Um Paris herum. II.

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Textdaten
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Autor: Friedrich Gerstäcker
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Titel: Um Paris herum. II.
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 8, S. 136-139
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1871
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Um Paris herum. I.
Um Paris herum. III. Auf dem Mont Valerien
Um Paris herum. IV. Die Brücke von Sèvres
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[136]
Um Paris herum.
Von Friedrich Gerstäcker.
II.

Wie oft haben wir jetzt auf der Karte mit mißtrauischen Blicken die Forts St. Denis und Mont Valerien betrachtet, und dabei ziemlich sicher herausgefühlt, daß das wohl die beiden schwierigsten Aufgaben sein würden, diese größten Schutzwehren der Hauptstadt im Norden und Westen zu bewältigen, um dem übermüthigen Paris auch von diesen Seiten beizukommen. Das Alles liegt jetzt wie ein Traum hinter uns. Paris hat capitulirt, unsere Kanonen drohen von den Wällen ihrer eigenen Forts auf die gedemüthigte Stadt nieder, und frohe Friedenshoffnung kehrt in die Herzen Derer zurück die sich noch vor Kurzem als grimme Feinde gegenüberstanden.

Ich selber war gerade, und zwar am 26. Januar, in Margency, im Hauptquartier des Kronprinzen von Sachsen eingetroffen, und von Seiner königlichen Hoheit so gütig wie herzlich aufgenommen worden. Schon am Abend aber traf die Nachricht dort ein, daß, bis auf weitere Ordre, mit schwerem Geschütz nicht mehr geschossen werden solle, und es war da keinem Zweifel unterworfen, daß Friedensunterhandlungen im Werke sein müssen. Ohne diese Aussicht hätte Graf Bismarck sicher in keinen Waffenstillstand gewilligt. Die Bestätigung ließ auch nicht lange auf sich warten.

Am Achtundzwanzigsten Abends brachte ein Reiter, von den Vorposten aus, den „Petit Moniteur“ von Paris, und zwar schon die Nummer vom Neunundzwanzigsten, die gegen eine Hammelkeule eingetauscht worden, und sie enthielt – für die Pariser allerdings noch ein wenig verzuckert, die ersten Bedingungen der Capitulation mit der Hauptsache, daß sämmtliche Forts von unseren Truppen besetzt werden sollten.

Auf den nächsten Morgen zehn Uhr war die Uebergabe bestimmt, oder sollte wenigstens dahin aufgebrochen werden, und der kleine Zug, der Kronprinz mit seinem ganzen Stab und einer kleinen Escorte oder Ehrenwache von Garde du Corps, setzte sich, nicht eben in großer Eile, in Bewegung, denn derartige Sachen sind nun einmal in diesem Kriege nicht über’s Knie zu brechen. Der Unfall von Laon hat unsere Armee vorsichtig gemacht, und man fängt an, das Ehrenwort der französischen Officiere nicht mehr als genügende Garantie zu betrachten.

In einem kleinen Orte La Barre wurde Halt gemacht, dort fanden wir schon Infanterie und besonders Pionniere vor, und diese mußten jetzt vorausgehen, um die Festung selber genau zu untersuchen, die Minenräume aufzufinden und, soweit das in der kurzen Zeit überhaupt möglich war, sicher zu stellen, daß keine Hinterlist beabsichtigt werde.

Einer[WS 1] der für die Uebergabe zurückgelassenen Officiere, der herüberkam, bat, beiläufig gesagt, auch darum, daß man nicht mit „klingendem Spiel“ nach St. Denis „einziehen möge“, was ihm aber freilich rund abgeschlagen wurde. Die Pariser Herren haben es wahrlich nicht verdient, daß man die geringste Rücksicht auf ihre „Gefühle“ nimmt. Die Folge davon wäre gewesen, daß sie in die Welt hinausposaunt, die „Prussiens“ hätten selber nicht einmal an ihren Erfolg geglaubt und sich nur scheu in die Festung hineingeschlichen.

