Tischchen deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack (1819)

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Autor: Brüder Grimm
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Titel: Tischchen deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack
Untertitel:
aus: Kinder- und Haus-Märchen Band 1, Große Ausgabe.
S. 179-191
Herausgeber:
Auflage: 2. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1819
Verlag: G. Reimer
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Erscheinungsort: Berlin
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Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
seit 1812: KHM 36
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Begriffsklärung Andere Ausgaben unter diesem Titel siehe unter: Tischchen deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack.


[179]
36.

Tischchen deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack.

Es war ein Schneider, der hatte drei Söhne und nur eine Ziege, die alle zusammen mit ihrer Milch ernähren mußte. „Dafür [180] soll sie auch ihr gutes Futter haben, sagte der Schneider, und jeden Tag auf die Weide geführt werden.“ Nun mußten sie die Söhne nach der Reihe hinausführen. Der älteste brachte sie auf den Kirchhof, wo schöne Kräuter standen und ließ sie da herum springen und fressen. Abends, als er mit ihr heim wollte, sprach er: „Ziege, bist du satt?“ die Ziege antwortete:

„ich bin so satt,
ich mag kein Blatt: meh! meh!“

„So komm nach Haus“ sprach der Junge, faßte sie am Strickchen und führte sie heim in den Stall und band sie fest. „Nun, sagte der alte Schneider, hat die Ziege ihr Futter?“ „O, sprach der Sohn, die ist so satt, sie mag kein Blatt.“ Der Vater wollte aber selbst nachsehen, ging in den Stall und fragte: „Ziege, bist du auch satt?“ Da antwortete das Thier:

„wovon sollt ich satt sein?
ich sprang nur über Gräbelein
und fand kein einzig Blättelein: meh! meh!“

Der Schneider ward zornig, lief hinauf und sprach zu dem Jungen: „ei du Lügner, was hast du meine Ziege hungern lassen?“ nahm seinen Stock von der Wand und jagte ihn hinaus. Am andern Tag war die Reihe am zweiten, der führte die Ziege auch unter lauter gute Kräuter, die fraß sie alle rein ab. Abends als er heim wollte, sprach er: „Ziege bist du satt?“ die Ziege antwortete:

„ich bin so satt,
ich mag kein Blatt: meh! meh!“

[181] „So komm nach Haus,“ sprach der Junge, zog sie heim und band sie fest. „Nun, fragte der alte Schneider, hat die Ziege ihr Futter?“ „O, antwortete der Sohn, die ist so satt, sie mag kein Blatt.“ Der alte Schneider aber wollte selbst nachsehen, ging hinab und fragte: „Ziege bist du auch satt?“ das Thier antwortete:

„wovon sollt ich satt sein?
ich sprang nur über Gräbelein
und fand kein einzig Blättelein: meh! meh!“

„Ei der Bösewicht!“ schrie der Schneider, so ein frommes Thier hungern zu lassen!“ lief hinauf, nahm den Stock und schlug den Jungen zur Hausthüre hinaus. Die Reihe kam an den dritten, der wollte sich vorsehen[1] und sucht der Ziege, das saftigste Futter von der Welt aus; Abends als er heim wollte, fragte er: „Ziege bist du auch satt?“ Sie antwortete:

„ich bin so satt,
ich mag kein Blatt: meh! meh!“

„So komm nach Haus,“ sagte der Junge und führte sie in den Stall und band sie an. „Nun, sagte der Vater, hat die Ziege endlich ihr Futter?“ „O, sprach der Sohn, die ist so satt, sie mag kein Blatt.“ Der alte Schneider aber wollte nicht trauen, ging hinab und fragte: „Ziege bist du auch satt?“ Das boshafte Thier sprach:

„wie sollt ich satt sein?
Ich sprang nur über Gräbelein
und fand kein einzig Blättelein: meh! meh!“

[182] „Wart du Lügenbrut[2]! rief der Schneider im größten Zorn, willst du mich zum Narren haben!“ sprang mit einem rothen Gesicht hinauf nach seinem Stock, und jagte auch den jüngsten Sohn fort. Nun war er mit seiner Ziege ganz allein, am andern Morgen sprach er zu ihr: „komm, liebes Thierlein, ich will dich zur Weide führen,“ nahm es am Strick und brachte es an grüne Hecken und unter Schafrippe und was die Ziegen sonst gern haben und ließ sie weiden bis zum Abend. Da sprach er: „Ziege, bist du satt?“ Sie antwortete:

