochmals gehörig gewesen / jetzo aber dauon exempt gemacht / vnd zur Chur Sachsen geschlagen / inmassen es dann ein sonderes Churfürstliches Ampt ist. Churfürst Augustus hat dieses Schlos fast aussm Grunde / vnd von newen erhoben / vnd mit allerhand schönen Gebewden Anno 1578. ziehren lassen.

[36]

LI.
Glücksburg.

EIn Jagthaus Anno 1576. gantz new von Churfürsten Augusten / zwischen den beyden Lindischen vnd Seidischen Heyden in flachen Feldern bey dem Dorff Mügeln angelegt / ist in das Ampt Seidaw geschlagen / daraus es dann auch bestellet wird / Grentzet zum theil mit den stifftischen Magdeburgischen Dörffern / anderthalb Meil von der Stad Juterbock gelegen / der Plan mit einer Ringmauren von einfachen Steinen / zum Garten angerichtet / vmbfangen / nicht sonders gros von Gebewden.


LII.
Weissenfels in Thüringen.

DAs Schlos daselbsten ligt der nach der Höhe mit allerhand Gebewden zum Fürstlichen Lager zur guten Notturfft versehen / inmassen dann Churfürst Augustus / ehe er zur Regierung geschritten / daselbsten etliche Jar seinen Residentz gehalten / Ist vor Alters eine sondere vn[d] alte Herrschaft gewesen / vn[d] durch Marggraff Otten / Diderici Sohn / Anno 1180. allbereit beherrschet / hat den Namen von dem weissen Steinbruch / so vmb vnd vmb ausser der Stadt vnd dero Gegend gebrochen werden / inmassen dann auch die Stadt drunter den Namen dauon erhalten / jetzo ein Churf. Ampt vnnd mit sondern Einkommen versehen / wie man dann sagen wil / daß dieses vnd das Ampt Aldenburg einander an Einkommen vnd Dörffern fast gleich / vnd die fürnemsten Empter im Lande sind. Das Kloster daselbsten / ist wegen der vhralten Fundation beruffen / darinnen dann statliche Gebewde vor Fürstliche Personen verhanden / inmassen dann Fraw Sidonia / Churfürsten Augusten Fraw Schwester / Hertzogin von Braunschweig / darinnen jhr Leben zubracht.


LIII.
Naumburg.

DAs Schlos daselbsten vor Alters Neweburg genant / ist Anno 1170. von Landgraff Ludowig / so man den eisernen Landgraffen von des wegen / daß er gleich Eisenhart gewesen / vnnd was er [37] vorgenommen / seinen Fortgang haben müssen / zugenamet / erstlichen angelegt / von solchem dann eine gedenckwirdige Historia in Scriptis referirt wird / daß zur Zeit Keyser Friederich zu diesem seinem Schwager eingekeheret / vnd als er das newe Schlos besehen / gesagt haben sol / demselben nichts als eine Mauer zur Befriedung / mangeln thete / Dem der Landgraff geantwortet / Er gar bald auch noch bey des Keysers Anwesen darzu kommen wolte / dessen der Keyser gelächelt vnd ferner gefraget / wie bald solches geschehen solte / Der Landgraff geantwortet / Auffs lengste in dreyen Tagen / Der Keyser fast abermal gehönlechelt / vnnd gesagt / das were ein vnmügliches Werck / da er auch gleich alle Werckleute in gantz Deutschland darzu auffbrechte / Darauff der Landgraff den Keyser zur Malzeit geführt / vnd inmittels Bestallunge thun lassen / das ein jeder vo[n] Adel / so viel er derer vnter sich gehabt / sampt dem beste[n] Kern aus den Städten mit jhrem besten Schmuck / auch jhrem Harnisch vnd besten Wehren zur Stete kommen / Vnd als solches geschehen / dieselben ringsherumb in eine Ordnung vmb das Schlos anstellen lassen / also / wo ein Thurm auffgebawet werden sollen / dahin ein Graff oder Freyherr mit einem Fendrich gestellet / vnd demselben ein Schlachtschwerdt blos in die Hand geben lassen / also alles dermassen angeordnet / vnd die Glieder in einander geschoben / daß auch bald nicht müglichen ein Hund dadurch reissen solte / Darauff nach der Malzeit den Keyser angesprochen / wofern seine Majestet die Mauer / so allbereit fertig / sehen wolte / geschehe jhm zu willen / Der Keyser solches vor einen Schertz auffgenommen / als aber der Landgraff solches betewret / vnd der Keyser sich vmbgesehen / auch das Schlos mit geharnischten Kriegsleuten allerding in guter Ordnung vmbgeben / vnnd gleichsam vermauret befunden / hat er sich drüber verwundert / vnd gesagt / Er die Zeit seines Lebens keine schönere vnd wolbestalte Mauer gesehen / dem Landgraffen vor seinen Dienst gedanckt / vnnd solches offtermals berühmet. Dieses Schlos ist jetzo gantz vnd gar niedergelegt / vnd andere Gebewde dahin transferirt, auch Stadt vnd Schlos zum Stifft Zeitz geschlagen.


