Von der Frau Füchsin (1819)

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Autor: Brüder Grimm
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Titel: Von der Frau Füchsin
Untertitel:
aus: Kinder- und Haus-Märchen Band 1, Große Ausgabe.
S. 198-202
Herausgeber:
Auflage: 2. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1819
Verlag: G. Reimer
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Erscheinungsort: Berlin
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Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
seit 1812: KHM 38
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Begriffsklärung Andere Ausgaben unter diesem Titel siehe unter: Die Hochzeit der Frau Füchsin.


[198]
38.

Von der Frau Füchsin.

I.

Es war einmal ein alter Fuchs mit neun Schwänzen, der wollte sehen, ob ihm seine Frau treu wäre, streckte sich unter die Bank, regte sich nicht und stellte sich mausetodt. Da ging die [199] Frau Füchsin hinauf in ihre Kammer, schloß sich ein und ihre Magd, die Katze, saß auf dem Heerd und kochte. Als es nun bekannt wurde, daß der alte Fuchs gestorben war, klopfte es an die Hausthür:

„was macht sie, Jungfer Katze?
schläft se oder wacht se?“

Die Katze ging und machte auf: da stand ein junger Fuchs draußen. Sie sprach zu ihm:

„ich schlafe nicht, ich wache,
ich koche warm Bier und Butterlein,
will der Herr mein Gast seyn?“

„Nein, ich bedanke mich, was macht die Frau Füchsin?“ Die Magd antwortete:

„Sie sitzt auf ihrer Kammer,
beklagt ihren Jammer,
weint ihre Aeuglein seidenroth,
weil der alte Herr Fuchs ist todt.“

„Sag sie, es wär ein junger Fuchs da, der wollte sie gern freien!“

Da ging die Katz die Tripp die Trapp,
da schlug die Thür, die Klipp die Klapp:
„Frau Füchsin sind sie da?“ –
„ach ja mein Kätzchen ja!“ –
„es ist ein Freier draus.“

Da sprach die Frau Füchsin:

„mein Kind, wie sieht er aus?

[200] hat er denn auch neun so schöne Zeiselschwänze, wie der selige Herr Fuchs?“ – „Ach nein, antwortete die Katze, er hat nur einen.“ – „So will ich ihn nicht haben.“

Da ging die Katze hinunter und schickte den Freier fort; bald darauf klopfte es wieder an, und war ein anderer Fuchs vor der Thür, der hatte zwei Schwänze, aber es ging ihm nicht besser, als dem ersten. Darauf kamen noch andere, immer mit einem Schwanz mehr, die alle abgewiesen wurden, bis zuletzt ein Freier erschien, der auch neun Schwänze hatte, wie der alte Herr Fuchs. Als die Wittwe das hörte, sprach sie voll Freude zur Katze:

„nun macht mir Thor und Thür auf
und kehrt den alten Herrn Fuchs hinaus!“

Als aber eben die Hochzeit angehen sollte, da regte sich der alte Fuchs unter der Bank, sprang hervor, prügelte das ganze Gesindel, und jagte es mit der Frau Füchsin zum Haus hinaus.


II.

Der alte Herr Fuchs war gestorben, da kam als Freier der Wolf vor die Thür und klopfte an:

„guten Tag, Frau Katz von Kehrewitz,
wie kommts, daß sie alleine sitzt?
was macht sie gutes da?“

Katz:

„Brock mir Weck und Milch ein,
will der Herr mein Gast seyn?“

Wolf:

„Danke schön; Frau Füchsin nicht zu Haus?“

[201]

Katze:

„sie sitzt droben in der Kammer,
beweinet ihren Jammer,
beweinet ihre große Noth,
daß der alte Herr Fuchs ist todt.“

Wolf:

„Will sie einen andern Mann han,
so soll sie heruntergan.“ –
Die Katz die lief die Trepp hinan,
und ließ ihr Zeilchen rummergan,
bis sie kam vor den langen Saal,
klopft an mit ihren fünf goldenen Ringen:
„Frau Füchsin, ist sie drinnen?
will sie einen andern Mann han,
so soll sie nur heruntergan.“

Die Frau Füchsin fragte: „hat der Herr rothe Höslein an und ein spitz Mäulchen? „Nein,“ sagte die Katze. „So kann er mir nicht dienen.“

Als der Wolf abgewiesen war, kam ein Hund, ein Hirsch, ein Hase, ein Bär, ein Löwe und nacheinander alle Waldthiere. Aber es fehlte immer etwas, das der alte Herr Fuchs hatte, und die Katze mußte die Freier jedesmal wegschicken. Endlich kam ein junger Fuchs. Da sprach die Frau Füchsin: „hat der Herr rothe Höslein an und ein spitz Mäulchen?“ „Ja,“ sagte die Katze. „So soll er heraufkommen,“ sprach die Frau Füchsin, und hieß die Magd darauf die Hochzeit bereiten:

„Katz, kehr die Stube aus
und schmeiß den alten Fuchs zum Fenster naus!

[202]

bracht so manche dicke fette Maus ins Haus,
fraß sie immer alleine,
gab mir aber keine.“

Nun ward die Hochzeit gehalten und getanzt, und wenn sie nicht aufgehört haben, so tanzen sie noch.