Während der Zeit, welche die Pionniere und verschiedene Ingenieure gebrauchten, die jetzt offene Festung zu untersuchen, schlenderte ich in dem kleinen Orte umher – aber es war ein trauriger Anblick, immer nur wieder und wieder diese von ihren Bewohnern verlassenen und dann zum großen Theil verwüsteten Ortschaften anzuschauen.

La Barre schien in der Zeit der Beschießung, als zu dicht unter den Kanonen der Forts gelegen, von keinem Theile, weder von Franzosen noch Deutschen besetzt gewesen, und deshalb vollständig ausgeräumt zu sein. Ich selber habe wenigstens, mit Ausnahme einiger Häuser, noch bisher keinen Platz so leer gefunden, als diesen kleinen Ort, welcher Gebäude aufwies, in denen sich weder Tisch, noch Stuhl, noch Bett, ja nicht einmal mehr Fenster und Thüren befanden, weil man eben Alles zu Feuerung verwandt hatte.

Nur in der letzten Zeit, als unsere Batterien und Vorposten von allen Seiten näher vorgeschoben und befestigt wurden, sind die deutschen Truppen hier eingerückt, und die Soldaten haben, gewissermaßen als ein Zeichen ihres Geschmacks, eine Gruppe von Figuren mitten auf dem dreieckigen Marktplatz aufgestellt, die wirklich Nichts zu wünschen übrig läßt. Den Mittelpunkt davon bildet ein Geschützstück eigener Art: die hintere Achse eines Wagens mit den beiden hohen Rädern, und über diese hin ein langes starkes Ofenrohr gelegt, so daß man es aus der Ferne recht gut dür einen Vierundzwanzigpfünder halten konnte. Dieser Achse zur Seite stand Eugenie selber – eine gar nicht unschöne Gypsbüste, aber als ganze Figur ausstaffirt und sehr anständig bekleidet. Das vorn sichtbare Hemd, das sie trug, war D. D. gezeichnet, nur die Crinoline etwas zu groß und der Ueberwurf defect. Sie hielt das Gestell eines Regenschirms im Arm, und außer einem großen Korbe mit leeren Flaschen und einem mit ähnlichen Dingen hochauf bedeckten Kinderwagen deutete auch eine Inschrift an, daß sie hier ein Marketendergeschäft besorge.

Der Kinderwagen war übrigens der allgemeinen Zerstörung, die ihn sonst ebenfalls mit ereilt hätte, durch den Scherz entgangen. Jetzt stand er dort unantastbar, und der glückliche Besitzer kann ihn, wenn die geflohenen Bewohner ihre verödete Heimath wieder aufsuchen, ungeschädigt in Besitz nehmen. Die Phantasie der Soldaten war aber damit noch nicht erschöpft gewesen, und zahlreiche Exemplare ähnlicher Individuen, von denen noch ausgestopfte Hosen als Beine und ebensolche Jacken herumlagen, gaben davon Zeugniß. Die letzten Regen schienen freilich der [137] Ausstellung geschadet zu haben, und sie befand sich gegenwärtig in einem etwas aufgelösten Zustand.

Um St. Denis zu besetzen, waren sechs Bataillone Infanterie bestimmt und mehrere Feldbatterien rasselten jetzt die Straße hinab – nur als Sicherheitsmaßregel, um, wenn die Besatzung vielleicht noch Schwierigkeiten machen sollte, den gehörigen Nachdruck geben zu können.

Auf dem Platz stand noch ein Theil unserer Truppen, um den Befehl zum Abmarsch zu erwarten, als eine Anzahl Bauern in blauen Blousen – auch ein paar Frauen zwischen ihnen, hierher nach La Barre kamen, um – ihre Häuser wieder aufzusuchen. Und wie wurden die armen Teufel von den Soldaten noch ausgelacht, als sie bestürzt vor ihren leeren, im Inneren wenigstens vollständig verwüsteten Wohnungen stehen blieben! Allerlei schlechte Witze wurden gemacht – „Steht es noch? – na, Ihr könnt froh sein – und hübsch eingerichtet haben wir’s auch und das Holzwerk sauber ausgeräumt.“

Die Leute antworteten nicht – „c’est la guerre.“ seufzte der Eine und dann schritten sie schweigend die Straße hinunter – und die Frau weinte.

