Wie die reichen Bauern in Angeln auf die Heirath gehen

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Titel: Wie die reichen Bauern in Angeln auf die Heirath gehen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 5, S. 45–48
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1853
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[45]

Wie die reichen Bauern in Angeln auf die Heirath gehen.

(Sittenbild.)

Ich war Offizier in schleswig’schen Diensten und zwei Mal in einem Dorfe im Lande der Angeln, welches bekanntlich zwischen Flensburg und Schleswig liegt, einquartiert. In dem Hause meines Wirthes Johann Lanesen herrschte ein ziemlich freies und ungezwungenes Leben. Vermittelst der Glasthür, die aus meinem Zimmer in die Küche führte, waren die Hausgenossen im Stande, all mein Thun und Treiben den ganzen Tag lang zu überwachen und des Abends, wenn ich mein Licht anzündete, pflegte eine neugierige Kuh ihren Kopf zu dem niedrigen Fenster hereinzustecken, um zu sehen, was ich vorhätte. Wenn mein Bursche die Thür der Brautkammer zuzumachen vergaß – eines großen Gemaches, in welchem er unter Kisten und Truhen und Leinen und Bettzeug, welches zur Ausstattung der Tochter des Hauses bestimmt war und unter großen Haufen getrockneten Obstes und langen Schnuren Zwiebeln seinen Wohnsitz aufgeschlagen hatte – so kam eine Henne mit ihren Jungen, die hier mit ihm zusammenwohnte, in mein Zimmer getrippelt, um die Krumen aufzupicken, welche auf dem Fußboden umhergestreut lagen. Die Mägde kamen zu jeder Tageszeit ohne weitere Umstände in mein Stübchen, um irgend etwas daraus zu holen, obschon ich mich vielleicht gerade in einem Kostüm befand, in welchem man in der Regel[WS 1] keine Damenbesuche anzunehmen pflegt. Andererseits ward es aber auch durchaus nicht übel genommen, wenn ich durch die große Kammer ging, wo die Betten sämmtlicher Hausgenossen standen und hier einen derselben im tiefsten Negligé antraf.

Das Haus war mit einem Worte seiner innern Einrichtung zufolge von der Art, daß wir kein Geheimniß vor einander haben konnten. Der alte Johann konnte es allemal sehen, wenn ich mit einem stillen Seufzer einen Thaler aus meinem Koffer holte und ich dagegen sah ihn oft mit stillvergnügtem Grinsen in seinem Wandschranke von Eichenholz eine Rolle harter Thaler zu der andern legen.

Er befand sich sehr schlau, der alte Bursche, obschon es ihm Niemand angesehen hätte. Seine Kleider waren überall geflickt und der Kopf seiner unzertrennlichen Gefährtin, die Tabakspfeife, ward durch ein Stückchen Schuhdraht in einem sehr unsichern Zustande des Daseins erhalten. Sein altes Wohnhaus zeigte allerdings einige Spuren von Verfall, aber dennoch war Johann Lanesen der reichste Mann im Dorfe und hätte ein zweimal so großes und schönes Haus bauen können, als irgend einer seiner Nachbarn besaß, wenn er nur sonst gewollt hätte.

Johann war Wittwer und seine Familie bestand aus [46] einer einzigen Tochter, der kleinen Marie, auf die er nicht wenig stolz war.

„Sehen Sie,“ sagte er zu mir, „Marie ist erst neunzehn Jahr alt, aber sie führt das Hauswesen schon so gut, wie ihre brave selige Mutter.“

„Aber wie lange werdet Ihr sie wohl noch im Hause behalten? Es wird schon mancher junger Bursche ein Auge auf sie haben.“

Marie war in der That ein sehr hübsches Mädchen.