„Ich bin so satt,
ich mag kein Blatt: meh! meh!“

„So komm nach Haus“ sprach der Schneider, brachte sie in den Stall und band sie fest. „Nun bist du doch einmal satt!“ sprach er beim Fortgehen; die Ziege aber machte es ihm nicht besser und rief:

„wie sollt ich satt sein?
Ich sprang nur über Gräbelein
und fand kein einzig Blättelein: meh! meh!“

Als der Schneider das hörte, stutzte er und sah wohl, daß er seine drei Kinder unschuldig verstoßen hatte: „wart, rief er, du gottloses, undankbares Geschöpf, du sollst dich nicht mehr unter ehrlichen Menschen sehen lassen!“ sprang hinauf, holte sein Bartmesser, seifte der Ziege den Kopf ein und schor ihn so glatt, wie seine flache Hand; darauf nahm er die Peitsche und jagte sie hinaus.

Nun war der Schneider traurig, daß er so ganz allein sein [183] Leben zubringen mußte, und hätte gern seine Söhne wieder zu sich genommen, aber niemand wußte wo sie hingerathen waren. Der älteste war aber zu einem Schreiner in die Lehre gegangen, lernte fleißig und unverdrossen und als seine Zeit herum war, daß er wandern sollte, gab ihm der Meister ein Tischchen, das sah gar nicht sonderlich aus und war von ganz gewöhnlichem Holz, aber wenn mans hinstellte und sprach: „Tischchen deck dich!“ ja, da wars auf einmal mit einem saubern Tüchlein bedeckt, und stand da ein Teller mit Messer und Gabel und auf Schüsseln Gesottenes und Gebratenes, so viel nur Platz hatte, und ein groß Glas mit rothem Wein leuchtete, daß einem das Herz lachte. Nun dachte der junge Gesell, du hast genug für dein Lebtag, zog guter Dinge in der Welt umher und bekümmerte sich gar nicht darum, ob ein Wirthshaus gut oder schlecht war, und hatte er Lust, so kehrte er gar nicht ein, sondern im Feld, im Wald oder auf einer Wiese, wo er war, nahm er sein Tischchen vom Rücken, stellte es vor sich und sprach: „deck dich!“ so war alles da, was sein Herz begehrte. Endlich dachte er, du mußt doch deinen Vater wieder sehen, der wird dich mit dem Tischchen gern aufnehmen. Es trug sich zu, daß er auf dem Heimweg Abends in ein Wirthshaus kam, darin viel Gäste saßen, die hießen ihn willkommen und sprachen, so er was haben wollte, sollte er sich zu ihnen setzen. „Nein, antwortete der Schreiner, ich will euch die paar Bissen nicht von dem Mund wegnehmen, lieber sollt ihr meine Gäste sein.“ Sie meinten er trieb seinen Spaß, aber er stellte sein hölzernes Tischlein mitten in die Stube und [184] sprach: „Tischchen deck dich!“ Da wars alsbald mit Speisen besetzt, die der Wirth gar nicht hätte herbeischaffen können und wovon der Geruch den Gästen gar lieblich[3] in die Nase stieg. „Ei, ists so gemeint, sprachen sie, so wollen wir zulangen, rückten heran, zogen ihre Messer und ließen sich’s wohlschmecken, denn wenn eine Schüssel abgenommen war, stellte sich eine andere von selbst an den leeren Platz. So waren sie mit dem Gesellen guter Dinge, der Wirth aber stand in einer Ecke und sah zu und wußte nicht was er davon denken sollte, sprach aber für sich: „so einen Koch könnte ich bei der Wirthschaft wohl brauchen.“ Als es spät ward, legten sich die Gäste nach einander schlafen, und der junge Gesell war auch zu Bett gegangen und hatte sein Wünschtischchen in eine Ecke gestellt. Um Mitternacht aber machte sich der Wirth auf, denn die Gedanken ließen ihm keine Ruhe, ging in seine Rumpelkammer, holte ein altes Tischchen, das gerade so aussah, wie das Tischchen deck dich, stellte das in die Ecke und vertauschte es mit dem guten. Am andern Morgen zahlte der Geselle das Schlafgeld, nahm sein Tischchen aus der Ecke mit, dachte gar nicht, daß er ein falsches hätte und ging seiner Wege. Zu Mittag kam er bei seinem Vater an, der freute sich von Herzen, als er ihn wiedersah und sprach: „nun mein Sohn, was hast du gelernt?“ „Vater, antwortete er, ich bin ein Schreiner geworden.“ „Was hast du von der Wanderschaft mitgebracht?“ sagte der Alte. „Vater, das beste, was ich mitgebracht habe, ist das Tischchen da.“ Der Schneider sah es an und sah, daß es ein altes, schlechtes Tischchen war, aber der Sohn sprach: „Vater, [185] es ist ein Tischchen deck dich; wenn ich das hinstelle und sag ihm es sollt sich decken, so stehen auch die schönsten Gerichte darauf und ein Wein dabei, der das Herz erfreut; ladet nur alle Verwandten ein, damit sie sich erquicken und erlaben können, denn das Tischchen macht sie alle satt.“ Als nun alle Verwandten beisammen waren, stellte der Geselle sein Tischchen mitten in die Stube und sprach: „Tischchen deck dich!“ aber es ließ sich nichts sehen und es blieb so leer, wie ein anderer Tisch auch, der die Sprache nicht versteht. Da sah der Sohn wohl, daß er ihm gestohlen war, schämte sich, daß er wie ein Lügner da stand, und die Verwandten gingen ungetrunken und ungegessen wieder heim. Der Vater aber mußte fort schneidern, und der Sohn bei einem Meister in die Arbeit gehen.

