Wer so viel ertragen und tragen kann!

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Textdaten
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Autor: Katharina Koch
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Titel: „Wer so viel ertragen und tragen kann!“
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 39, S. 648
Herausgeber: Ernst Keil
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1872
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[648]

„Wer so viel ertragen und tragen kann!“

 Von Katharina Koch.[1]

„Großmutter, Du mußt mit zum Circus gehn,
Um auch den starken Mann zu sehn.
Gewiß nicht hundert Männern gelingt,
Was der mit Arm und Brust vollbringt.
Großmutter, so was hast Du niemals gesehn!“
„„So will ich denn mit zum Circus gehn.““

Und im Circus, da stand er, der starke Mann,
Da staunten ihn Hundert und Hunderte an,
Wie die eisernen Kugeln er rollen ließ
Um den Leib, wie er spielte mit Schwert und Spieß. –
„Großmutter, nicht wahr, das bewunderst auch Du?“
Großmutter schwieg, sah ruhig zu.

Und er trug zuletzt noch zu Aller Lust
Einen Ambos, viel Centner schwer, auf der Brust,
Und ließ hämmern darauf und fragte dann:
Wer so viel ertragen und tragen kann? –
„Großmutter, nicht wahr, das kann nur Er?“
Großmutter lächelt: „„Ich trug wohl mehr!

„„Kommt, Kinder, wir wollen nach Hause geh’n,
Für mich giebt’s hier nichts Neues zu seh’n;
Gleich Kugeln umliefen die Sorgen mich,
Wie mit Schwertern spielte mit Schmerzen ich,
Und Kummer trug ich centnerschwer:
Nur zeigt’ ich es niemals für’s Geld, wie Der!““



  1. Wir führen unseren Lesern hiermit eine Dichterin vor, welche, jetzt im zweiundsechzigsten Jahre stehend, durch ihre dichterische Begabung in kleinerem Kreise viel Segen und Freude gestiftet hat. Sie waltet seit mehr als dreißig Jahren als Industrielehrerin an einer Mädchenschule in dem Marktflecken Ortenburg in Niederbaiern. Von der einfachen Ortsschule aus hat sie selbst mit unsäglichem stillem Fleiße sich fortgebildet, oft mit mühevoll zusammengesuchten Bildungsmitteln, und dabei mußte sie sechszehn Jahre theils daheim, theils in Regensburg sich als Dienstmagd durchhelfen. Man staunt über die gewandte Darlegung ihrer Gedanken und ihre schönen festen Schriftzüge. Freilich, Uebung hatten letztere später genug, denn ihre meisten Gedichte und namentlich ihre warmen und klaren geistlichen Lieder sind nur in von ihr selbst geschriebenen Heftchen in ihrer Heimath, in weitem Umkreis um Ortenburg in den Familien verbreitet. Weitstrahlender Dichterruhm ist auf diesem Wege nicht zu erwerben gewesen, aber in ihrem Kreise kennt „die Jungfer Base“ das Kind und der Greis und alle haben sie treu in’s Herz geschlossen. Möge sie uns verzeihen, daß wir sie aus dem Dunkel gleich an das Licht der „Gartenlaube“ ziehen; es ist schon werth, daß man in ganz Deutschland sich über ein solches Dichterwirken freue.
    D. Red.