LIV.
Freyburg.

ISt gar ein altes vnd weit vmbfangenes Bergschlos / vom Landgraff Ludowigen dem Springer / Anno 1125. an der Vnstruth erbawet / jetzo ein sonderes Amptshaus / mit sondern newen vnnd [38] Fürstlichen Gebewden versehen / vnd durch Churfürst Augusten renovirt, hat dieses Schlos zu etlich malen wegen der Belagerung / so von Keyser Friedrichen dem Ersten / geschehen / welcher diesen Landgraffen wegen dessen / daß er Pfaltzgraff Friedrichen erstochen / darauff gefangen nemen / vnd nachm Gibichenstein in die Custodia bringen lassen / Schaden empfangen / vnnd also damals das Schlos zu grunde gelegt / dann von den Nachkommenden wiederumb erbawet / vnnd Anno 1260. hinwieder von Keyser Adolphen von Nassaw zerstöret / dennoch hinwieder auff die Mas / wie jetzo noch zu sehen / erhoben.


LV.
Eckhardsberg.

SChlos vnd Ampt / von Marggraffen Eckhardo dem Ersten / in Meissen vnd Thüringen Anno 1013. erstlichen erbawet / vnnd nach jhm genennet / so aber hernacher vnnd noch bey seinen Zeiten hinwieder zerstöret / dann er sich grosses Dinges vnterstanden / vnnd Keyser seyn wollen / als jhm Keyser Lotharius der Sachse vorgezogen / ist er denselben in allen zuwider gewesen / vnd sich auff seine Gewalt vnd festes Haus verlassen / darüber das Schlos belagert / eröbert / vnd zu grunde gelegt / er auch hernacher bey Nordheim erschlagen worden / vnd ob wol dieses Schlos hernacher durch dessen Nachkommen hinwieder erbawet / vnd in eine sondere Form vnnd schönes grosses Gebewde gebracht / hat es doch niemals keinen Bestand haben wollen / offtermals desolirt vnd zerstöret / inmassen es noch heut zu tage also vnerbawet legen thut / vnd das wenigste daran nur zur Auffschüttunge des Ampts Getreidichs erhalten worden / sonsten ist das alte Gebewde an Thürmen vnd Gemeuren gantz fest.


LVI.
Sachsenburg.

AMpt vnd Schlos in vorzeiten die Hagkenburg genennet / ist jetzo gantz wüste / vnnd nur die Rudera dauon zu sehen / Sol ein sehr altes Gebewde / vnd von den Sachsen / inmassen auch Scheidingen derselben festes Propugnaculum An. 534. erst erbawet seyn / vnd [39] solches Schlos zum ersten einem tapffern Ritter / so den Sachsen trewlichen Beygestand geleistet / vnd durch eine sonderliche Kriegslist Scheidingen die Königliche Burg vnd Stadt gewinnen helffen / eingegeben / dannenhero es den Namen die Hackenburg erhalten / sol der eltesten Heuser eines seyn / so jemals in diesen Landen gewesen / doch wil man sagen / daß das Schlos Kyffhausen vor Alters die Hartzburg genant / so jetzo auch gantz desolat ligen thut / vnnd vom Iulio Caesare dem ersten Römischen Keyser / vor Christi Geburt / erbawet seyn sol / Elterer Ankunfft wird die Gegend das Finnische Gebirge genennet / darbey dann auch das Schlos Beichlingen / darauff Keyser Heinrich der Vierdte / offten residirt vnd solches erbawet haben sol / jetzo aber denen von Werttern zustendig / darunter dann auch Kindelbrück das vhralte Städtlein gehörig gelegen / vnd ist sich zu verwundern / wie dero Gegend vnd vmb den Hartz viel Schlösser desolirt, daraus dann zu vermuten / daß dero Gegend vnnd in Thüringen grosse Kriege müssen gewesen seyn / inmassen dann auch aus den Speculis vnd Warthen / so daselbsten hin vnd wieder erigirt, zu sehen.


LVII.
Weissensee.

SChlos vnd Ampt / ist auch gar ein altes Gebewde vom Landgraff Ludowig dem Eisernen / Anno 1172. erstlichen angelegt / wird aber noch jetzo in gutem bewlichen Wesen erhalten / Hat den Namen von dem grossen See / so drunter gelegen / vnd nicht zu ergründen / jedoch Fischreich seyn sol / ist eine herrliche Gegend von Ackerbaw vnd Viehezucht / auch zum Fürstlichen Lager allerding bequem.


