Tragödien und Komödien des Aberglaubens/Klopfgeister

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Textdaten
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Autor: Rudolf Kleinpaul
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Titel: Klopfgeister
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aus: Die Gartenlaube, Heft 52, S. 872–875
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1897
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Tragödien und Komödien des Aberglaubens.
Klopfgeister.
Zum fünfjährigen Jubiläum des Tischrückens und des Geisterklopfens. Von Rudolf Kleinpaul.

Ein junger Schiffsarzt, der kürzlich von einer Reise nach Kamerun zurückkam, erzählte unter anderem auch von dem merkwürdige Fernsprechverkehr, in dem die dortigen Neger seit alten Zeiten stehen. An jedem Orte befindet sich eine Art Trommel, die aus einem hohlen Baumstamme gefertigt ist. Auf dieser Trommel wird mit zwei Stöcken förmlich gesprochen. Man hört die Schläge eine halbe Stunde weit, und so kann in kurzer Frist durchs ganze Land getrommelt und eine wichtige Nachricht weitergegeben werden. Die Könige erhalten dadurch ihre Meldungen und erteilen ihre Befehle auf weite Entfernungen. Die jungen Dualla lernen die Trommelsprache, wie die deutschen Kinder Englisch und Französisch, und zwar mit ebensoviel Mühe, denn sie ist keineswegs leicht. Diese geheimnisvolle Verständigung, von der man sich gelegentlich auf den Völkerwiesen in den Zoologischen Gärten überzeugen kann, existiert bei vielen Negerstämmen. In der Nähe haben sie noch andere Zeichen, die sie sich dadurch geben, daß sie sich auf die aufgeblasenen Backen klopfen.

Wir klopfen an die Thüre. Was ist da weiter zu verwundern? – Die Kameruner haben nur eine Sprache ohne Worte ausgebildet, die am Ende auch andere Leute besitzen und tagtäglich neben der gewöhnlichen anwenden. Es sind Lärmzeichen oder akustische Signale, wie sie im Militärdienst ebenfalls sehr häufig mit der Trommel, der Trompete und dem Horn gegeben werden; auf dem Turme bedient man sich der Glocke, im Hause der Klingel, im Hotel des Tamtams, an der Thüre eines eisernen Ringes oder Hammers – im gewöhnlichen Leben behilft man sich oft auch ohne Instrumente, man pfeift nur oder klatscht oder pocht mit dem Finger an. Auch glaube man nicht, daß wir diese einfachen Zeichen nicht ebenfalls entwickelt und zu einer mehr oder minder vollkommenen Sprache ausgebildet hätten.

Verweilen wir einmal bei einer so elementaren Kundgebung, wie das Anklopfen eine ist. Es kann sehr wohl bekannt sein wie einer klopft, es kann sehr wohl ausgemacht werden, wie einer klopfen soll. Weltberühmt ist das Wort Beethovens, mit dem er den ersten Satz der c-moll-Symphonie selbst charakterisiert hat: So klopft das Schicksal an die Pforte. Gemeint sind die vier Noten, welche kurz und bündig wie Hammerschläge in das Leben hereinhallen:

Das Motiv soll dem Komponisten eine Goldammer im Walde zugetragen haben, das klingt höchst unwahrscheinlich. Das Motiv konnte Beethoven vielmehr an jedem Thor hören, wenn er wollte. In Wien haben noch einzelne alte Paläste ihre eisernen Thürklopfer, in Rom und in London sieht man einen „Knocker“ an jedem Hause. In Rom klopft man soviel mal an die Hausthüre, als die Familie, die man sucht, Stock hoch wohnt; in London sind die Schläge in Häusern, die nur von einer Familie bewohnt werden, genau geregelt, so daß man den Stand des Besuchers daran erkennt. Ein Hausierer, ein Diener hat nur einmal zu klopfen. Ein Gentleman klopft zweimal, er macht den herkömmlichen Double-Knock, das heißt, zwei kräftige Schläge, zwischen die mehrere kurze Noten wie ein Tremolo eingeschoben werden.