Alle diese Menschen leugnen jetzt freilich, daß sie den Krieg gewollt, sie erklären in dem „Ja“ des Plebiscit nur den Frieden verstanden zu haben, den ihnen der Kaiser versprochen, und bei Vielen mag es auch in der That der Fall gewesen sein. Im großen Ganzen hat aber doch das Volk dem Krieg gegen „Preußen“ zugejubelt, weil Keiner von ihnen auch nur an eine einzige Niederlage dachte und es ebenso wenig für möglich hielt, daß der Kriegsschauplatz nicht nach Deutschland geschoben, sondern in Frankreich selber seinen blutigen Boden finden sollte. Jetzt sind sie Alle niedlich gesinnt gewesen und das „à nous le Rhin“ will Keiner mitgerufen haben.

Um zwei Uhr endlich rückten wir von La Barre aus, um nach St. Denis einzuziehen. Es war noch keine Antwort zurückgekommen, daß sich Alles in Sicherheit befinde, aber der Kronprinz wollte auch nicht länger warten, denn der Abend brach sonst herein, ohne daß wir unseren abgegebenen Zweck erreicht hätten.

Das Ende von La Barre fanden wir, nach St. Denis zu, noch vollständig verbarricadirt und nur ein schmaler Raum war geöffnet worden, um eben die Geschütze durchzulassen. Der Humor der Soldaten war auch hier, wie an den meisten solchen Plätzen, thätig gewesen, denn oben auf den Barricaden und Brustwehren lagen nicht allein Ofenrohre als anscheinende Geschütze, sondern auch thönerne Drainirungsröhren hatten dem Zweck dienen müssen und gaben dann vielleicht den Plätzen von Weitem ein sehr gefährliches Aussehen.

Und dort lag St. Denis – gerade auf das kleine Außenfort Le Vert Galant hielten wir zu, ließen dieses aber, das wir schon von unseren Pionnieren besetzt fanden, rechts liegen und näherten uns dem eigentlichen Thor der Festung selber.

Der Leser darf sich nun aber die Uebergabe einer solchen Veste nicht etwa so feierlich denken, wie wir sie noch auf alten Bildern abconterfeit sehen. Da hält der siegreiche Feldherr, von all den Großen seines Heeres umgeben, auf ungeduldig stampfendem Pferd, und vor ihm, in ehrfurchtsvoller Stellung, auf rothem Sammetkissen den Schlüssel der Stadt tragend, steht der Bürgermeister in seiner Allongenperrücke, und hinter ihm die ängstlichen Rathsherren, die jetzt nur froh sind, daß sie die Sache überstanden haben.

Die Geschichte war hier bedeutend einfacher. In den Forts von Paris, die ihren Rückhalt an der Stadt selber haben, wurden keine Gefangene gemacht, denn die Soldaten hatten schon alle den Platz verlassen, ehe wir ihn nur betraten, und sich zurück auf Paris gezogen. Es wurde auch kein Schlüssel überreicht, denn das Thor stand offen. Die unser harrende Infanterie zog ein – das Musikcorps stellte sich unmittelbar am inneren Thore auf, und jetzt fand der Einzug unter der rauschenden Militairmusik statt.