LVIII.
Langensaltza.

AMpt vnd Schlos in vorzeiten eine sondere Herrschafft / so man die Edlen Herren von Saltza / zu Dulstadt vnd Vfhoffen / genant / Hat den Namen von dem vorlauffenden Wasser die Saltza / Ist wegen grosser Vneinigkeiten der dreyen Gebrüdere / so vmb das Jahr Christi 1343. daselbsten gesessen / vnd sich vnter das Stifft Mentz ergeben wollen / vnter die Landgraffen in Thüringen kommen / jedoch das Stifft Mentz lange Jahr den halben Theil besessen / biß endlichen solches auch abgelöset / vnd allerding Schlos vnd Stadt den Fürsten von Sachsen zukommen / die es noch besitzen thun.

[40]

LIX.
Sangerhausen.

SChlos vnd Ampt / so vor Alters auch eine sondere Herrschafft vnd vnter der Hertzogen von Braunschweig Botmessigkeit gewesen / die es durch Heyraht an sich gebracht / Anno 1370. aber durch einen Kauff an die Fürsten von Sachsen kommen / darbey es auch jederzeit gelassen.


LX.
Plauen.

IM Voigtlande / Stadt / Ampt vnd Schlos gelegen / ein alter Sitz der Herren Voigte von Plauen und Herren zu Gera / so dem gantzen Strich vmb Weida / Ziegenrück / Ronneburg vnd dero Gegend vnter sich gehabt / vnnd Anno 1464. vnter die Fürsten von Sachsen dergestalt kommen / daß da Herr Heinrich Voigt vnd Burggraff / welchen man den Reichen wegen dessen / daß er alle vorangezeigte Güter und diese Herrschafft allein vnter sich gehabt / seine Vnterthanen zu viel Dampffs angelegt / auch drüber der Fürsten von Sachsen Leut vberzogen / ist er von Hertzog Ernsten Churfürsten zu vielmals verwarnet worden / dauon abzustehen / als aber keine Warnung helffen wollen / endlichen zur Scherffe gegrieffen / das Schlos Plauen belagert / eröbert / vnd den Herrn daraus verjagt / jedoch die Sache dahin endlichen verglichen / daß ihm eine Summa Geldes daruor ausgezalt / dauon dann die Herrschafften Drüsing vnd Engelsburg in Böhmen erkaufft / jedoch dessen Söhne noch Gera / Gretz / Kranichfeld behalten / Sol den Namen à caerulea vel Cyanea valle, von plauen Thal haben / weil solche Stadt im Thal gelegen / wird sonsten die Gegend Terra Advocatorum vnd Praetoriana genant / vnd sol Drusus der Römer diese Gegend erst bezwungen / vnnd vnter der Römer Gebiet gebracht / das Schlos erstlichen angelegt / vnd mit einem Voigt besetzt haben / inmassen die alte Schrifft vberm Thor zum Voigtsberg ausweiset / so also lauten thut:

Castra locans Drusus hîc Praetoria nomina monti
Fecit posteritas servet ut illa sibi.

Würde also die Rechnung zu machen seyn / daß diese Burg vor Christi Geburt gestanden.

[41]
LXI.
Voigtsberg.

AMpt vnd Schlos gar vhralter Ankunfft / inmassen die Einwohner dero Gegend sich berühmen / daß solches als auch Schöneck / vber 300. Jar vor Christi Geburt in Flore gewesen / vn[d] von Druso Germanico erst hernacher wiederumb vernewert / so aber alles Fabelwerck ist / An deme ist es zwar / daß dieses Schlos von alter Manier anzusehen / von den Voigten der Römischen Herrschafft erbawet / vnd viel lange Jahr in jhrer Gewalt gewesen / wie durch vorangezeigte Schrifft zu erweisen / auch die deutschen Reimen am Schlos also lautende / Anzeigung geben:

Drusus der edle Römisch Voigt
Erbawet diesen Berg in Noth /
Da er Kriege im Deutschland pflag /
Voigtsberg heist er auff diesen Tag /
Darnach ward von jhm recht genant
Die Gegend / vnd heist Voigtland /
Die Burg die blieb ein lange Zeit /
Wie durch die Schrifft wird ausgeseit /
In des Römschen Keysers Gewalt /
Hernach wurde sie zugezalt
Einr edlen Herrschafft lobesan /
Die gwan von Voigtsberg jhrn Nam /
Die Burg die Stund viel manche Jahr
In jhrer Hand / ohn all Gefahr /
Biß dreyzehenhundert Jahr nach Christi Geburt /
Sechs vnd funfftzig / am Sontag Laurenti fuhrt /
Dann ist sie an die Landesfürsten kommen /
Friedrich vnd Wilhem haben sie eingenommen /
Thüring / Meissen vnd Osterland
Stund die Zeit alls in jhrer Hand /
Die Pfaltz zu Sachsen auch dazu /
Sie erhiltn den Landen Fried vnd Ruh /
Gott / in welchs Händen alles steht /
Wol segnen jhr Posteritet.