Wenn man einen Besuch machen will und diese zarte Andeutung unterläßt, so kann es vorkommen, daß man warten muß. Der Bäcker klopft dreimal. Der Briefträger bringt, sobald er die Post in den Kasten geworfen hat, einen Jambus, das heißt, einen Versfuß hervor, der aus einer kurzen und einer langen Silbe besteht, also etwa so: (Viertelnote – halbe Note) Dieser postalische Klopf, den auch der Telegraphenbote braucht, ist unter der Bezeichnung the Postman’s Knock bekannt und beliebt. Das Klopfen begünstigt eine solche Geheimsprache noch mehr als das Klingeln, obgleich auch die elektrische Klingel zu eingehenden Mitteilungen verwendet werden kann und wird.

Auch im Aberglauben spielt das Klopfen eine wichtige Rolle. Zu den verschiedensten Zeiten und bei den verschiedensten Völkern glaubte man, daß die Geister, wenn sie sich mit den Menschen auf Erden verständigen wollen, vorzugsweise dieses Mittel wählen. Auch die Geister sollen ja klopfen und uns damit von ihrer Anwesenheit wie ein Fremdling, der draußen steht, unterrichten.

„Wenn man einen Verstorbenen, der jetzt im Geistereiche weilt,“ sagt der amerikanische Spiritist Davis, „inbrünstig anruft und befragt, so erhält man eine Antwort, die geklopft wird. Durch eine willkürliche Entladung magnetischer Ströme sind die Geister imstande, ein Klopfen hervorzubringen. Das Klopfen erfolgt wie beim Telegraphen nach den Buchstaben des Alphabets.

Die Leute, die mit den Geistern verkehren und die Klopfsprache verstehen, nennt man in Amerika Spirit-rappers, wörtlich Geister-klopfer (to rap, klopfen). Wir drehen die Sache herum und reden rationeller von Klopfgeistern , wie wir von Poltergeistern reden.

„Geklopft“ hat es, wenn man den Gelehrten glauben will, schon im grauen Altertum. Aber verstanden worden ist die wunderbare Sprache erst vor fünfzig Jahren in Nordamerika, daher wir in der Zeit der Denkmäler und der Jubiläen willig das Jubiläum des Geisterklopfens feiern!

In dem Dorfe Hydesville in der Grafschaft Monroe wohnte ein gewisser Michael Weckman. Er hatte sich eben spät abends nach harter Arbeit zur Ruhe gelegt und gedachte gerade einen langen Schlaf zu thun, als er plötzlich wieder aufwachte. Es hatte geklopft. War jemand da? – Keine Menschenseele. Er ging also wieder zu Bett. Da klopfte es abermals und stärker. Wieder sah er hinaus, und wieder fand er niemand, auf der Straße war alles still. Und immer klopfte es wieder. Nun achtete der Mann nicht mehr darauf. Das ging eine Zeit lang so fort, er wurde das Gepoche nachgerade gewohnt und hörte es gar nicht mehr, doch wurde ihm die Sache am Ende unbequem. Und da auch sein Töchterchen einmal des Nachts entsetzlich zu schreien anfing, weil ihm eine kalte Hand übers Gesicht gefahren war, so kündigte Michael Weckman das Logis und zog aus.