„Ach, damit hat’s keine Gefahr,“ sagte er, und blinzelte mich schlau von der Seite an. „Es wird wohl nicht gleich einer kommen, und kommt einer und ist von der rechten Sorte - nun dann mag sie ihn in Gottes Namen nehmen. Ich bin nun in die Sechzig und kann mich zur Ruhe setzen.“

Was die kleine Marie selbst betraf, so schienen Heirathsgedanken das allerletzte zu sein, womit sie sich beschäftigte. Des Morgens, wenn ich noch im süßesten Schlummer lag, ward ich von lauten hellen Stimmen aufgeweckt und das Erste, was ich, wenn ich die Augen aufschlug, sah, war der Balken über meinem Kopfe, welcher hin und her schwankte, als wenn er im nächsten Augenblick zermalmend auf mich herabstürzen wollte. Aus der Küche ließ sich ein lautes Donnern und Pochen, Holzschuhgeklapper und Singen vernehmen. Es war Marie, welche den Schwengel der Butterfaßstange an den Deckbalken befestigte und sich bemühte, das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden und die schwierige Aufgabe zu lösen, gleichzeitig zu buttern und nach einer selbstgeträllerten Melodie eine Polka in Holzschuhen zu tanzen.

Doch von Marien’s Gesang und Tanzkunst wollte ich eigentlich nicht sprechen, sondern von ihrer Verheirathung.

Es war Sonntag und sie kam eben aus der Kirche nach Hause. Da es geregnet hatte, so hatte sie ein Paar Holzschuhe angezogen, die gegen ihre feinen weißen Strümpfe und ihren übrigen ganz modernen und städtischen Anzug merkwürdig abstachen. Sämmtliche junge Leute waren in der Kirche gewesen und mein Wirth, der zu Hause geblieben war, hatte mittlerweile Besuch erhalten. Der Fremde war ein langer Mann in einem langen grauen Frack und mit einer Meerschaumpfeife im Munde. Er saß mit beiden Ellbogen auf den Tisch gestützt und den Kopf in beiden Händen haltend und sprach mit Lanesen.

„Nein, Klaus Tram,“ sagte mein Wirth, „das ist kein Mann für Marien. Sein ganzer Viehstand kann kaum ein paar hundert Thaler werth sein. Und Marie kriegt einmal mein Gut.“

„Ich will Euer Gut gar nicht schlecht machen,“ versetzte Tram, „aber ein Rittergut ist es auch noch nicht. Ihr solltet nur das Haus sehen, welches Carsten sich gebaut hat! Marie könnte wenigstens einmal hinübergehen und es sich ansehen.“

„Buten (auswendig) blank, binnen krank,“ antwortete Lanesen kopfschüttelnd; „was meinst Du dazu, Marie,“ fuhr er fort, indem er sich zu seiner Tochter wendete, die so eben eingetreten war; „hier sitzt Tram als Freiersmann für Carsten Carstensen, der aber ein ganz kleines Gütchen und kaum zehn Kühe hat.“

„Hm!“ sagte Marie.

„Nein, er hat zwölf Kühe,“ sagte Tram.

„Wir haben auf dem letzten Viehmarkte in Brarup die dreißigste gekauft,“ bemerkte Marie ruhig, während sie ihren Hut und ihr Umschlagetuch abnahm.

Die Männer sprachen noch eine Zeit lang über die Sache und endlich erhob sich Tram, um wieder fortzugehen.

„Ich sehe schon, daß wir nicht Handels einig werden,“ sagte er. „Na, es hat weiter nichts zu bedeuten; Carsten kann eine Frau kriegen, sobald er sie haben will, wenn es auch nicht gerade Eure Marie ist.“

„Hi! hi! hi!“ lachte mein Wirth. „Ihr könnt ja einmal wieder einen Sprung zu uns hereinkommen, Tram.“

Klaus Tram ist ein Mann von nicht geringer Bedeutung. Er hat ein nettes, kleines Gut mit einem Dutzend Kühen und eine ausgebreitete Bekanntschaft mehrere Meilen in der Runde. Er weiß genau, wie viel jeder Bauer im Vermögen hat und führt ein förmliches Register über sämmtliche heirathsfähige junge Bursche und Mädchen. Er ist jede Stunde bereit, Jedem, der es wünscht, eine Frau zu verschaffen und wenn vielleicht eine Wittwe sich nach einem andern Manne umsieht, der etwas Geld hat, um das Gut wieder in Betrieb zu setzten, so braucht sie sich nur an Klaus Tram zu wenden. Für eine kleine Erkenntlichkeit bringt er die Sache sofort in’s Reine, ohne daß die Betheiligten es nöthig haben, sich erst in einander zu verlieben oder Berechnungen anzustellen, oder zeitraubende Erkundigungen einzuziehen.