Der zweite Sohn war zu einem Müller gekommen und hatte bei ihm gelernt. Als er nun seine Jahre herum hatte, sprach der Müller: „weil du dich so wohl gehalten hast, so schenk ich dir einen Esel, der zieht aber nicht und trägt auch keine Säcke!“ „Wozu ist er dann nütze?“ frage der junge Geselle. „Der speit Gold“ antwortete der Müller, wenn du ihn auf ein Tuch stellst und sprichst: „Bricklebrit“ so speit dir das gute Thier Goldstücke aus, hinten und vorn.“ „Das ist eine schöne Sache“ sprach der Geselle, dankte seinem Meister und zog in die Welt. Wo er hinkam, war ihm das beste gut genug, und je theurer, je lieber, denn er konnts bezahlen. Als er sich nun ein wenig in der Welt umgesehen, dachte er, du mußt doch sehen, was dein Vater macht, mit dem Esel wird er dich gern aufnehmen. Nun [186] trug sichs zu, daß er in dasselbe Wirthshaus kam, wo sein Bruder auch gewesen war. Der Wirth wollt ihm seinen Esel abnehmen, aber er sprach: „nein, meinen Grauschimmel, den führ ich selbst in den Stall und bind ihn fest, denn ich muß wissen, wo er steht.“ Darauf fragte er den Wirth, was zu haben wäre und hieß ihn das beste auftischen.“ Der Wirth machte Augen und dachte: einer, der seinen Esel selbst anbindet, der hat auch nicht viel zu verzehren; als aber der Geselle in die Tasche griff und ihm zwei Goldstücke gab, um dafür einzukaufen, so lief er und suchte das beste, das er auftreiben konnte. Nach der Mahlzeit sprach der Geselle: „was bin ich dafür schuldig?“ „Noch ein paar Goldstücke“ antwortete der Wirth; der Gast griff in die Tasche, aber sein Geld war gerade zu Ende, da nahm er das Tischtuch und ging mit hinaus. Der Wirth wußte nicht, was das bedeuten sollte, schlich ihm nach und sah, wie er in den Stall ging und schaute durch ein Astloch in der Thüre. Da breitete der Gesell das Tuch unter den Esel und rief: „Bricklebrit!“ alsbald fing das Eselein an, Gold zu speien von hinten und vorn, daß es ordentlich auf das Tuch niederregnete. „Ei der tausend! sprach der Wirth, so ein Geldbeutel der ist nicht übel!“ Als der Geselle seine Zeche bezahlt hatte, legte er sich schlafen, der Wirth aber schlich in der Nacht herab, band einen andern Esel an die Stelle, und führte das Goldeselein in einen andern Stall. Morgens zog der Geselle fort, meinte, er hätte seinen Esel und hatte einen andern. Zu Mittag kam er bei seinem Vater an, der freute sich, als er ihn sah und sprach: „mein Sohn, was bist du geworden?“ [187] „Ein Müller, lieber Vater,“ antwortete er. „Nun was hast du von der Wanderschaft mitgebracht?“ „Vater, einen Esel.“ Sprach der Vater: „Esel giebts hier auch, wenns weiter nichts ist.“ „Ja, sprach der Sohn, es ist aber ein Goldeselein, sag ich zu ihm: Bricklebrit! so speit es Gold ein ganzes Tuch voll. Laßt nur alle Verwandte rufen, ich will sie reich machen.“ Da wurden alle Verwandte berufen und als sie beisammen waren, sprach der Müller: „macht ein wenig Platz“ und breitete das beste Tuch auf die Erde, das im Haus war, und dann ging er und zog seinen Esel herein und stellte ihn darauf. Als er nun rief: „Briklebrit!“ und meinte, die Goldstücke sollten in der Stube herumspringen, zeigte sichs, daß der Esel nichts davon verstand, denn nicht jeder Esel bringt es so weit. Da machte er ein lang Gesicht, und sah, daß er betrogen war, die Verwandten aber gingen so arm heim, als sie gekommen waren, und er mußte sich wieder bei einem Müller verdingen.

