Zedler:Fürstliches Collegium, Fürsten-Rath

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Band: 9 (1735), Spalte: 2269–2273. (Scan)

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Fürstliches Collegium oder Fürsten-Rath, lat. Principum Senatus ist auf dem Reichs-Tage das andere Collegium, und bestand ehemahls in 2. Bäncken nemlich die Geistliche und weltliche. Auctor. des ausführl. Berichts ap. Goldast. der Reichs-Händel P.XXII. [2270] c.6. p.931. Lundorp. Act. Publ. T.IV. Lib.IV. c.43. p.857. Lehmannen Speyer. Chron. VII. 124. p.10.16.

Heutiges Tages bestehets in 3. Bäncken, auf der Rechten sitzen nebst dem Ertzhertzog von Oesterreich und dem Hertzog von Burgund die geistlichen Fürsten und Praelaten, auf der Lincken die weltlichen Fürsten, Grafen und Herren, und auf der dritten oder Quer-Banck die Protestantischen Bischöffe; Lundorp. Acta Publ. T.VII. Lib.VI. §.136. p.57. Lünigs Reichs-Archiv. P.II. c.5. p.39.

Oesterreich und Burgund sitzet also wie gedacht mit bey denen geistlichen Fürsten entweder aus einem besondern Privilegio, oder wegen sonderbaren Vorzugs, oder um Streit zu vermeiden mit denen Häusern Pfaltz, Sachsen etc. Auctor der Grundfeste des H. R. Reichs P.II. c.5. p.89.

Das Directorium und Jus Proponendi hat Oesterreich und Saltzburg wechselsweise, Auctor des ausfürl. Berichts, wie es auf Reichs-Tägen pflegt gehalten zu werden ap. Goldast. l.c. P.XXII. c.7. p.932. Lundorp. l.c. T.IV. Lib.IV. c.43. p.857. Lehmann l.c. VII. 124. p.1016. Limaeus Jur.Publ. IX. 1. §.142. p.31. T.IV. p.411. Arumnaeus de Comitiis c.7. §.87. Hagemeier de Comitiis c.5. p.11.seq. Schütz J.Publ. Vol.I. Exercit. 10. th.14. p.825. ibique Scharschmid. in Not. p.834. Conring. de Republ. German. Exercit. IX; de Comitiis Imp. §.51. p.614.seq. Lünig l.c. P.General. P.II. §.4. p.21. Schweder. Introd. in J.P. P.spec. Sect.I. c.30. §.13. p.654. Nitschius Ad Capitul.Joseph. Art.III. c.6. §.14. p.226.seq. Haygmayr Discurs de primis Juris Publ. Princip. Sect.VI. Aphor.6. p.189.seq.

Die Stimmen samlet der Erb-Marschall Graf von Pappenheim, welcher nicht weit von dem Directorial-Tische seinen Sitz hat, indem er die Stände wechselsweise von einer Banck zur andern aufrufft, welches so lange nach einander fortgehet, biß die geistlichen Fürsten aufhören, da hernach die Weltlichen nach einander aufgerufft werden. Bey dessen Abwesenheit des Erb-Marschalls thut solches das Directorium, Lundorp. l.c. Tom.IV. Lib.IV. c.44. §.5. p.867. T.VII. Lib.VI. §.137. p.57. Lünig l.c. Part.General. P.II. c.3. p.39.

Ein jeder so wohl geistl- als weltlicher Fürst hat sein Votum viritim oder eigene Stimme; die ungefürsteten Prälaten, Grafen und Herren aber haben Vota curiata und geben die Prälaten nur 2. die Grafen und Herrn aber 4. Stimmen. Und zwar was die besagten ungefürsteten Prälaten anlanget, so haben sie schon vor diesem 2. Vota nemlich die Schwäbischen und Rheinischen gehabt. Auctor des ausfürl. Berichts ap. Goldast. l.c. Lundorp l.c. Lehmannin l.c. Nach diesem haben sie sich nur eines Voti eine Zeitlang bedient, als aber auf dem Reichs-Tag zu Regenspurg an. 1641. die Fränckischen Grafen ein besonder Votum wieder erhalten, wovon hernach ein mehrers soll gesaget werden, so haben die Rheinischen Prälaten um Wieder Erlangung ihres Voti, so bißhero freywillig unterlassen, ein Memorial eingegeben, welches ihnen auch an. 1654. zugestanden worden, und ist davon das Kayserliche Decret von an. 1653. beym Lundorp. l.c. T.VI. Lib.V. §.39. p.580. Auctore der Grundfeste des H. R. Reichs P. II. c.5. p.94. Lünig l.c. p.672. Pfeffinger ad Vitriar J.P. Lib.IV. Tit.I. §.61. not.a zu lesen. Seit dem führen also die ungefürsteten Prälaten, wie vor Alters 2. Vota. Arumneus l.c. §.89. Bertram de Comitis mempr. V. th.70. Paurmeister de Jurisd.Imper.Germ. II.2. §.25. p.441. Wehner Opserv.Pract. v. Reichs-Tag. p.406.seq. Schütz. l.c. Vol.I. Exerc.X. th.14. p.824. Auctor der Grundfeste etc. [2271] l.c. p.91. Obrecht ad Monzamb. Exercit. 2. c.2. §.11. p.49. Imhoff. Notit.Proc.Imp. III. 28. Rulpilius ad Monzamban. c.2. §.11. p.578.seq. Conring. de Rupl.Exercit. 9. de Comit. th.50. p.514. Schweder. l.c. Part.Spec. Sect.I. c.30. §.13.