Achtzehn Monate lang stand das Haus leer; dann wurde es an eine deutsche Familie, die Familie Fox vermietet, die es im Dezember 1847 bezog. Es waren Methodisten, Vater, Mutter und drei Töchter, der Mann hieß eigentlich Voß, er hatte sich aber verengländert und nannte sich Fox, was immer noch nicht so schlimm war, als wenn sich Herr Vogel in Amerika 'Bird' Herr Bernstein 'Amber' und Herr Feuerstein 'Flint' nannte, denn Fox ist ganz derselbe Name wie Voß, beides nur eine andere Form von Fuchs. Mit Fuchses ging nun das Klopfen eigentlich erst recht los, aber sie wußten es besser zu nehmen. Sie zeigten sich für etwas Höheres empfänglich. Es war im März des Jahres 1848, wiederum spät abends, die Eltern wollten sich eben zu Bett begeben, die Mädchen lagen schon drin, da klopfte es von neuem. Die drei „Grazien“ wurden aufmerksam, sie schnipsten mit den Fingern. Sieh da! es schnipste wieder. Sie fingen an, in die Hände zu klatschen und Eins, Zwei, Drei zu zählen – der Teufel zählte mit.

Nun fand die Frau Mutter für gut, von der Sache Notiz zu nehmen. „Zähle einmal bis Zehn, du lieber Geist!“ sagte Mrs. Fox zu dem unsichtbaren Dinge. Es klopfte zehnmal. „He, weißt du auch, wie alt meine Tochter Kitty ist?“ – Dreiundzwanzig Klopfer. Es stimmte aufs Haar. „Und Fanny, wie alt ist die?“ – Einundzwanzig Klopfer. „Cecilia?“ – Neunzehn Klöpflien, dazu noch ein Ansatz, als ob das Ding hätte sagen wollen, daß morgen der Geburtstag der Jüngsten sei. Das ging doch ins Aschgraue!

„Aber, wer in alter Welt bist du denn eigentlich? Nennt man dich ein menschliches Wesen?“ – Keine Antwort. „So bist du wohl ein Geist? Ist es an dem, so klopfe vernehmlich zweimal!“ – Und es klopfte wirklich zweimal

[874] Durch vieles Hin- und Herfragen brachte Frau Fuchs nun auch noch den Namen des Klopfgeistes heraus. Es war Charles Ryan, der Hausierer, den ein Schneidergeselle vor ein paar Jahren ermordet hatte und der damals eine Frau und fünf Kinder hinterließ; die Frau war ihm inzwischen in die Ewigkeit nachgefolgt. Die Fuchs vergewisserte sich nun noch, ob sie die Nachbarn holen dürfe, damit diese mit dem interessanten Fremdling auch Bekanntschaft machten. Der Geist hatte nichts dagegen. Der nächste Morgen sah nun ganz Hydesville um das Haus der Familie Fox versammelt, wo der Verkehr mit dem Jenseits eröffnet war. Auch andere Verstorbene fanden sich ein und beantworteten klopfend die vorgelegten Fragen, die merkwürdigsten Enthüllungen wurden gemacht, man seufzte und betete, doch gelang das Orakel nicht immer – natürlich, die Sache war noch zu neu.

Darüber zog nun die Familie Fox nach der Hauptstadt der Grafschaft Monroe, nach der Stadt Rochester, aber nicht ohne die befreundeten Geister mitzunehmen, welche sich vielmehr an ihre Fersen hefteten und im Möbelwagen folgten. Auch in der neuen Wohnung klopfte es aus den vier Wänden, aus dem Fußboden, von der Decke, kein Mensch wußte, wie das zuging, man konnte fragen was man wollte, ja, man konnte die Frage nur in Gedanken stellen, so erhielt man eine Antwort, und die Antwort traf, wenn sie sich kontrollieren ließ, regelmäßig den Nagel auf den Kopf. Rochester stand vor einem Wunder, einem unergründlichen Geheimnis; die besten Familien steckten die Köpfe zusammen, ein Komitee wurde ernannt, die Sache zu untersuchen, den Klopflauten auf die Spur zu kommen und das Rätsel zu lösen. Alles vergebens. Die drei Grazien mußten mit bloßen Füßen, an Armen und Beinen gefesselt, auf ein weiches Kissen treten, so daß an Bewegungen irgend welcher Art, geschweige denn an ein Pochen, gar nicht zu denken war; dennoch ging das Unwesen weiter wie eine Klappermühle. Das Klappern hörte man, aber die Mühle, die Mühle, wo steckte sie? – Das Komitee mußte gestehen, es könne den Vorgang nicht begreifen, aber ein Betrug sei ausgeschlossen. Mit den Zehen habe gewiß niemand geklopft. Das Gutachten wurde zu Protokoll genommen und in New York durch eine Flugschrift bekannt gemacht.