Daraus dann zu vernemen / daß zuuorn An. 1356. diese Herrschafft bekrieget vnnd eingenommen / inmassen es auch die Historien geben / [42] daß Keyser Carolus IV. denen von Plauen mit Hülff Marggraff Friedrichs bekrieget von des wegen / daß er etliche Schlösser vnd Städte zum Königreich Böhmen gehörig / Pfandweis inne gehabt / vnnd der Kron gegen ausgezelten Geldern / vorenthalten / damals dann auch die Marggraffen diese Stadt an sich gezogen / hernacher aber wieder abgehandelt / vnd erst Anno 1464. zum Hause Sachsen erblichen geschlagen / Vnter diesem Ampt ligt auch die Stadt Olßnitz an der Elster / so jederzeit demselben zugethan gewesen / vnd beyde in der Hussiten Direption grossen Schaden genommen / vnnd beyde allerding ausgebrandt / hernacher hinwieder auff die Form wie zu sehen / restaurirt.


LXII.
Weida.

EIn altes Bergschlos / Ampt vnd Stadt im Voigtlande / so auch der Herren Voigte gewesen / vnd neben andern Anno 1356. zu dem Hause Sachsen durch Kriegsrecht geschlagen / ist eine sondere Herrschafft jederzeit vor dessen gewesen / dann Anno 1140. einer vnd Herr Heinrich / Herr zu Weida daselbsten residirt, so das Kloster Miltenfort fundirt, so vier Söhne / eines Namens / vnd Heinriche alle / gelassen / welche hernacher sich auff Weida / Gretz / Plauen / vnnd Gera vortheilt / vnd dauon die andere Stämme propagirt, vnnd weil auch Anno 1356. der letzte dieser Linien ohne Erben abgangen / ist die Succession auff die Lehensfürsten geraten / vnd dargegen die Mitbelehnten auff andere Güter verwiesen.


LXIII.
Adorff.

SOl vor Alters Hagdorff quasi saltus villae, Waltdorff ab Hag vel Hagen, so ein Wald bedeutet / ein sehr altes Haus vnd Stad vnter den Voigten vnd Burggraffen von Plauen / gehörig / hernacher vnter Churfürst Ernsten dem Hause Sachsen / Anno 1467. zukommen / bey deme es noch bißanhero geblieben / vnd wird ausdrücklichen in Historien angezogen / daß erwenter Churfürst durch viel Vnbilligkeit dazu verursacht / den Herrn von Plauen bekriegt / vnd jhm insonderheit Plauen / Olßnitz vnd Adorff / Schlösser vnnd Städte genommen / [43] eröbert vnd besetzt / aus diesen sondern Vrsachen / daß des Herrn von Plauen Weib eine von Bünaw aus dem Hause Elsterburg / die Edelleut hin vnd wieder vertrieben / welche nicht weichen wollen / ausgejagt / vnd Schäffereyen angerichtet / Item / des Fürsten Vnterthanen an der Grentze angegriffen / beuähdet vnnd vbel mit jhnen handtieret / darüber die Fürsten von Sachsen zugreiffen müssen.

Nun solten wir auch von andern Voigtländischen Städten Erzehlung thun / weil aber dieselben vnter dieser Sächsischen Herrschafft nicht gelegen / ist es eingestelt.


Beschlus.

WAs belanget die stifftischen Schlösser / als Merseburg / Zeitz / auch die vornemsten vnd eltesten Adelsheuser vnnd Rittersitz / sol in einem sonderlichen Buch / nach der Städte in Meissen / der Chur Thüringen / Voigtland vnd Graffschafft Hennenberg Description insonderheit angezogen / vnd geliebts Gott / eingebracht werden.


[Vignette]


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Das im Titel erwähnte Verzeichnis der Ämter fehlt, ein Register der Schlösser befindet sich im ersten Teil des Theatrum Saxonicum (ULB Halle). Die Angaben in der Tabelle beziehen sich auf die Kapitelüberschriften in dem hier vorliegenden zweiten Teil.
  2. Gemeint sind die sieben kursächsischen Kreise.
  3. Herzogtum Sagan
  4. Vorlage: Falckreut.