Den sogenannten „kleinen Leuten“ bleibt es in der Regel überlassen, ihre Lebensgefährten sich selbst zu wählen, denn bei ihnen sind nicht so viele und wichtige Punkte in Erwägung zu ziehen. Mit dem Besitzer eines großen Gutes aber ist es etwas ganz Anderes. „Geld sucht wieder Geld,“ sagt man hier, und es wäre eine furchtbare, aber wohl auch noch nie vorgekommene Mißheirath, wenn ein reicher Bauerssohn eine arme Häuslerstochter zur Frau nehmen wollte.

Klaus Tram hielt meinen Wirth beim Worte und es waren nur erst vierzehn Tage vergangen, so erschien der Heirathsagent wieder auf dem Hofe. Johann hieß ihn ziemlich mürrisch willkommen, aber nachdem sie eine Zeit lang draußen an der Schwelle mit einander gesprochen hatten, traten sie beide mit lächelnden Mienen in die Küche und Lanesen sagte zu seiner Tochter:

„Na, heute pfeift Klaus aus einem andern Tone!“ Der Sohn des reichen Niels Skytte läßt um Dich anhalten.“

„Den kenn’ ich nicht,“ sagte Marie.

„Na, das schadet nicht, Marie, Ihr könnt ihn Euch ja ansehen,“ sagte Tram. „Wenn Ihr und Euer Vater nichts dagegen habt, so können wir ja nächsten Sonntag einmal herkommen.“

„Mir recht,“ sagte mein Wirth, und die Sache schien vor der Hand abgemacht, aber diesmal durfte Klaus nicht so fortgehen, wie das vorige Mal. Heute mußte er sich niedersetzen und ich weiß nicht wie viel Tassen Kaffee trinken und als er fortging, begleitete ihn Johann bis an der Hofthor.

Der Sonntag kam und mittlerweile war das ganze Haus umgestürzt worden. In der Küche sah es aus wie in einer Porzellan- und Eisenwaarenhandlung, so vollgepfropft war sie von Tellern, Schüsseln, Krügen, Tassen, Kannen, Bratpfannen und allem andern möglichen Küchengeschirr und Kochgeräthschaften. Auf dem Heerde loderte [47] ein prasselndes Feuer, welches von dem blankgeputzten Kupfer und Messing hundertfältig zurückgespiegelt ward. Die Wohnstube war auf’s Sauberste gefegt und frisch aufgeputzt. Die Thür der Schlafkammer stand halb offen und ließ ganze Gebirge von roth- und blaugestreiften Federbetten sehen, die bis an die Decke hinaufreichten. Die Truhen und Kisten in der Brautkammer waren nur halb zugemacht und hier und da sah man einen Zipfel feine, weiße Leinwand hervorragen, während aus den Schubfächern allerlei bunte Gegenstände hervorlugten. Rings an den Wänden herum hing Marien’s Garderobe - schöne seidene, wollene und baumwollene Kleider, Tücher, Schürzen, Mäntel, Hauben, Hüte und Regenschirme in solcher Menge, daß dem Freier in Bezug auf die Ausgabe für die Garderobe seiner Frau binnen der nächsten zehn Jahre nicht Angst zu sein brauchte.

Die Thür der Milchkammer stand ebenfalls offen und gestattete einen Blick auf die vollen Milcheimer, die in enggeschlossener Reihe auf dem Fußboden von rothen Ziegelsteinen standen, während weiter hinten an der Wand ein ungeheurer Trog voll frischer Butter sichtbar war.

