Unser Bismarck (Die Kunst für Alle, 10. Jahrgang)

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Weihnachtsbücherei
Untertitel:
aus: Die Kunst für Alle, 10. Jahrgang, Seite 73
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Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1894/95
Verlag: Verlagsanstalt für Kunst und Wissenschaft, München
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Originalherkunft:
Quelle: Eigenes Digitalisat
Kurzbeschreibung: Rezension des Buchs Unser Bismarck von C. W. Allers
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[Ξ] Ohne Zweifel war es kein Zufall, sondern einer Art innerer Notwendigkeit, daß der unvergängliche Zauber, der für die deutsche Nation alles umgiebt, was mit dem Fürsten Bismarck in Berührung steht, in Allers einen ebenso selbständigen als ungewöhnlich begabten, überdies ihm in vielen Dingen verwandten Schilderer gefunden. Verwandt vor allem in der nüchternen, aber durchdringenden Schärfe der Weltbetrachtung. Hat sie durch den Fürsten Deutschland gerettet und ihm eine großartige Zukunft bereitet, so hat sie auch den Hamburger Maler befähigt, uns in seinen Bismarck-Werken etwas zu schaffen, was seinesgleichen in der Welt fast ebenso wenig findet als Fürst Bismarck selber. Denn alle seine Vorgänger waren von ihrem Original doch zu sehr entfernt, hatten übrigens viel zu sehr mit der Unvollkommenheit der damaligen Reproduktionsmittel zu ringen, um jemals denselben hohen Grad unmittelbarer Wahrheit und Glaubwürdigkeit erringen zu können. Selbst wo jene unleugbar mehr Dichter sind als er, dem Schmuck der Bildwirkung mehr einräumen, so giebt dafür keiner die Dinge, die er gesehen, mit so photographisch schlichter Wahrheit wieder. In dieser Beziehung übertrifft das jetzige Werk („Unser Bismarck“, 14 Lfrg. à 2 M. Stuttgart, Union) in seinen bisher erschienenen vier Lieferungen sogar noch das frühere an nüchterner Wahrhaftigkeit. Das ist aber von ungeheurem Wert bei einer historischen Figur von so riesigem Maße wie Bismarck, die wirklich keiner Idealisierung bedarf. So treffen wir gleich im zweiten Heft einen bei der Arbeit ruhig rauchend dasitzenden Kanzler, der fast alle früheren an Wahrheit überbietet. Es ist ja ein trotziges Gesicht, das man ähnlich tausendfach bei alten Soldaten, Edelleuten und Jägern gefunden – nur daß es hier eben eine Energie und geistige Macht ausspricht, wie sie sonst kein anderes bis zu diesem Grade besitzt. Sonst handelt das Heft fast nur von dem Schönhausener Museum, dessen merkwürdigste Schätze uns alle vorgeführt und in dem, beiläufig bemerkt, vortrefflichen Text Hans Krämers auf ihre historische Veranlassung zurückgeführt werden. Dann sieht man noch die jetzigen Bewohner von Schönhausen, den Grafen Herbert mit seiner Familie und freut sich des herrlichen Familienlebens, das nicht am wenigsten „unsern Bismarck“ dem deutschen Volke so sympathisch gemacht hat. Malerischen Reiz haben diese Bilder so wenig als die ihnen folgenden des Kissinger Aufenthalts, aber dafür entschädigen sie reichlich durch ihre unendliche Glaubwürdigkeit, die uns bald alles an ihnen lieb und vertraut werden lässt. So lernen wir in Kissingen erst den Ort selbst, dann aber besonders die Art von Badegästen kennen, welche die Hoffnung, den Fürsten zu sehen, hundertweise aus der halben Welt herzieht. So sind die, das Trinkglas in der Hand, im Gänsemarsch zum Rakoczy-Brunnen wallfahrenden Pilger mit köstlichem Humor charakterisiert, nicht weniger der von einem Schneegestöber überraschte Fürst selber oder die Engländer, Amerikaner, Russen und andere, die da einstweilen ihren nationalen Sport treiben, bis sie Bismarck endlich erlauert haben und dann haufenweise seinen Wagen umlagern, Kinder und Frauen nicht weniger als Männer, während uns der Text dazwischen die beiden Mordanfälle erzählt, die auf den Fürsten gemacht wurden, und die von der Wut der politischen Parteien in Deutschland ein so trauriges Zeugnis ablegen. Hatte man also in diesem zweiten Bismarck-Werk des Allers etwa eine Abschwächung des ersten befürchtet, so kommt man von dieser Meinung bald zurück und sieht, daß man es mit einer sehr willkommenen Ergänzung zu thun hat.