Schon vorher hatten wir von dem kleinen Vorwerk Le Vert Galant aus einen Theil der Festungswerke umschritten, waren so zu dem eigentlichen Thor derselben gelangt und konnten dort unterwegs sehen, welche Vorbereitungen die Herren Franzosen getroffen hatten, um unsere Truppen bei einem Sturmangriff zu empfangen. Da standen nicht allein etwa neun Fuß hohe „spanische Reiter“ – ein sehr unangenehmes Ding, sie zu überklettern oder aus dem Weg zu schaffen, da sie aus quer durch einander gesteckten starken Hölzern bestehen und die Stürmenden jedenfalls unter dem heftigen und unmittelbar nahen Gewehrfeuer eine lange Weile aufhalten –, da war auch noch – eine lange Strecke vorher, ehe man den eigentlichen Graben erreichte – etwa anderthalb Fuß von der Erde, starker Draht gezogen, den man wirklich nur allein am hellen Tag passiren konnte. Und dann der tiefe Graben und hohe Wall, der noch nicht die geringste Bresche zeigte.

Es ist allerdings Thatsache, daß gerade in den letzten Nächten unsere Batterien von Rancy aus bis dicht vor La Barre sehr bedeutend – einige sogar nahe an zweitausend Schritt – vorgeschoben waren und die Stadt St. Denis jedenfalls in Grund und Boden zusammengeschossen hätten, wenn man ihnen längeren Spielraum gelassen, aber den Erdwällen der Festung hätten wir doch nur nach längerer Zeit einen ernstlichen Schaden zufügen können, und die einzelnen Kanonen zu demontiren, wäre ebenfalls nur sehr schwer gelungen. Und was für Menschenleben würde ein solcher Sturm – selbst im günstigsten Fall – gekostet haben, denn daß die Herren da drinnen außerdem nicht mit Minen und Landtorpedos gespart, läßt sich wohl denken und ist auch bestätigt worden. Was aber konnte sie denn sonst zur Uebergabe gezwungen haben? – etwa der Hunger?

Auch das schien nicht der Fall gewesen zu sein, denn als wir die Stadt, zu welcher unsere Pionniere durch die riesigen Barricaden, mit Erde gefüllte Weinfässer und Faschinenkörbe schon einen schmalen Weg gebahnt hatten, jetzt betraten, fanden wir die Bevölkerung nichts weniger als ausgehungert und mit bleichen Wangen uns erwartend. Nein, im Gegentheil sah ich hier in St. Denis eine Menge rothwangiger Gesichter, die wahrlich von keiner Hungersnoth Zeugniß gaben, und mehrere Soldaten bestätigten mir nachher, daß sie noch in verschiedenen Häusern vollkommen reichlich Brod und Wein gefunden hätten.

Ich bin deshalb fest überzeugt, daß nur das eigentliche Bombardement der Hauptstadt selber von der Südfront aus, das Tod und Vernichtung in das Herz der Stadt selber trug, den Ausschlag gegeben haben muß, und wäre davon abgesehen worden so lägen wir noch lange vor den starren Wällen und betrauerten manchen Todten mehr, als es jetzt der Fall ist.

Der Einmarsch verzögerte sich durch den engen und beschränkten Eingang natürlich sehr, und überall auf den Wällen wie auf den Barricaden drängte sich das Volk umher, um die gehaßten Prussiens doch auch einmal jetzt – ungefährdet von ihren Waffen – in der Nähe zu sehen. Wenn sich aber der französische Officier vorher einen Einmarsch mit klingendem Spiele aus dem Grunde hatte verbitten wollen, weil die Bewohner von St. Denis zu sehr betrübt seien, so mußte er sich gründlich geirrt haben, denn davon konnte ich selber keine Spur erkennen. Ich mischte mich nachher unter das Volk, um es näher zu beobachten; aber hier sowohl wie später in der Stadt sah ich nur fröhliche Gesichter und hörte nur lachende plaudernde Stimmen, aber keine Idee von Traurigkeit oder gar von verbissenem Grimm. Es mögen Einzelne gewesen sein, welche die Schmach dieses Einzugs nach den vorangegangenen prahlerischen Redensarten tiefer empfanden; aber diese bemühten sich dann nicht um das Schauspiel oder waren zu schwach vertreten, um sich rasch herausfinden zu lassen – ich bemerkte sie wenigstens nicht.

