Ueber das Licht. Von Robert Delaunay

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Textdaten
Autor: Robert Delaunay
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Titel: Ueber das Licht
Untertitel: Von Robert Delaunay
aus: Der Sturm, Wochenschrift für Kultur und die Künste, 3. Jahr, Nr. 144/145 (Januar 1913): Sp. 255–256 (Berlin).
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Erscheinungsdatum: 1913
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Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer: Paul Klee
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Quelle: de Gruyter: Der literarische Expressionismus Online. Kopie auf Commons
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[255] Ueber das Licht

Von Robert Delaunay

Im Verlauf des Impressionismus wurde in der Malerei das Licht entdeckt, das aus der Tiefe der Empfindung erfaßte Licht als Farben-Organismus aus komplementären Werten, aus zum Paar sich ergänzenden Maßen, aus Kontrasten auf mehreren Seiten zugleich. Man gelangte so über das zufällig Naheliegende hinaus zu einer universalen Wirklichkeit von größter Tiefenwirkung (nous voyons jusqu’ aux étoiles). Das Auge vermittelt nun als unser bevorzugter Sinn zwischen dem Gehirn und der durch das Gleichzeitigkeitsverhältnis von Teilung und Vereinigung charakterisierten Vitalität der Welt. Dabei müssen sich Auffassungskraft und [256] Wahrnehmung vereinigen. Man muß sehen wollen.

     *     *     *

Mit dem Gehörsinn allein wären wir zu keinem so vollkommenen und universalen Wissen vorgedrungen, und ohne die Wahrnehmungsmöglichkeiten des Gesichtssinnes wären wir bei einer Successiv-Bewegung stehen geblieben, sozusagen beim Takt der Uhr. Bei der Parität des Gegenstandes wären wir verblieben, beim proizierten Gegenstand ohne Tiefe.

In diesem Gegenstand lebt eine sehr beengte Bewegung, eine simple Folge von Stärkegraden. Im besten Fall, kann man, bildlich gesprochen, zu einer Reihe aneinandergehängten Wagen gelangen.

Architektur und Plastik müssen sich damit begnügen.

Auch die gewaltigsten Gegenstände der Erde kommen über diesen Mangel nicht hinweg, und wäre es auch der Eifelturm oder der Schienenstrang als Sinnbilder größter Höhe und Länge, wären es die Weltstädte als Sinnbilder größter Flächenausdehnung.

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Solange die Kunst vom Gegenstand nicht loskommt, bleibt sie Beschreibung, Litteratur, erniedrigt sie sich in der Verwendung mangelhafter Ausdrucksmittel, verdammt sie sich zur Sklaverei der Imitation. Und dies gilt auch dann, wenn sie, die Lichterscheinung eines Gegenstandes, oder die Lichtverhältnisse bei mehreren Gegenständen betont, ohne daß das Licht sich dabei zur darstellerischen Selbständigkeit erhebt.

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Die Natur ist von einer in ihrer Vielfältigkeit nicht zu beengenden Rythmik durchdrungen. Die Kunst ahme[1] ihr hierin nach, um sich zu gleicher Erhabenheit zu klären, sich zu Gesichten vielfachen Zusammenklangs zu erheben, eines Zusammenklangs von Farben, die sich teilen, und in gleicher Aktion wieder zum Ganzen zusammenschließen. Diese synchromische Aktion ist als eigentlicher und einziger Vorwurf (sujet) der Malerei zu betrachten.


Für die Uebersetzung verantwortlich
Paul Klee

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: ahne