Inzwischen trat der spiritistische Fernsprechverkehr in eine neue Phase. Man stand bei Fuchsens um einen runden Tisch herum dieser klopfte jetzt. Wenn die rechten Personen die Hände darauf legten, durch Berührung der kleinen Finger eine Kette bildeten und in die andere Welt hinüber fragte, so hob der Tisch aus, kippte nach hinten und tippte dann wieder mit dem Fuße auf den Boden. Einmal, zweimal, dreimal tippte er, das war das Table-tipping, wie es hieß. Indem der Tisch am Ende ein eigenes Leben bekam und drehend wurde wie ein Schaf und vorwärts raste wie ein Besessener, schloß sich daran das magische Tischrücken oder das Table-turning. Was bedeutete das? – Offenbar eine andere Art zu sprechen, ein Sprachorgan, dessen sich die Seelen der Verstorbenen jetzt greifbar und sichtbarlich bedientem sie wohnten in dem Tische wie Gottheiten in einem Fetisch, waren in ihn wie Dämonen hineingefahren und regierten ihn wie ein Werkzeug. Zugleich kam der Möbeltischler Isaak Port, der den Tisch geliefert hatte, stolz auf sein Fabrikat, auf den Gedanken, dem Tische das Alphabet herzusagen und ihm ein besseres Ausdrucksmittel an die Hand zu geben. Jedesmal wenn der richtige Buchstabe drankomme, sollte der Tisch so gut sein und ein Zeichen geben und klopfen – auf diese Weise konnte er mittelbar in menschlicher Sprache reden und ganze Worte und Sätze zusammenklopfen. Das ging, welch eine herrliche Entdeckung! Damit war die Umwandlung der Klopfsprache in das Englische vollzogen! – Nur ging es, weil jedesmal das ganze Alphabet von neuem hergesagt und dann der richtige Laut ausgewählt werden mußte, ziemlich langsam.

Eine Erleichterung des etwas schwerfälligen Verfahrens und eine wahrhaft epochemachende Neuerung verdankten die „Füchse“ einem Hasen, nämlich dem Herrn Doktor Hase oder (englisch) Hare, der ihnen den Psychographen oder das Spiritoskop erfand. Das war eine Erfindung, wie die der Taschenuhren. Hare, ein Mathematiker, konstruierte eine Art Zifferblatt, auf dem die Buchstaben des Alphabets und die Ziffern von Eins bis Zehn im Halbkreise angegeben waren, im Mittelpunkte brachte er eine Welle an, die einen Zeiger trug. Nun mußte jemand da sein, der mit Geistern umzugehen verstand und Glauben hatte. Legte dieser seinen Finger auf die Stelle, so drehte sich der Zeiger und wies auf einen Buchstabe nach dem anderen hin, so daß man das Orakel nun im Nu zusammenstellen konnte wie der Telegraphenbeamte das Telegramm. Es handelte sich nur noch darum, aufzupassen und genau abzulesen, was die Geister, die in dem Finger des Sekretärs wirksam waren, gleichsam andeutungsweise schrieben; denn direkt schrieben sie noch nicht. Der Tisch war ganz beseligt.