Sämmtliche Hausgenossen hatten natürlich ihre besten Sonntagskleider angelegt. Marie sah aus wie eine feine Dame in kolossalem Maßstabe, aber sie war nichts desto weniger wirklich hübsch mit ihren frischen, rothen Backen und gutmüthigen blauen Augen. Das Einzige, was mich an ihr unangenehm berührte, war, daß sie die von der Arbeit gerötheten dicken Finger der rechten Hand in goldene Ringe mit gefärbtem Glas, statt der Steine, gezwängt hatte.

Ihr Vater ging in seinem langen Rock und mit seiner kurzen Pfeife fortwährend hinaus und herein; er hatte sich gewaschen und rasirt und ein weißes Halstuch umgebunden, so daß ich ihn wirklich kaum wiedererkannte.

Endlich war der ersehnte Augenblick da. Zwei Leiterwagen rollten in den Hof und von den breiten eingehängten Sitzen herab stiegen drei oder vier stattliche Bäuerinnen und eben so viel langröckige Bauern, nahe Verwandte des Freiers, den sie begleiteten, um ihm bei seinem wichtigen Vorhaben zur Seite zu stehen.

Klaus Tram eröffnete den Zug. Er schritt mit der Miene eines Mannes, der sich seiner Bedeutung bewußt ist, in die Küche und durch dieselbe hindurch in die Wohnstube. Hier fanden sie Johann und seine Tochter, nebst einigen ihrer Verwandten. Der Anstand hatte ihnen nicht erlaubt, hinauszugehen und ihre Gäste zu empfangen; dies hätte ausgesehen, als ob sie auf die Heirath gar so sehr erpicht wären. In der Stube war der Empfang dafür desto wärmer, denn so wie die Gäste eintraten, wurden zwei dampfende Terrinen Suppe auf den Tisch gesetzt und nachdem man nur einige wenige Worte gewechselt, setzte man sich zu Tische.

Klaus Tram gab auch in der Unterhaltung den Ton an. Bald machte er eine Bemerkung in Bezug auf Johann’s dreißig Stück Kühe, dann erging er sich in einer längeren Hindeutung auf Niels Skytte’s Ziegelbrennerei, die, wie er sagte, „Dreck in Silber verwandeln könnte“ und wollte sich dann über seinen eigenen Witz halb todt lachen.

Das Gespräch drehete sich größtentheils um Ackerbau und Geld, ward aber nur mit Mühe im Gange erhalten. Es war klar, daß ein anderer Gegenstand die Gedanken der Tischgäste beschäftigte.

Die jungen Leute wechselten kein Sterbenswort mit einander; sie saßen am Tische einander gegenüber, sahen sich aber kaum an. Uebrigens war der Freier ein ganz hübscher junger Bursche mit kurzverschnittenem blonden Haar und einem rothen Taschentuch, welches fast zur Hälfte aus der großen Seitentasche seines Rockes heraushing.

Als die Suppe gegessen war, standen die Männer auf und stopften ihre Pfeifen. Tram streckte die Beine aus und sagte:

„Ich dächte, wir gingen nun einmal durch die Ställe.“

Und während die Männer dort waren, inspicirten die Weiber das Innere des Hauses, hoben die Federbetten in die Höhe, nahmen das Leinenzeug in prüfenden Augenschein und kosteten die Butter in der Milchkammer.

Nach einiger Zeit rief Marie ihre Gäste wieder zu Tische. Das Fleisch, welches die Brühe zur Suppe geliefert hatte, ward jetzt mit in Butter schwimmenden Kartoffeln aufgetragen. Auch standen auf dem Tische Schaalen mit klarem weißen Zucker, dessen man in der That auch wirklich höchst nothwendig bedurfte, um die dunkelrothe Flüssigkeit zu versüßen, welche unter dem Namen Wein in die Gläser geschenkt ward.

Nun ward das Gespräch bedeutend lebhafter und drehete sich um das Gut und dessen Viehstand. Einer unzeitigen Schmeichelei konnte man die Gäste durchaus nicht beschuldigen; sie lobten nur, was handgreiflich gut war und nahmen keinen Anstand, an dem alten Wohnhause allerlei auszusetzen und zu berechnen, was wohl ein Neubau kosten würde.