Die Grafen und Herren haben sonst ebenfalls nur 2. Vota gehabt, nehmlich die Schwäbischen und Wetterauischen, wozu anno 1640. und 41. die Fränckischen Lundorp. l.c. T.IV. Addit. ad Lib.IV. c.44. §.35.seq. p.1015. Limaeus T.IV. Addit. ad Lib.IX. J.P. c.1. §.143. p.412. und an. 1653. die Westphälischen und Nieder-Sächsischen kommen. Demnach sind also heute zu Tage 4. Bäncke und so viel Vota derer Grafen und Herren.

Die geistlichen Fürsten sind folgende, als zwey Ertz-Bischöffe 1) zu Saltzburg, 2) zu Pesancon und nach demselben wird 3) der Hoch und Deutsch-Meister zu Mergentheim eingeschoben. Darnach ein und zwantzig Bischöffe als 1) zu Bamberg, 2) Würtzburg, 3) Worms, 4) Speyer, 5.) Eichstadt, 6) Straßburg, 7) Costnitz, 8) Augspurg, 9) Hildesheim, 10) Paderborn, 11) Freysingen, 12) Regenspurg, 13) Passau, 14) Trident, 15) Brixen, 16) Basel, 17) Lüttich, 18) Osnabrück, 19) Münster, 20) Lübeck, 21) Chur, die beyden protestirenden Bischöffe zu Osnabrück, wenn nemlich ein Protestirender ist, und Lübeck sitzen auf obgedachter Quer-Banck. Darauf folgen eilf Gefürstete Praelaten, welche theils Aebte, theils Pröbste sind, 1) Fulda, 2) Kempten, 3) Ellwangen, 4) Murbach, 5) Lüders, 6) der Johanniter-Meister zu Heidersheim, 7) Bergtolsgaden, 8) Weissenburg, 9) Prüm, 10) Stablo und Malmedy, 11) Corvey, 12) Reichenau. Und biß hieher werden die Vota viritim abgeleget, die folgenden aber votiren curiatim.

Dergleichen sind die ungefürsteten Praelaten auf der Schwäbischen Banck, vierzehn an der Zahl. Nemlich die Aebte 1) Marchthal, 2) Elchingen, 3) Salmannweiler, 4) Weingarten, 5) Ochsenhausen, 6) Irsingen, 7) Petershausen, 8) Ursperg, 9) Münchroden, 10) Roggenburg, 11) Weissenau, 12) Schussenried, 13) Wettenhausen, 14) Gengenbach. Dazu werden nach der Abt von Ottenbeuren und Zwiefalten gerechnet, welche beyde aber keinen Sitz noch Stimme auf denen Schwäbischen Creiß-Tägen haben. Europ. Herold. Tom.I. p.605.

Diesen folgen die Praelaten auf der Rheinischen Banck, das sind folgende Aebte 1) zu Kaysersheim, 2) St. Emmeran, 3) St. Georgen, 4) St. Ulrich und Afrae, 5) Werden, 6) Cornelii Münster. Ehemahls wurden auch hieher gerechnet die Teutschen Ordens-Comthure derer Balleyen zu Coblentz, in Elsaß und Burgund, in Oesterreich und an der Etsch, ingleichen der Probst zu Udenheim oder Bruchsal, welcher von dem Bischlffe zu Speyer, der Abt zu Walckenried, welches von dem Hauß Braunschweig, der Abt zu Münster in Gregorien-Thal, Waldsassen, welcher von dem Churfürsten zu Bayern, der Abt zu Salfeld, welcher von dem Hertzog zu Sachsen-Gotha, eximiret wird, ferner werden auch noch hieher gerechnet die beyden Aebte von Isni und Stein, und der Praelat von S. Joannis in der Stadt Lübeck. Den Beschluß machen folgende funfzehn Aebtißinnen: 1) zu Essen, 2) Buchau, 3) Quedlinburg, 4) Andlau, 5) Lindau, 6) Hervorden, 7) Gernrode, 8) Ober-Münster, 9) Nieder-Münster, 10) Burscheid, 11) Gandersheim, 12) Rotenmunster, 13) Gutencell, 14) Heggenbach und 15) Baidt. Lundorp. l.c. Bilderbecks Reichs-Staat Tom.II. p.82. Imhoff. l.c. Zweyburg P.II. Tit.14. Auctor der Grundfeste l.c. p.96. Europ. Herold. Tom.I. p.822. [2272] Scharschmid, ad Schütz, I.P. Vol.I. Exerc.X. th.14. p.833. Lünig. l.c.

