Von der Zeitrechnung der französischen Republik

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Textdaten
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Autor: H. B.
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Titel: Von der Zeitrechnung der französischen Republik
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 5, S. 84
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1889
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[84] Von der Zeitrechnung der französischen Republik. Bekanntlich hat die erste französische Republik außer der Religion auch die alte Zeitrechnung abgeschafft und an deren Stelle eine neue treten lassen. Durch dieselbe, die mit dem 22. Herbstmonat 1792, dem Tage der Gründung der Republik, ihren Anfang nahm, wurde das Jahr in 12 gleiche Monate von je 30 Tagen getheilt, die fünf übrig bleibenden Tage – die Sansculottentage – wurden zu keinem Monate gerechnet, waren vielmehr verschiedenen Nationalfesten gewidmet, so dem Feste der Tugenden, des Genies, der Arbeit, der Meinung und der Belohnungen. Die Monate erhielten ihre Namen von der Witterung und den Erzeugnissen der betreffenden Jahreszeit; sie hießen für den Herbst (vom 22. September bis 20. Dezember) Herbst- oder Weinlese (Vendémiaire), Nebel- (Brumaire) und Reif- (Frimaire) Monat; für den Winter (vom 21. Dezember bis 20. März) Schnee- (Nivôse), Regen- (Pluviôse) und Wind- (Ventôse) Monat; für den Frühling (vom 21. März bis 18. Juni) Keim- (Germinal), Blüthe- (Floréal) und Wiesen- (Prairial) Monat; für den Sommer (vom 19. Juni bis 17. September) Ernte- (Messidor), Hitze- (Thermidor) und Frucht- (Fructidor) Monat. Die Tage vom 18. bis 22. September bildeten die erwähnten sogen. Ergänzungstage (jours sansculottides). Jeder Monat wurde in drei gleiche Theile, Dekaden, getheilt, deren jede 10 Tage hatte, welche die Namen Primedi, Duodi, Tridi etc. führten; der letzte Tag – Decadi – war der Ruhetag für alle öffentlichen Geschäfte. Weniger bekannt als die vorstehende Eintheilung sind die Namensbenennungen der Tage, welche an die Stelle der Heiligennamen traten, welche die französische Republik natürlich nicht brauchen konnte. Auch hier ging dieselbe ganz systematisch vor. An die Stelle des Heiligennamens wurde der Name irgend eines nützlichen Erzeugnisses des Pflanzen- und Mineralreiches gesetzt. Nur der fünfte Tag – Quintidi – und der letzte Tag jeder Dekade machten hiervon eine Ausnahme; ersterer wurde nach einem Thiere, letzterer nach einem Acker- oder sonstigen landwirthschaftlichen Geräthe benannt. Wie entsetzlich nüchtern und andererseits wie komisch sich solche Tagesbenennungen ausnahmen, möge aus folgenden Beispielen ersehen werden. Die erste Dekade des Reifmonats zeigte folgende Namen: 1. Rapunzel; 2. Runkelrübe; 3. Wegwart; 4. Mispel; 5. Schwein; 6. Rebkressen; 7. Blumenkohl; 8. Honig; 9. Wachholder; 10. Pickel. Die des folgenden Monats – des Schneemonats – hießen: 1. Torf; 2. Steinkohle; 3. Erdpech; 4. Schwefel; 5. Hund; 6. Lava; 7. Pflanzenerde; 8. Dünger; 9. Salpeter; 10. Dreschflegel. Zu ihrer richtigen Beurtheilung muß allerdings beigefügt werden, daß diese Namen in irgend einem Bezuge zu dem betreffenden Monate standen. H. B.