Der dritte Bruder war zu einem Drechsler in die Lehre gegangen und mußte am längsten lernen. Seine Brüder aber schrieben ihm, wie es ihnen ergangen wäre und wie sie der Wirth noch am letzten Abend um ihre schönen Wunsch-Dinge gebracht hätte. Als der Drechsler nun wandern wollte, sprach sein Meister zu ihm: „weil du dich so wohl gehalten, so schenk ich dir da einen Sack, darin liegt ein Knüppel.“ „Den Sack kann ich wohl umhängen, sprach der Geselle, aber was soll ich den Knüppel drin tragen.“ „Das will ich dir sagen, sprach der Meister, hat dir jemand ein Leid angethan, ruf nur: Knüppel aus dem Sack! so [188] springt dir der Knüppel heraus unter die Leute und tanzt ihnen so lustig auf dem Rücken herum, daß sie acht Tage darnach ruhen müssen und sich nicht regen können; und eher läßt er nicht ab, als bis du zu ihm sagst: „Knüppel in den Sack!“ Da dankte ihm der Geselle, hing den Sack um und wenn ihm jemand zu nahe kam und auf den Leib wollte, so sprach er: „Knüppel aus dem Sack!“ da sprang der Knüppel aus dem Sack, und klopfte einem nach dem andern den Rock oder Wams auf dem Rücken aus und wartete gar nicht, bis er ihn erst auszog und das ging so geschwind, daß, eh sichs einer versah, die Reihe schon an ihm war. Nun kam der Drechsler auch eines Abends in das Wirthshaus, wo seine Brüder bestohlen waren. Er legte seinen Ranzen vor sich auf den Tisch, und erzählte von köstlichen Dingen, die auf der Welt manchmal gefunden würden, als ein Tischchen deck dich, einen Goldesel, das wär aber noch alles nichts gegen den Schatz, den er erlangt habe und da in seinem Sack mit sich führe. Der Wirth spitzte die Ohren und dachte: was mag das seyn? aller guten Dinge sind drei, das sollte ich billig auch noch haben. Der Gast strekte sich darnach auf die Bank und legte den Sack als Kissen unter den Kopf. Als der Wirth nun meinte, er schlief fest und sonst niemand in der Stube war, ging er herbei und fing an, den Sack vorsichtig zu rücken und daran zu ziehen, ob er ihn vielleicht hervor langen und einen andern unterlegen könnte. Der Drechsler aber hatte schon lange auf ihn gewartet, wie nun der Wirth eben einen herzhaften Ruck thun wollte, rief jener: „Knüppel aus dem Sack!“ alsbald fuhr das Knüppelchen heraus, [189] dem Wirth auf den Leib und rieb ihm die Näthe, daß es eine Art hatte. Der Wirth fing an, jämmerlich zu schreien und je lauter er schrie, desto besser schlug es ihm den Takt dazu auf dem Rücken, bis er endlich zur Erde fiel. Sprach der Drechsler: „willst du jetzt das Tischchen deck dich und den Goldesel wieder heraus geben? oder der Tanz geht von neuem an.“ „Ach nein, sprach der Wirth, ich geb alles gern heraus, laßt nur den kleinen Teufel wieder in den Sack kriechen.“ Sprach der Geselle: „diesmal solls geschehen, aber hüt dich vor Schaden!“ dann sprach er: „Knüppel in den Sack!“ und ließ ihn ruhen.