Hierauf trat abermals eine Pause ein, die Pfeifen wurden wieder gestopft, und ein zweiter Spaziergang angetreten, bis eine prachtvolle, herrlich gebratene Schöpskeule auf den Tisch gesetzt ward. Man ging nun allmälig näher auf den Zweck des Besuches ein und sprach sich ohne Rückhalt über den beiderseitigen Stand des Vermögens und der sonstigen Habe aus. Während die Gesellschaft Kaffe trank, der ihr von Marien in nicht geringen Quantitäten aufgenöthigt ward, war man der Verständigung ziemlich nahe gekommen und als der Bräutigam seinen Löffel quer über die Obertasse legte, um dadurch anzudeuten, daß es ihm unmöglich sei, eine siebente Tasse zu trinken, war er mit meinem Wirth bis auf ein paar hundert Thaler einig, welche, wie er meinte, Johann der Ausstattung seiner Tochter noch hinzufügen könnte.

Eine Zeit lang schien es, als wenn keine von beiden Parteien zum Nachgeben geneigt sei und Tram sah sich genöthigt, verschiedene diplomatische Missionen von der einen Seite des Zimmers nach der andern zu unternehmen und zwischen den beiden Parteien zu unterhandeln, die sich in entgegengesetzten Ecken gruppirt hatten und die Sache unter sich discutirten.

Endlich ward ein Traktat abgeschlossen und Johann sagte trocken:

„Na, meinetwegen. Was meinst Du denn dazu, Marie?“

Und Marie, welche emsig beschäftigt war, den Tisch abzuräumen, blieb mit einem Haufen Geschirr in den Händen einen Augenblick an der Thür stehen, drehete sich halb herum und sagte:

[48] „Na ja.“

Damit war die Sache entschieden. Der unermüdliche Tram setzte sofort den Contrakt auf, der nicht sobald unterzeichnet war, als der Bräutigam seine Uhr herauszog und sagte:

„Ich dächte, wir machten nun, daß wir nach Hause kämen.“

Und sofort brach die Gesellschaft auf, ohne daß Braut oder Bräutigam ein einziges zärtliches Wort gewechselt oder einander auch nur die Hand gedrückt hätten, – aber freilich hätte es sich auch nicht recht geschickt, in Gegenwart Anderer sich solche Vertraulichkeiten zu erlauben.

Acht Tage später sah man Braut und Bräutigam, jedes mit einem Regenschirm unter dem Arm und auf entgegengesetzten Seiten der Straße nach dem Pfarrhause gehen, um das Aufgebot zu bestellen und drei Wochen später war kein kleiner Lärm im Dorfe, denn der Sohn des reichen Niels Skytte ward mit der Tochter des reichen Johann Lanesen getraut.

Ich bekam leider nichts von dieser Festlichkeit zu sehen, bei welcher ich außerdem ganz gewiß die schmeichelhafte Rolle eines Ehrengastes gespielt haben würde. Ich hatte mittlerweile mit meiner Compagnie ausrücken müssen und als ich wiederkam, saß mein alter Wirth, seine Pfeife schmauchend, auf der Bank vor der Hausthür und sah seinem Schwiegersohn zu, welcher geschäftig auf dem Hofe umher und in die Scheune hinein und heraus lief. Die kleine Marie war in der Milchkammer und wusch Butter aus, ihr Mann hatte schon wieder eine Kuh gekauft, und es läßt sich kaum daran zweifeln, daß sie eine glückliche Gattin in einem Lande sein wird, wo das häusliche Glück lediglich auf der Grundlage des Reichthums beruht.

Was übrigens die Werbeangelegenheiten betrifft, so habe ich ganz im Stillen mir gesagt, daß mit einigen Abänderungen die Sache in unserer Heimath, bei Baronen, Banquiers und Gevatter Schneider und Handschuhmacher ganz in derselben Weise betrieben wird.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Angel (Korrektur gemäß Heft 6, Seite 66)