Von dem jetzigen Vnertreglichem Geldauffsteigen / vnd elenden Zustandt des MüntzWesens

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Autor: Vel Quasi (Pseudonym)
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Titel: Colloquium novum monetarum, Das ist: Ein schönes newes Gespräch Von dem jetzigen Vnertreglichem Geldauffsteigen / vnd elenden Zustandt des MüntzWesens / […]
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Erscheinungsdatum: 1621
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Kurzbeschreibung: Flugschrift aus der Kipper- und Wipperzeit
Weitere Flugschriften des 17. Jahrhunderts
Siehe auch Kipper- und Wipperzeit
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[1]

Colloquium novum monetarum
Das ist:
Ein schön newes Gespräch
Von dem jetzigen
Vnertreglichem Geldauffsteigen /
vnd elenden Zustandt des
MüntzWesens /
Welches die gesampte Reichs-kleine vnd grobe / gülden
vnd silbern MüntzSorten / sampt etlichen Metallen /
vntereinander halten.
Beschrieben / vnd an Tag gegeben
Durch
Einen sonderlichen Liebhabern der schweeren
Müntze.


Im Jahr.
1621.


[2] Zustandt im Müntzwesen.

          1. Heller[1].
VOr zeiten war ich lieb vnd wehrt /
Zum Allmosen man mein begert /
Der Betler mich frölich auffnam /
Wann er mich in sein Händ bekam /
An Silber war ich noch so gut
Als man jetzt zu sechs Pfenning thut /
Der Tiegel hat mich gantz verdorben /
Ich bin samb / wer ich gar gestorbn:
Mein lieber Pfenning / sag mir doch /
Bistu gestorben oder lebstu noch?

          2. Pfenning[2] .
Ach lieber Heller merck mich ebn /
Es geht mir auch hart an das Lebn /
Ich bin ein recht verkauffter Knecht /
Vor Jahren war ich viel zu schlecht /
Dz man mich zun Schreckenbergern[3] legt /
Jetzund gar Thaler[4] aus mir schlägt /
Dann an mir gibt der Wuchrer Hauff /
Am Gülden gern 10. Groschen[5] auff:
Sag an drey Heller hochgeborn /
Was machst du mit deim Jäger Horn?

          3. Drey Heller oder Hörnels Pfenning.
Ich hab mich mit meim Jäger Horn
Auch schier aus Teudschem Land verlohrn /
Muß jetzund ein armer Martyr seyn /
Vnd in das glüend Fewr hinein /
Wird mir mein guter Standt veracht /
Wann man die loß Müntz aus mir macht /
Hab dir also mein Pfenning gut
Nun auch geklagt wie mirs gehn thut:
Du zwey gut Pfenning sag auch mir
Wie steht der Handel dann mit dir?

          4. Zwey gute Pfenninge.
Was sol ich viel von mir her sagn /
Magst Goldschmiedt / Kipper vnd Müntzer fragn /
Wie man vns arme Tropffen hat
Auch auffgewechselt frü vnd spat:
Erstlich wolt man vnser nicht achtn /
Jetzt aber thut man vns nach trachtn
Wie der Fuchs nach der Hennen lebn /
Thut viel auffwechsel auff vns gebn:
Was magst denn du alter Dreyer[6] /
Ich mein du ligst auch lengst im Fewr?

          5. Dreyer.
Der Handel steht mit mir also /
Wenn man mich hat / so ist man froh /
Dieweil mein wehrt am Silber gut /
Mir man dann sehr nachstellen thut /
Muß bald ins warme Bad hinein /
Des halben Mattiers [7] gesellschafft seyn /
Aus vnser eim sechs Mattier wern /
Heist das nicht kommen hoch zu ehrn:
Dieweil man mich setzt allen für /
Du Mattier was machn sie denn mit dir?

          6. Mattier.
Mein Gschlecht war niemals gar zugroß /
Die halben Mattier das verdroß /
Daß jhr so viel solten seyn /
Vnd musten doch ins Fewer hinein /
Weil wir warn am Silber reich /
Hielt man vns jhnen am Wehrt gleich /
Vnser keiner kömpt mehr an Tag /
Darümb / mein Dreyer / nur nicht frag /
Wir hielten so wol jhr die Katzen:
Wo seyd dann jhr / jhr halben Batzen?

