Wenn die Igel in der Abendstunde (Tucholsky)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Textdaten
<<< >>>
Autor: Kurt Tucholsky
unter dem Pseudonym
Theobald Tiger
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Wenn die Igel in der Abendstunde
Untertitel:
aus: Die Weltbühne. Jahrgang 24, Nummer 36, Seite 376.
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 4. September 1928
Verlag: Verlag der Weltbühne
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Die Weltbühne. Vollständiger Nachdruck der Jahrgänge 1918–1933. 24. Jahrgang 1928. Athenäum Verlag, Königstein/Ts. 1978. Scan auf Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]

[376] Wenn die Igel in der Abendstunde
                                   von Theobald Tiger

               Für achtstimmigen Männerchor

Wenn die Igel in der Abendstunde
still nach ihren Mäusen gehn,
hing auch ich verzückt an deinem Munde,
und es war um mich geschehn —

5
          Anna-Luise —!


Dein Papa ist kühn und Geometer,
er hat zwei Kanarienvögelein;
auf den Sonnabend aber geht er
gern zum Pilsner in’n Gesangverein —

10
          Anna-Luise —!


Fragt’ ich: „Wirst die meine du in Bälde?“
blicktest du voll süßer Träumerei
auf das grüne Vandervelde,
und du dachtest dir dein Teil dabei,

15
          Anna-Luise —!


Und du gabst dich mir im Unterholze
einmal hin und einmal her
und du fragtest mich mit deutschem Stolze,
ob ich auch im Krieg gewesen wär …

20
          Anna-Luise —!


Ach, ich habe dich ja so belogen!
Hab gesagt, mir wär ein Kreuz von Eisen wert,
als Gefreiter wär ich ausgezogen,
und als Hauptmann wär ich heimgekehrt —

25
          Anna-Luise —!


Als wir standen bei der Eberesche,
wo der Kronprinz einst gepflanzet hat,
raschelte ganz leise deine Wäsche,
und du strichst dir deine Röcke glatt,

30
          Anna-Luise —!


Möchtest nie wo andershin du strichen!
Siehst du dort die ersten Sterne gehn?
Habe Dank für alle unvergesserlichen
Stunden und auf Wiedersehn!

35
          Anna-Luise —!


Denn der schönste Platz, der hier auf Erden mein,
das ist Heidelberg in Wien am Rhein,
          Seemannslos.

Keine, die wie du die Flöte bliese …!

40
Lebe wohl! Leb wohl.

          Anna-Luise —!