Wiegenlied (Adolf Marquardt)

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Autor: Adolf Marquardt
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Titel: Wiegenlied
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 5, S. 151
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1892
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[151]
Wiegenlied.
(Zu dem Bilde S. 152 und 153.)

Hier in der alten verfallenen Pracht
Schlummere, Knabe, schlummere sacht!
Wohl hat die Sonne noch goldenen Stand,
Wohl steht rauschend die Welle durchs Land,
            Ader du
            Träume nur zu,
Sonne und Strom auch, die wandernden, nah’n,
Träumend zu ruhen, dem Ocean.

Hörst du im tiefen Walde, mein Kind,
Dunkle Märchen flüstern den Wind?
Dort bei der Eichen düsterem Platz
Hütet der Riese den funkelnden Schatz;
      Aber in Ruh’
      Schlummere du!
Horch, wie die Spindel geht – hörst es so gern,
Mutter wacht und der Riese ist fern.

Selig, wen rein das Leben ließ –
Du darfst noch schauen das Paradies,
Darfst mit den Engeln spielen im Traum –
Stille! sie kommen, noch hörst du sie kaum,
            Aber schon klingt’s.
            Schwingt sich und singt’s,
Leise schließe die Augen, schlaf ein,
Und der Himmel, der ganze, ist dein!

Weit ist die Welt und enge dein Reich,
Kannst es umfah’n mit den Aermchen weich –
Nicht in der Ferne einst suche das Glück,
Kehrest nur müde zur Heimath zurück;
            Mutterhut
            Meint es so gut,
Geh’ nicht, so lang sie dich schirmen mag,
Ach, es endet der schönste Tag!

Müde schon schicken die Minnen den Hauch,
Neigen das Köpfchen und schlafen auch,
Halb glüh’n Sterne in dunkelndem Feld,
Heim zieh’n die Herden, es schweigt die Welt,
            Hält nun wie du
            Selige Ruh’ –
Darum hinein in die heilige Nacht
Schlummere, Knabe, schlummere sacht!

Adolf Marquardt.
[152]
Die Gartenlaube (1892) b 152.jpg

Wiegenlied.
Nach einem Gemälde von H. Lauenstein.