Unsere heimischen Waldbäume

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Unsere heimischen Waldbäume
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 38, S. 608
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1867
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Buchempfehlung: „Natur und Gemüth“ von Karl von Hippel
Blätter und Blüthen
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[608] Unsere heimischen Waldbäume. Wir haben kürzlich auf Ferdinand Stolle’s „Frühling auf dem Lande“[WS 1] als auf eine dem Sinne und Geschmacke unserer Zeit entsprechende Wiederbelebung jener poetischen Naturbetrachtung hingewiesen, welche zu den werthvollsten Eigenthümlichkeiten unseres deutschen Volks gehört. Ganz in demselben Geiste, wenn auch in einer etwas strengeren, mehr wissenschaftlich-fachmäßigen Richtung, bewegt sich ein anderes liebenswürdiges Büchlein, das unter dem Titel „Natur und Gemüth, von Karl von Hippel“ vor Kurzem (bei Alexander Duncker in Berlin) erschienen ist. Könnten wir unseren Lesern die ganze Tiefe des erquickenden Genusses schildern, den die vom frischen Dufte des Waldes und vom Säuseln und Rauschen seiner Bäume, vom sanften Wehen und Werden, Keimen und Emporblühen des Frühlings und vom Brausen und Krachen seiner Stürme und Gewitter erfüllten Schilderungen des Verfassers uns selber in stillen Stunden bereitet haben, so würde es für gleich gestimmte Seelen einer weiteren Empfehlung nicht bedürfen. Dennoch bilden die genannten allgemeinen Züge aus der wechselnden Physiognomie des Naturlebens nur gleichsam das Kleid und die Farbe des Buches, der Zweck liegt tiefer und ist in gewisser Hinsicht ein bedeutsamer. Für die Schönheit unserer heimischen Naturumgebung und namentlich für die stille Pracht und Majestät, das wunderbare Weben und Wirken unserer vaterländischen Waldbäume wollen diese neuen „Beiträge zur Aesthetik der Pflanzenwelt“ eine wärmere Aufmerksamkeit, ein lebhafteres Interesse erregen und dabei zugleich die allgemeinen Grundbegriffe des Pflanzenreichs an lebendigen Beispielen deutlich machen. „Die Erle als Uferbaum“, „Ein Auenwald unter dem ersten Gewitter“, „Die Kiefer in der norddeutschen Haide“, „Tanne und Fichte im Gebirge“, „Eine Buchenwaldung im Spätherbst“, so lauten die Ueberschriften der fünf verschiedenen Bilder, in denen der Verfasser, wie er selber sagt, „die schönsten und reichsten Stunden seines Lebens zusammengetragen hat,“ eine Fülle von ernster Forschung und schärfster Beobachtung, wie sie, verbunden mit einer solchen Frische des Schauens, Empfindens und der künstlerischen Auffassung, nur in wenigen ähnlichen Producten unserer Literatur zu finden ist.

Für Leute freilich, die nur im Getümmel des Weltmarktes ihre Befriedigung finden, hat Karl von Hippel sein anmuthiges Buch nicht geschrieben, sie werden es vielleicht langweilig nennen, während alle noch frisch und jugendlich fühlenden Menschen in ihm einen angenehmen Gesellschafter am warmen Ofen, einen freundlichen Begleiter auf einsamen Wanderungen erkennen werden. Wer sich gewöhnt, die ihn umgebende Landschaft, und wäre sie noch so dürftig, durch den Spiegel dieser Deutung und Auffassung zu betrachten, wird damit einen reichen Quell der Freude und erhebenden Belehrung gewonnen haben.



Anmerkungen (Wikisource)