Nun zog der Drechsler am andern Morgen mit dem Tischchen deck dich und dem Goldesel heim zu seinem Vater. Der freute sich, als er ihn sah und sprach: „nun, was hast du gelernt?“ „Vater, ich bin ein Drechsler geworden.“ „Ein schönes Handwerk; was hast du aber von der Wanderschaft mitgebracht?“ „Vater, einen Knüppel in dem Sack.“ „Ein Knüppel, das ist was rechtes!“ „Ja, aber sag ich: Knüppel aus dem Sack! so springt er heraus und tanzt mit dem, der mir nicht gut ist, und damit hab ich das Tischchen deck dich und den Goldesel wieder gewonnen. Laßt nur meine Brüder und alle Verwandten kommen, ich will sie reich machen und speisen und tränken.“ Als sie nun alle beisammen waren, deckte er ein Tuch auf, holte den Esel und sprach: „lieber Bruder, nun sprich mit ihm.“ Da rief der Müller: „Briklebrit!“ Ei! da sprangen die Goldstücke, daß es klang und hörten nicht eher auf, als bis die Leute alle ihre Taschen angefüllt hatten. Dann holte der Drechsler das Tischchen und [190] sprach: lieber Bruder, nun sprich zu ihm.“ Da rief der Schreiner: „Tischchen deck dich!“ alsbald war es gedeckt und vollauf besetzt, nun wurden die Verwandten gespeist und getränkt und gingen vergnügt nach Haus. Der Schneider aber mit seinen drei Söhnen lebte von nun an in Glück und Freude.

Wo ist aber die Ziege hingekommen, die Schuld war, daß die drei Schneiders-Söhne fortgejagt worden? die lief in eine Fuchshöhle; als nun der Fuchs heim kam und in sein Haus schaute, da funkelten ihm aus der Dunkelheit ein paar große Augen entgegen, er erschrak und lief wieder zurück. Der Bär begegnete ihm, und sah, daß der Fuchs ganz verstört war. Da sprach er: „Bruder Fuchs, was machst du für ein Gesicht?“ „Ach, antwortete der rothe, ein grimmig Thier sitzt in meiner Höhle und hat mich mit feurigen Augen angeglotzt!“ „Das will ich dir schon heraustreiben,“ sprach der Bär, ging mit ihm zur Höhle und schaute hinein, als er aber die feurigen Augen sah, kam die Furcht auch über ihn, daß er gleichfalls auszog und vor dem Feind nicht Stich halten wollte. Es begegnete ihm aber die Biene, die merkte, daß er nicht ganz in seiner Lustigkeit war und sprach: „Bär, was machst du ein verdrießlich Gesicht?“ „Ja, es sitzt dir auch ein grimmig Thier mit ein paar Glotzaugen in des rothen Bruders Haus, das hinauszujagen sind wir zu schwach.“ Die Biene sprach: „ich bin ein armes, schwaches Ding, das ihr nicht im Wege anseht, aber ich will doch sehen, ob ich euch helfen kann.“ Darauf flog sie zu der Fuchshöhle, setzte sich der Ziege auf den glatten, geschorenen Kopf und [191] stach sie so gewaltig, daß sie aufsprang, meh! meh! schrieh, und wie toll in die Welt hinein lief, und weiß niemand auf diese Stunde, wo sie hingelaufen ist.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: versehen (Druckfehler. Siehe S. 440)
  2. Vorlage: Lügenbart (Druckfehler. Siehe S. 440)
  3. Vorlage: niedlich (Druckfehler. Siehe S. 440)