Allgemeines Deutsches Kommersbuch:193

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Schauenburg:
Allgemeines Deutsches Kommersbuch
Seite 384, 385
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[384]

Drip und drop und drip und drop, das ist ein wahrer Segen, es
fehl=te uns seit lan=gem schon ein warmer, feuchter Re=gen!

     2. Das scheint mir doch ein schlechter Spaß: Die erbsendicken
Tropfen auf einmal an das Fensterglas etwas zu vorlaut klopfen.
Jetzt wär es, dacht ich, doch genug — Hans, reiche mir das Liederbuch,
wir wollen daraus Zug um Zug, dem Regen trotzend, singen |: Drip
und drop und drip und drop, wie dicht die Tropfen fallen! Bei wäss=
riger Begleitung soll ein fröhlich Lied erschallen! :|

     3. Das draußen trinkt das frische Naß begierig Blatt und Blüte.
Im Keller hier liegt noch ein Faß von auserlesner Güte. Jetzt, Fäß=
lein, naht auch deine Zeit, denn heut regiert die Feuchtigkeit, aus=
gleichende Gerechtigkeit will Nässe draus und drinnen. Drip und drop
und drip und drop, es gießt als wie mit Kübeln, wer will das biß=
chen Feuchtigkeit im Kruge mir verübeln?

     4. Es nimmt der Regen noch kein End! Ei, rückt nur dicht
zusammen! Und leuchtet’s hell am Firmament in hunderttausend
Flammenm, zieht’s Mägdlein zu euch auf den Sitz, das ist ja grad
der rechte Witz, daß wir so zwischen Blitz und Blitz den Donner lassen
schallen. Drip und drop und drip und drop, es schüttet aus den
Traufen, als wollte heut mit einem Schlag die ganze Welt versaufen!

     5. O Zeus, hörst du denn gar nicht auf? Gefüllt sind alle Gossen,
doch kommt in nimmer müden Lauf der Wasserschwall geflossen. Be=
ständig steigt es in die Höh, die ganze Gegend ist ein See. Wenn
ich den Himmel recht versteh, so wird es ewig regnen. Drip und drop
und drip und drop, und steigt es nun noch weiter, flücht ich mit
Krug und Liederbuch und Mägdlein auf die Leiter!

Rudolf Hermanns.


          427.     Lied fahrender Schüler.     (I. 48.)

     Mäßig schnell. Preiskomposition von V. E. Becker. 1861.

     1. Wohlauf, die Luft geht frisch und rein, wer lan=ge sitzt muß
[385] rosten; den al=ler=son=nigsten Sonnenschein läßt uns der Himmel
kos=ten. Jetzt reicht mir Stab und Or=dens=kleid der
fahrenden Schola=ren, ich will zu gu=ter Sommer=zeit ins
Land der Franken fah=ren! Val=le=ri, val=le=ra, val=le=
ri, val=le=ra, ins Land der Fran=ken fah=ren!

     2. Der Wald steht grün, die Jagd geht gut, schwer ist das Korn
geraten; sie können auf des Maines Flut die Schiffe kaum verladen.
Bald hebt sich auch das Herbsten an, die Kelter harrt des Weines; der
Winzer Schutzherr Kilian beschert uns etwas Feines. |: Valleri, val=
lera, :| beschert uns etwas Feines.

     3. Wallfahrer ziehen durch das Thal mit fliegenden Standarten,
hell grüßt ihr doppelter Choral den weiten Gottesgarten. Wie gerne
wär ich mitgewallt, ihr Pfarr wollt mich nicht haben. So muß ich
seitwärts durch den Wald als räudig Schäflein traben. Valleri ec.

     4. Zum heilgen Veit vom Staffelstein komm ich emporgestiegen
und seh die Lande um den Main zu meinen Füßen liegen: Von Bam=
berg bis zum Grabfeldgau umrahmen Berg und Hügel die breite,
stromdurchglänzte Au, ich wollt, mir wüchsen Flügel! Valleri ec.

     5. Einsiedelmann ist nicht zu Haus, dieweil es Zeit zu mähen;
ich seh ihn an der Halde draus bei einer Schnittrin stehen. Verfahr=
ner Schüler Stoßgebet heißt: Herr, gieb uns zu trinken! Doch wer
bei schöner Schnittrin steht, dem mag man lange winken. Valleri ec.