Warnung vor Vergiftung

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Textdaten
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Autor: Dr. K. R.
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Titel: Warnung vor Vergiftung
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 35, S. 594
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1877
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[594] Warnung vor Vergiftung. Durch alle Zeitungen geht der Rat, daß man sich als des kräftigsten Mittels zur Vertilgung des Coloradokäfers einer Mischung von Pariser Grün oder dem sogenannten Schweinfurter Grün bedienen solle, indem ein Eßlöffel voll davon, mit Mehl, Asche, Kreide oder einem anderen Pulver zusammengerieben, über die befallenen Kartoffelfelder ausgesiebt wird. Dabei ist jedoch nicht gesagt worden, daß dieses Schweinfurter Grün (arseniksaures Kupferoxyd) zu den furchtbarsten Giften gehört, und wenn gebildete Leute das auch wohl wissen, so giebt es doch viele Ackerwirthe, welche davon keine Ahnung haben. Das Ausstreuen des Giftes darf nur mit großer Vorsicht geschehen, und am allerwenigsten soll man es, wie vorgeschlagen ist, durch Kinder und Frauen auf die Felder aussieben lassen. In Amerika, wo solch Giftgemisch bereits im großartigsten Maßstabe im Gebrauche ist, wird es meistens vermittelst eigens dazu erfundener Apparate über die Fluren ausgesiebt, und wenn der Käfer über kurz oder lang auch bei uns in großen verheerenden Schwärmen auftreten sollte, so werden solche Vorrichtungen auch hier wohl eingeführt und käuflich zu haben sein. Aber selbst ein sogenannter Giftstreuer, eine siebartige Büchse, die an einem langen Stocke befestigt ist, oder ein blasebalgartiges Instrument, bergen trotzdem immer die Gefahr, daß bei Nichtbeachtung der Windrichtung, bei zu kurzen Stielen etc. der die Käfer vernichtende Arbeiter auch stets sich selber mehr ober minder gefährde. Ich wundere mich daher darüber, daß man den Arsenik nicht viel einfacher in Auflösung für diesen Zweck benutzen will. An Stelle der theuren Malerfarbe könnte man doch ganz einfach eine schwache Auflösung von dem viel billigeren weißen Arsenik vermittelst feinlöcheriger Brause- oder Gießkannen über die Kartoffeläcker spritzen lassen. Der Erfolg würde sicherlich derselbe sein, während eine Gefährdung der Arbeiter nur bei grober Fahrlässigkeit eintreten könnte. Die Arsenikauflösung müßte den Landleuten aber nur bereits fertig in den Apotheken verabfolgt und die dringende Mahnung hinzugefügt werden, daß die Flaschen, in denen das Giftwasser sich befindet, sowie die Gießkannen, in denen es ausgespritzt wird, durchaus für keinen andern Zweck benutzt werden dürfen.

Dr. K. R.