Zedler:Bielefeld

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Bielegrod

Band: 3 (1733), Spalte: 1781–1782. (Scan)

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Bielefeld, oder Bielfeld, Bilfeld, Bilefeld die Hauptstadt der Garfschaft Ravensberg in Westphalen, 2 Meilen von Hervord, 5 von Minden und 7 von Osnabrück zur Rechten des Flüßleins Luther, in einer Gegend, wo es viel Gehöltze giebt.

Sie ist eine alte Hansee-Stadt, wohl gebauet, und hat gute Nahrung von der schönen klaren Leinwand, welche allda in grosser Menge gemacht wird. In der Grösse kömmt sie fast mit der Stadt Stade im Bremischen überein, nur daß sie nicht so feste ist. Sonsten hat sie 2 Pfarr-Kirchen, 1 Closter, gute Schule, steinern Rath- und Kauff-Haus. Zur Bedeckung dienet ihr das Berg-Schloß Sparenberg, welches ausser der Stadt auf einen hohen Felsen stehet, und sehr feste ist, in welchen stets Chur-Brandenburgische Besatzung lieget.

Als an. 1612. in Teutschland, und sonderlich in Westphalen grosse Erdbeben entstunden, so geschahe sowol in der Stadt Bielefeld, als auf dem Schlosse Sparenberg an denen Mauren und Gebäuden grosser Schaden, und war dieses merckwürdig dabey, daß bey schönen stillen Wetter sich die Bäume auf dem Felde bewegten, als wenn ein starcker Wind drein gienge, wie im vermehrten Thuano stehet. An. 1625. hat Hertzog Christian von Braunschweig diese Stadt eingenommen, aber sie ist bald von denen Kayserlichen und Ligistischen erobert worden. An. 1637. im Junio kam sie in derer Hessen Gewalt, welche alles daherum mit Contribution belegten. An. 1673. im April wurde sie von dem kriegerischen Bischof zu Münster nebst vielen andern herum liegenden Städten belagert, aber nicht erobert. Als an. 1679. am 6. Jul. die eingefallenen Frantzosen das Sparenberg auch angriffen, wiewol vergeblich, so nahm die Stadt Bielefeld [1782] am 12. Jun. etliche feindliche Trouppen ein, welche die Bürgerschafft sehr hart und so lange beschwerten, bis sie nach völlig geschlossenen Frieden dererselben wieder ledig wurden.

In dieser Gegend fielen im Sommer des 1685. Jahres Schlossen von 5. 6. 7. bis 8. Pfunden, welche nicht allein zwischen dieser Stadt und Hervorden das Getreyde also, daß kein Halm im Felde stehen blieb, und alle Scheiben in denen Fenstern, sondern auch viele Menschen und Vieh erschlugen.

Diese Stadt gehöret zur Grafschaft Ravensberg, und ist im 17. Seculo an das Churfürstliche Haus Brandenburg gekommen, welches sie auch noch besitzet.

Werdenhag. de reb. Hans. V. 7. Schneiders Beschr. des alt. Sachsen-Landes. p. 129. Zeiler. Topogr. Westphal. p. 10. Reichs-Geogr. IX. p. 1236. Rothens Memorab. Europ. Dicel. Geogr. Diction. Junckers Anleit. zur mittl. Geogr. II. 15. p. 613.