Am Ende ließ sich aber auch noch der Psychograph beseitigen. Der Geist konnte auch gleich die Hand des Sekretärs selber nehmen und wie einen Federhalter gebrauchen, indem er die Feder oder den Bleistift anfaßte und schrieb. Das ward anfänglich so gemacht: man steckte an ein Tischchen, an die sogenannte Planchette, einen Bleistift, einer der Anwesenden mußte die Hand auf das Tischchen legen, und nun wartete man, bis die Person in die Verzückung, in den sogenannten Transitus, englisch: Trance, verfiel. Trat dieser der Hypnose ähnliche Zustand ein, so stand der Kundgebung der Geister nichts mehr entgegen; der Apparat setzte sich in Bewegung, der Bleistift begann zu schreiben, magische Figuren und Chiffren zu entwerfen, der Geist stand gleichsam wie ein Schreiblehrer hinter dem Medium und führte ihm die Hand, vermittelst der Hand das Tischchen und vermittelst des Tischchens den Bleistift. Allmählich ward dann das Tischchen ausgeschaltet und die Geister schrieben nur noch mit der Hand des Mediums, wie sie vorher geklopft hatten mit den Medien. Der letzte Fortschritt war, daß die Geister auch noch das Medium ausschalteten und höchst eigenhändig schrieben und zeichneten.

Direkte Geisterschriften erschienen zur Zeit der spiritistischen Bewegung in den Vereinigten Staaten auch in Stratford, im Hause des Dr. Phelps, wo außerdem die Messer und die Gabeln, die Tische und die Stühle wie Federn herumzufliegen pflegten, indem seine beiden Kinder berühmte Medien waren. Zu Guadalupe in der südamerikanischen Republik Uruguay erschien eine spannende, auf dem Psychographen hergestellte Novelle mit dem Titel Hannchen (Juanita). Sie war von einem Stuhl verfaßt, also einem Medium von oben her eingegeben worden. In den Vereinigten Staaten allein gab es damals an dreißigtausend Medien.

Solche Personen, deren sich die Geister zu ihren Aeußerungen bedienen, nennt man nämlich Medien, daher auch der Spiritismus in dem gelehrten Deutschland vielfach Mediumismus heißt. Ein Medium, ein gut arbeitendes Medium, ein Schreibmedium, ein Klopfmedium braucht man zur Vermittelung der spiritistischen Phänomene, nur so erstehen die mediumistischen Manifestationen neu. Der Begriff ist ebenfalls von Amerika ausgegangen, aber nachgerade üppig ins Kraut geschossen. Das Medium ist das wunderbare, sensitive Wesen, das den Verkehr mit dem Jenseits einleitet und die Geister zum Sprechen bringt. Die Fräulein Fox waren Medien gewesen, und so oft sich seitdem ein junges Ding empfänglich zeigte und als ein überirdisches, unfaßbares, luftförmiges Geschöpf entpuppte, erteilte man ihm den pompösen lateinischen Titel eines Mediums. Bekanntlich bedarf es im städtischen Telephonverkehr eines Vermittelungsamtes, mitdem die einzelnen Teilnehmer zunächst verbunden sind und in dem dann die Leitungen untereinander verbunden werden. Das Vermittelungsamt muß man anrufen, wenn man mit jemand sprechen will, das Vermittelungsamt trennt die beiden Leitungen wieder, wenn das Gespräch beendigt ist. So sollten nun auch die beiden Welten, die Lebendigen und die Toten, miteinander nur verkehren können, wenn zwischen beide ein Medium eingeschaltet ist; es stellt die Verbindung her, in ihm laufen die Drähte der Ober- und der Unterwelt zusammen, es reicht wie ein Riese mit der einen Hand in die Kette der Anwesenden mit der andern in den Ring der Unsterblichen und läßt für einen Augenblick das Jenseits hinein ins Diesseits ragen, bis es, zu guter letzt, die Leitungen wieder trennt! Man sieht in der Sache, wenn sie auch Wahnsinn hat, steckt doch Methode.

Die Unterhaltung mit den Geistern beruht auf Selbsttäuschung, die sich mitunter bis zum Irrsinn steigern kann. Und wie viel auch die Geister geklopft und geschrieben haben mögen, die ewigen Rätsel des Jenseits sind durch diese Mitteilungen für den Unbefangenen nicht im geringsten gelöst worden.