[3]      7. Marjengrosch.[8]
Wir sind treten in Herren Ordn /
Vnd gar zu silbern Bechern worden /
Stehen in Kästen vnd Credentzen /
Dörffen nichts thun als nur faullentzen /
Werden gefüllt mit gutem Wein /
Dürffen nicht mehr beyn Bawren seyn /
So wol nicht hart im Land vmbwandern
Von einer Stadt vnd Dorff zum andern /
Sondern sind frey / als die Schweitzer:
Wie lebstu dann Freund drey Creutzer[9]?

          8. Fürstengrosche.[10]
Sie machen mich so loß vnd schlimb /
Daß ich gar auff dem Wasser schwimm /
Wolten mich etliche zeihen gern /
Ich kom von einer alten Latern /
Ein blechin Schüssel sey mein Mutter /
Kupffer oder Messing mein Bruder /
Vexirn mich weiters in jhrem Gespött /
Ich hab das Silber gar verredt /
Haben mich gleichwol gern die Fratzen:
Wie gehts denn euch jhr alten Patzen[11]?

          9. Bawrgrosch.
Wie solts vns alten Groschen gehn /
Wir werden bald wider auffstehn /
Wern nur vnser noch viel im Lebn /
Man thet fünff Patzn vmb einn gebn /
Wir würden prägt von Silber gut /
Jetzt legen wir lengst in der Glut /
Selten wird einer mehr gefundn /
Nicht anders ob wir seyn verschwundn /
Sag an Dütchen[12] / wo bistu?
Geht dir das Kalb auch mit der Kuh?

          10. Dütchen.
Vor diesem ward ich so veracht /
Wen man mich gab ward vngeschlacht /
Als wann ich etwas hett gestohln /
Sie hiessen mich den schlimmen Poln /
Wer ist denn jetzund besser als ich /
Weil jederman wil haben mich /
Man zahlet mich mehr als zu thewr /
Aber nun lig ich schon im Fewr /
Du 10. Creutzer mit deim Kopff /
Wie stehts mit dir du guter Tropff?

          11. Zehen Creutzer.
Zu 16. Creutzern hat man vns gern /
Wir kommen gleich nah oder fern /
Man lest vns aber nicht lang gantz /
Sondern müssen mit zum Finantz /
Vnd lauffen mit dem Jüdenspies /
Ehrlichen Leuten zum Verdrieß /
So kömpt das gut Geld mit der zeit /
Ja gantz vnd gar von Land vnd Leut:
Schreckenberger du bist vber mich /
Mein / was helt man dann jetzt von dich?

          12. Schreckenberger.
Ich sag dir kürtzlich mit eim Wort /
Man wechselt mich jetzt vmb ein Ort /
Wann ich nur zehen Jahr alt bin /
Man gibt mich auch wol thewrer hin /
Da ich viel Silber in mir hab /
Sonderlich die alten vorab /
Doch die Schreckenber heut zu Tag /
Einer eines 3. Kreutzer wehrt seyn mag:
Du sechs Pätzner sag ohn beschwert /
Wie schätzstu dich / was bistu wehrt?

          13. Doppelt Schreckenberger.
Dein fragen kömpt mir seltzam für /
Halts ichs doch allezeit mit dir /
So viel ich gilt / das gilstu halb /
Ich bin die Kuh / vnd du das Kalb /
Mein Vater gilt jetzt viel auff Erd /
Man helt jhn auch auff acht Patzen wehrt /
Ich vnd du seynd darzu geschickt /
Daß man mit vns die Pfannen flickt /
Was wird man den noch aus vns Pfoschen
Nun höret an die Gulden Gröschen.

[4]      14. Gülden Thaler.
Ich hab zum Handel still geschwiegn /
Vnd bin fein allgemach gestiegn /
Nah bey fünff Gülden gilt ich gern /
Hoff aber / es sol nicht lang wehren /
So wöll ich gar sechs Gülden gelten /
Weil ich bin steckent blieben selten /
Weil der Thaler ist mein Vortrab /
Den ich allzeit zum besten hab:
Hör Thaler / wie bist jetzt so still?
Mein / steig einmahl / vns hilfft es viel.

