Vom Pastor Werner und allerlei Irrlehren

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Textdaten
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Autor: Otto Beneke
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Titel: Vom Pastor Werner und allerlei Irrlehren
Untertitel:
aus: Hamburgische Geschichten und Sagen, S. 244–246
Herausgeber:
Auflage: 2. unveränderte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Perthes-Besser & Mauke
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Erscheinungsort: Hamburg
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Kurzbeschreibung:
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[244]
83. Vom Pastor Werner und allerlei Irrlehren.
(1589 und später.)

Anno 1581 is Magister Joachimus Werner, de tovör in St. Johannis-School de twede Classe ass Subrector bedeenet, Dom-Pastor worden und darna 1585 ass Pastor to St. Peter karen, averst na veer Jahren ut der Stadt verwieset. Und de Orsake is düsse: Anno 1589, den 17. Julius, is de hoge Thoorn to St. Nicolai in der Nacht dorch en grausam Dunnerwedder angesteket und in fief Stünn’ herdahl brennt, wat averst sünst keenen Schaden dahn hätt, obglyk de Wind van allen Syden geweyet, dat ydt sick leet ansehn, ass schull de heele Stadt in Füür ünnergahn, welkes averst de groote allmächtige Godd in Gnaden afwendt hätt. Derohalven [245] is van’t Ministerium en Gebede und Danksegung upsett, de darna lange Tyd in allen Predigten van den Canzeln is affgelesen worden. In düssem Gebede is mit insett wesen, dat Godd uns wolde behöden vor der Calvinisten Lehr. Und da nu de Pastor Joachimus Wernerus alltyd vör dat Woord Calvinisten gelesen hätt Sacrament-Schwärmer, so stell Rev. Ministerium em derohalven to Red; und da hefft se em ünnersöcht und befunden, dat he hymlick Calvinisch was. Wowoll se sick nu veel darümb bemöden, dat he wedderropen schull, hätt he dat doch nich dahn, is also synes Deenstes entsettet und darna is he na Bremen hentrocken.“

Und Magister Hieronymus Pasmann, Archi-Diacon to St. Micheel, de 100 Jahr darna levt hätt und de groote Armen-School in de Neistadt inricht hätt, de vertellt van düsser Geschichten:

Anno 1590 hat das Ministerium zu Bremen einen Lateinischen Brief an das Predigtamt zu Hamburg geschrieben, darin Beschwerde geführet wird über die harte und unbarmherzige Relegirung des Magister Werner, welche unsern Pastoren von den Reformirten zu Bremen gar unglimpflich vorgeworfen wird. Aber vor Gott und allen Engeln ist es uns eine große Ehre, daß unsre seligen Vorfahren über die Reinigkeit der Lehre also dapfer sich erwiesen haben, wie die fernere Lebenshistorie des Magister Werner bestättiget hat.“

„In Bremen averst hätt de Magister Werner sick apenbar ass Calviner bekennt, und noch in dat sülvige Jahr 1590 hefft em de Calviner to Groningen in Fresland to erem Pastoren erwählet, wo he ook 1614 storven syn schall.“

Und Herr Magister Pasmann füget hinzu: wie es nicht ganz ohne sei, daß in Hamburg zum Oefteren der leidige Satan sich gereget und gräuliche und verdammliche Irrthümer vorgebracht habe, als: der Calvinisten Schwärmerei, der [246] Quäcker Gräuel, der Papisten, Sacramentirer, Schwenkfelder, Wiedertäufer und anderer „phantastischer“ Irrgeister verwerfliche Lehren; wie aber unsre Vorfahren im Predigtamte nicht wie stumme Hunde geschwiegen, sondern laut und kräftiglich das Wort der Wahrheit darwider erhoben haben; und wie E. E. Rath seine Schuldigkeit meistens wohl erkannt und mit scharfen Maaßregeln dahin gesehen habe, „daß der Teufel solch enthusiastisches Unkraut nicht ferner ausstreue;“ – muß es aber bedenklich erachten, daß eine Jüdische Synagoge in Hamburg geduldet werde, weil Christen ohne Verletzung der Ehre Christi, ihres Gewissens und des christlichen Glaubens den Juden eine Synagoge nicht gestatten können, wie Dr. Martin Luther lehre; – kann es schließlich auch nicht ganz billigen, daß man Ketzer und Schwärmer haufenweis in große Städte aufnehme, unter dem richtigen Vorwenden, daß die bürgerliche Nahrung bei vorhandenen schweren Zeiten brodtlosen Handels und Wandels, solches erfordere; „wie denn auch der Irrthumb der Gergesener, welche ihre Sau-Nahrung Christo und seinem Worte vorgezogen, eine gar schwere Sünde gewesen ist.“

Anmerkungen

[384] Nach Pasmann, Hamb. Denkmal bei aufgebautem neuen Schulhause. 1690. S. 72. ff.