Verfehlte Spekulation

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Titel: Verfehlte Spekulation
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 18, S. 198
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1853
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Kriminalfall aus USA
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[198] Verfehlte Spekulation. Wie merkwürdig oft schon berechnete Pläne zum Gegentheil umschlagen, zeigt ein Vorfall, welcher sich in Nordamerika ereignete. Der Sherif einer Grafschaft in dem nördlichen Theile des Staates Missisippi hatte 15–20,000 Dollars an Staatsgeldern im Hause: eine schöne Summe! Gold lacht, Gold blendet. Der Sherif erklärte seiner Frau, er müsse Geschäfte halber auf einige Tage verreisen, empfiehlt ihr Vorsicht, Wachsamkeit, da das Geld in dem und dem Geldkoffer liege. Die Frau sieht ihren Herrn und Gemahl abreisen; es wird Abend, da pocht ein wohlaussehender Mann an’s Haus des Sherif’s und bittet um gastliche Aufnahme. Ein Wirthshaus ist nicht da, die Nacht ist stürmisch, die Frau hat sich eigentlich vorgenommen, während ihres Mannes Abwesenheit keinen Fremden aufzunehmen, indeß der Sherif ist eine öffentliche Person, hat vor Allem Gastlichkeit zu üben; der Fremde bittet sehr, die Frau wird umgestimmt, sie läßt ihm eine Schlafkammer anweisen. In der Nacht geschieht, der Himmel weiß wie, ein Einbruch; drei Neger oder Weiße, welche sich in Neger verwandelt haben, traten hin vor das Bett der Frau und fordern die Auslieferung der 20,000 Dollars. Die Arme ruft Hülfe – vergebens; sie muß sich in den Willen der Diebe fügen. In der Kammer, wo der Fremde schlief, lag das Geld wohl verschlossen. Sie macht die Thüre auf, verspricht das Geld sogleich zu bringen; in der Kammer sieht sie, wie der Gast, durch das Geräusch im Hause aufgeschreckt, soeben damit beschäftigt ist, seine Pistole zu laden. Schnell flüstert er der Frau zu, sie solle nur Muth zeigen, sich ein Herz fassen, so könne noch Alles gut und das Geld gerettet werden. „Sie nehmen in die linke Hand den Geldbeutel,“ sagte der Fremde, „und schießen mit dem Pistol in der rechten Hand dem Neger, wenn er nach dem Gelde greift, die Kugel vor den Kopf; mit den andern beiden Schwarzen will ich schon fertig werden.“ Mit kühnem Muthe führt die Frau diesen Rath aus: einer von den Negern fällt; in demselben Moment hat der Fremde den zweiten Neger niedergeschossen und stößt dem dritten, ehe er die Flucht nehmen oder sich zur Wehr setzen kann, sein Jagdmesser in den Leib. Durch die Pistolenschüsse aufgeweckt, kommen die Nachbarn gelaufen und fragen, was vorgefallen. Die Schwarzen werden beleuchtet, untersucht, und es ergibt sich, daß der von der Frau getödtete Schwarze – ihr Gatte, die beiden andern gute Freunde ihres Mannes sind! Der Grund dieses Diebstahls war leicht zu finden; daß der schlaue Sherif sich verrechnet hatte, war rein Schuld des Zufalls und der Vorsehung. Kein Wort über den Schmerz der betrogenen Gattin! Wo die Achtung aufhört, da schwindet auch die Liebe; wo man nicht mehr liebt, kann man immerhin tief bedauern, doch der Schmerz weicht der Verachtung.