Von der Beleuchtung

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Textdaten
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Autor: G. Kr.
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Titel: Von der Beleuchtung
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aus: Die Gartenlaube
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1863
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
s. a. die Bemerkung in Nr. 13
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[176] Von der Beleuchtung. Vor etwa zwei Jahren verbreitete sich plötzlich über Amerika die Kunde, daß in Virginen, Pennsylvanien und anderwärts aus verschiedenen Stellen des Bodens ein eigenthümliches Oel quelle, das an Größe der Leuchtkraft alle bekannten Oele überträfe. Mit der Rührigkeit, welche den Amerikanern in allen praktischen Dingen eigen ist, machten sie sich schnell den so günstigen Umstand zu nutz, und in kaum einem Jahre war bereits mehr als eine Million (1,112,476) Gallonen Erdöl aus dem Boden gewonnen. Ebenso schnell hatte man die Lampen, welche bisher für das dem Erdöl verwandte Schieferöl und Photogen im Gebrauch waren, zu größerer Vollkommenheit gebracht, so daß sich dieses ebenso schöne, wie billige Beleuchtungsmittel an allen Orten mit reißender Schnelligkeit Eingang verschafft hat. Als nun gar das Erdöl nebst den zugehörigen Lampen in ungeheuerer Menge nach Europa versandt wurde, erreichte schon die vierteljährige Ausbeute (Januar bis April 1862) dieselbe Höhe, wie die des ganzen vorigen Jahres. Waren ja doch bereits im Jahre 1861 32,000 Gallonen nach Bremen und 43,000 nach Hamburg versandt worden. Es giebt wohl kaum eine Stadt in Europa, in der nicht schon ein großer Theil der Bewohner die alten Lampen bei Seite gelegt und dafür die schönen und billigen Erdöllampen angeschafft hätte. Und in der That, zahlreiche und genaue Versuche, welche von den Gelehrten diesseits und jenseits des Oceans angestellt worden, haben unwiderleglich bewiesen, daß das Petroleum von allen bekannten Oelen im Verhältniß zu seiner Leuchtkraft das billigste ist. Selbst Photogen, welches eigentlich an Leuchtkraft das Erdöl übertrifft und bisher als das billigste Oel galt, ist um 20 Procent theurer, als dieses. Beträgt ja doch der Verbrauch in einer Stunde nur 19/100 Kreuzer, oder etwa ¾ Heller!

Das rohe Erdöl, wie es unmittelbar dem Boden entquillt, ist gelblich-grün, sehr leichtflüssig und leicht entzündlich. Dadurch aber, daß es mehrmals einer sorgfältigen Reinigung unterworfen wird, nimmt es eine fast wasserhelle Farbe mit einem Stich in’s Grauliche an und hat auch viel von seiner Entzündlichkeit verloren.

Die Warnungen, welche man wegen der Feuergefährlichkeit des Oels verbreitet hat, sind, wenigstens was das raffinirte betrifft, von allzu großem Eifer eingegeben. Freilich scheint der Erlaß der würtembergischen Regierung, welcher die größte Vorsicht anempfiehlt, dadurch an Bedeutung zu gewinnen, daß erst vor wenigen Wochen ein amerikanischer Dampfer, welcher Erdöl in großen Quantitäten führte, nahe am Gestade in Brand gerieth und einen furchtbaren Anblick darbot. Weithin verbreitete sich die flüssige Gluth über’s Meer, so daß der ganze Ocean zu brennen schien; doch aber ist das Petroleum nicht mehr und nicht weniger entzündlich, als das Schieferöl oder das Photogen, welches man doch so lange zur Beleuchtung gebraucht hat, ohne von dessen Feuergefährlichkeit besonderes Aufhebens zu machen. Das Erdöl entzündet sich durch Annähern eines brennenden Hölzchens oder Papiers bei gewöhnlicher Temperatur nicht, wohl aber, wenn es bis auf 50 Grad erhitzt worden; bei 54 Grad Wärme entzündet es sich schon, wenn das brennende Hölzchen noch ein Zoll von der Oberfläche entfernt ist.

Der Hauptfundort des amerikanischen Erdöls ist in Pennsylvanien längs den Ufern des sogenannten Oelbaches, welcher von Titusville nach der Bil-City in südlicher Richtung fließt und in den Alleghanyfluß mündet. Dieses Wasser ist ungefähr 100 Fuß breit und drei Fuß tief und durchläuft eine Strecke von 17 englischen Meilen. Auf beiden Seiten ist es von niedrigen Hügelreihen umschlossen, und auf den schmalen Wiesen, welche seine Ufer umgeben, sind die Brunnen angelegt, aus welchen das Oel theils von selbst ausfließt, theils durch Pumpen zu Tage gefördert wird. Die fließenden Brunnen sind bis zu einer Tiefe von 350 bis 500 Fuß gebohrt, und in der Kürze wird man noch viel tiefer in die Erde dringen.

Zahlreiche Raffiniranstalten sind rasch hinter einander in Venango, Erie, Cleveland und Pittsburg gegründet worden, und selbst das kühne Project, eine 40 Meilen lange Röhrenleitung bis Kiltanning herzustellen, von wo aus das Oel nach New-York geschafft werden soll, ist im Werden begriffen und sieht seiner raschen Vollendung entgegen.

Daß in Amerika das Erdöl jeden andern Leuchtstoff, mit Ausnahme des Gases, vollständig verdrängen muß, geht schon daraus hervor, daß der Preis für ein Pfund sich in New-York auf 1¾ Sgr. stellt. Auf welche Art das amerikanische Petroleum im Innern der Erde gebildet wird, darüber kann man allerdings bloß Hypothesen aufstellen, doch aber solche, welche einen hohen Grad von Wahrscheinlichkeit, ja Gewißheit in Anspruch nehmen dürfen.

Es giebt eine besondere Art Schiefer, die auch in Süddeutschland, namentlich zwischen Main und Rhein, in einer Ausdehnung von mehr als 60 Meilen vorkommt und wegen ihres übelen Geruches „bituminöser“ Schiefer genannt wird. Diese merkwürdige Felsart enthält eine ungeheuere Menge vorweltlicher Thiere, welche in ihr verwesen, eingeschlossen, so daß sie ganz mit Oel getränkt ist. Destillirt man diesen Schiefer, so erhält man ein Oel, das sogenannte Schieferöl, welches schon Jahre lang zur Beleuchtung gebraucht wird. Möglich also, daß an manchen Orten die innere Gluth der Erde diesen Destillationsproceß eines tiefliegenden Schiefers selbst übernimmt, wobei das entstehende Oel durch allerhand Canäle an die Oberfläche der Erde geführt wird.

Durch Auffindung dieses Petroleums ist die Frage der Beleuchtung in ein neues Stadium getreten und nimmt gegenwärtig das allgemeinste Interesse in Anspruch. Deshalb dürfte es an der Zeit sein, das ganze Beleuchtungswesen in seinen Grundzügen zu entwickeln und die wichtigsten und interessantesten Versuche in dieser Richtung einmal in der Kürze vor Augen zu führen. Wir kommen darauf später zurück.

G. Kr.