          15. Reichs Thaler.
Bin ich denn nicht gestiegen fort?
Gilt schon fünff Thaler vnd ein Ort /
Die Dölpel gelten noch viel mehr /
Ja alle Thaler steigen sehr /
Sonderlich was gute alte seyn /
Die sperret man auffs fleissigst ein /
Können gleichwol keine Ruh findn /
Müssen noch im Gefängniß schindn /
Ihrem Herrn dem Mammons Knecht /
Merckt drauff wz der Goldgülden spricht:

          16. Goldgülden.
Man nennet mich das Rheinisch Goldt /
Dem Thaler ich nachsteigen wolt /
Dieweil ich fast sechs Thaler gilt /
Hab auch schon alleweil gezielt /
Folgends sieben Thaler zuerlangen /
Drauff halten mich schon viel gefangn /
Wie köndt ich doch nur lenger schweign /
Allein das Silber lassen steign /
Ein Wurst wolt ich jhm lassn bratn:
Was würden sagen die Ducatn[13]?

          17. Ducaten.
Ich bin das beste Gold im Reich /
Drümb ists auch billich daß ich steig /
Dieweil besonders die Goldschmied
Meiner können entrahten nicht /
Die Goldschläger / vnd andere mehr /
Brauchen mich alle viel vnd sehr /
Acht Thaler gelt ich jetzund gern /
Vnd wil mich niemand drümb entbern:
Hab auch schon gut Post vernommen /
Ich werde gar bald höher kommen.

          18. Gold.
Nichts guts aus dem ding werden kan /
Das versteht leichtlich jederman /
Dann dadurch wird der Teudschen Geldt
Verachtet in der gantzen Welt /
Alle ding wird dadurch sehr thewr /
Wie man erfahren ferd vnd hewr /
Wird aber noch viel ärger werden /
Da man nicht abhilfft den Beschwerdn:
In Summa / es propheceyt zugleich
Groß Verenderung im gantzen Reich.

          19. Silber.
Was wird aber darauß werden mehr /
Wann alle Müntz so steiget sehr /
Was wird seyn letztlich der Außgang /
Kan auch das ding bestehen lang /
Wann Gold vnd Silber das Metall
Wird so verderbet vberall /
Wo wird man endlich nehmen Geld /
Welches sein rechte Müntzprob helt /
Ist das nicht eine Sünd vnd Schand /
Das Jüden müntzen im Teudschland.

          20. Kupffer.
Ich thu mich an ewr klag nicht kehrn /
Daß ding gereicht nur mir zu ehrn /
Alein dem Silber vnd dem Gold
War man vber all Metall hold /
Das Kupffer must hinten anstehn /
Jetzt aber wirds viel anderst gehn /
Wann Gold vnd Silber vrlaub hat /
So kömpt das Kupffer an die statt:
Wie werden gefallen dir die Sachen /
Wann man aus Kupffer Geld wird machn?

          E N D E.

Erläuterungen (Wikisource)

  1. Heller, frühere deutsche Kupfermünze vom Wert eines halben Pfennigs
  2. siehe Pfennig
  3. Schreckenberger, war eine Silbermünze, die im sächsischen Erzgebirge im 16. Jahrhundert geprägt wurde
  4. siehe Thaler
  5. siehe Groschen
  6. Dreier, alte Münze mit dem Wert 3 Pfennig
  7. Mattier, eine im Braunschweigischen übliche Scheidemünze, welche 4 Pfennige, oder einen halben Marien Groschen gilt. Quelle: Krünitz, Oeconomischen Encyclopädie
  8. Marien-Groschen, eine Silber- und Rechnungsmünze in Niedersachsen, und am Niederrheine, davon 36 Stück auf den Thaler gehen, und welche mit dem Marien-Bilde gezeichnet ist. Quelle: Krünitz, Oeconomischen Encyclopädie
  9. siehe Kreuzer
  10. Fürsten=Groschen, werden diejenigen Groschen genannt, welche Landgraf Balthasar in Thüringen, im J. 1397, sehr geringe von fünflöthigem Silber, und die Markgrafen zu Meißen, Fridericus bellicosus, Wilhelm der Reiche, und Fridericus pacificus, haben münzen lassen. Quelle: Krünitz, Oeconomischen Encyclopädie
  11. siehe Batzen
  12. Dütchen, Dötchen, ein Name verschiedener Münzen am Niederrheine, in Westphalen und den Niederlanden. Eine Münze von 18 Pfennigen, oder 3 Schillingen, deren 16 auf einen Reichsthaler gehen. Quelle: Krünitz, Oeconomischen Encyclopädie
  13. siehe Dukaten