Wer sich aber eifrig dabei betheiligte, waren noch vollständig bewaffnete Mobilgardisten, denen es oblag, die Ruhe in der Stadt aufrecht zu erhalten. Ueberall waren sie, wo sich nur überhaupt Menschen zusammendrängten, und bewiesen dabei – ohne eigentlichen Grund, denn die Leute benahmen sich ruhig genug – eine nie geahnte Tapferkeit.

Jetzt endlich, als der Kronprinz mit seinem ganzen Stabe und der Escorte vorbeidefilirt war und den freien großen mit Bäumen bepflanzten Platz der inneren Stadt erreichte, hielt er und machte Front gegen die Straße, während nun ihrerseits die jetzige Besatzung oder wenigstens doch einige Bataillone derselben ihre Einzug mit der rauschenden Militärmusik und den preußischen Trommeln voran hielten.

Unterwegs dahin passirten wir eine wohl sehr interessante, aber doch nicht ganz angenehme Beschäftigung unserer Pionniere. Diese waren nämlich daran, unmittelbar an der linken Seite des Fahrwegs, gerade wo dieser mit dem Wege für die Fußgänger abschneidet, einen Leitungsdraht aufzuheben, der aller Wahrscheinlichkeit nach zu irgend einer jetzt harmlos gemachten, aber doch wohl noch [139] geladenen Mine führte. Ob aber das die einzige war, die in der Nachbarschaft lag, und nicht doch vielleicht irgend ein fanatischer Schwärmer getrieben werden konnte, einen solchen Streich auszuführen, wie jener Unterofficier in Laon? Aber wir zeigten ihnen wenigstens, daß wir uns nicht davor fürchteten, und unsere wackeren Truppen marschirten mit lustigem Spiele vorüber, bis unfern von dem Kronprinzen das Musikcorps wieder aufschwenkte und die Soldaten ebenfalls in Linie aufgestellt wurden.

Das nahm eine ziemliche Zeit, und ich hatte mich dem Volke zugesellt, das jetzt von allen Seiten herbeikam, sich unter die Soldaten drängte und – deutsch mit ihnen sprach.

Darüber war ich anfangs allerdings erstaunt, denn im Herzen von Frankreich hatte ich nicht geglaubt, so viele Elsasser zu finden. Diese scheinen aber, wie die Deutschen in allen fernen Welttheilen, als Arbeiter besonders sehr geschätzt zu sein, und Einzelne, die ich deshalb frug, versicherten mich, daß es hier in St. Denis viele große und bedeutende Fabriken gäbe – die Schornsteine sieht man allerorten emporragen – die weiter gar keine Arbeiter beschäftigten als nur eben Elsasser und Lothringer. Für die hier neu einquartierten Soldaten hat dies aber das sehr Angenehme, daß sie sich allerorten nun mit ihren Gastgebern leicht verständlich machen können.

St. Denis selber ist an manchen Stellen schon tüchtig durch unsere Granaten mitgenommen worden, dem Aergsten aber doch dadurch zur rechten Zeit entgangen, daß unsere neu vorgeschobenen Batterien noch nicht Gelegenheit bekamen, ihre furchtbaren Geschosse hier hereinzuwerfen. Die Leute mögen auch deshalb wohl so glücklich sein, daß das Bombardement jetzt plötzlich aufgehört hat, weil sonst jedenfalls ihre Fabriken zerstört und Tausende von ihnen auf lange Zeit brodlos geworden wären.

Und wie still rings umher die Welt lag – das furchtbare Donnern der Geschütze schwieg allerorten, denn auf diesen Tag war ja die Uebergabe sämmtlicher Forts rings um Paris bestimmt. „Gott sei Danke jetzt wird Friede!“ hörte ich viele Frauen sagen, die mit in den Reihen der Soldaten standen. „O, das war eine schreckliche Zeit!“ – und die Gesichter der Soldaten selber leuchteten dabei auf, denn sie dachten ihrer eigenen Weiber und Kinder – Gott sei Dank, jetzt wird Friede!

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Eienr