Von der geistlichen Banck ist zu mercken, daß die Oesterreichschen, Burgundischen und Saltzburgischen Gesandten keinem Fürsten, so in Person erscheinet, weichen. Lundorp, l.c. Tom.IV. Lib.4. c.44. Sess.I. p.867. Tom.VII. Lib.6. §.138. p.58. Hagemeier de Comitiis c.5. p.12.

Die weltlichen Fürsten sind folgende und zwar die alten Fürstlichen Häusser, 1) die Ertz-Hertzoge zu Oesterreich, die aber den ersten Platz nicht auf der weltlichen, sondern wie bereits gedacht auf der geistlichen Banck haben, 2) die Pfaltz-Grafen am Rhein, 3) die Hertzoge zu Sachsen, 4) die Marggrafen von Brandenburg, 5) die Hertzoge von Braunschweig-Lüneburg 6) die Hertzoge von Würtenberg, 7) die Hertzoge von Mecklenburg, 8) die Land-Grafen von Hessen, 9) die Marggrafen zu Baden 10.) Die Hertzoge von Schleswich- und Holstein 11.) die Fürsten von Anhalt, darauf folgen die neuen Fürstlichen Häuser: 1.) Arenberg, 2.) Hohenzollern, 3.) Eggenberg 4.) Lobkowitz, 5.) Salm, 6.) Nassau 7.) Auersberg 8.) Ost-Frießland, 9.) Fürstenberg. 10.) Schwartzenberg 11.) Oettingen, 12.) Lichtenstein, 13.) Dietrichstein, 14.) Piccolomini. 15.) Portia. Und biß hieher sind so viel Vota, als Personen: die folgenden, votiren curiatim. Es sind mehr neue fürstliche Häuser, die aber noch zur Zeit nicht introduciret worden.

Auf die Fürsten folgen die Reichs-Grafen und Herren, welche gedachter massen in 4. Bäncke abgetheilet sind. Auf der Wetterauischen Grafen-Banck sitzen die Grafen, 1) von Berg, 2.) Chrichingen sind ausgestorben 3.) die Freyherrn von Fleckenstein, so an. 1720. ausgestorben, 4.) Hanau, 5.) Hatzfeld, 6.) Isenburg, 7.) Hiningen 8.) Manßfeld, 9.) Nassau, 10.) Ortenburg, 11.) Wild- und Rhein-Grafen, 12.) Reussen, 13.) Sayn und Wittgenstein, 14.) Schönburg, 15.) Solms, 16.) Schwarburg, 17.) Stollberg, 18.) Waldeck, 19.) Wartenberg. Lünig, Thesaur. Juris Comit. c.18. §.4.5. p.892.

In diesem Wetterauischen Collegio wird alle 3. Jahr ein Director und Vice-Director erwehlet, und ihnen 2. adjungiret. In der Wahl wird auf ein solches Hauß reflectiret, welches mit Räthen zu füglicher Administration des Directorial-Amts versehen. Die ordentlichen Zusammenkünffte hält dieses Hochlöbliche Collegium zu Friedburg. Lünig l.c. §.40. p.888.

Auf der Schwäbischen Grafen-Banck sitzen die Grafen von Fürstenberg, die Directores, 2.) Cronberg, so an. 1709. ausgestorben, 3.) die Freyherrn von Freyberg und Justingen, 4.) die Grafen Fugger. 5.) Graveneck, 6.) Hohen-Ems 7.) Königseck, 8.) Maxelrain, 9.) Montfort, 10.) Oettingen, 11.) Freyherrn von Rechberg, 12.) Grafen von Pappenheim, 13.) Schlick, 14.) Sintzendorff 15.) Sultz sind ausgestorben, 16.) Tilly sind ausgestorben. 17.) Abensberg und Traun, 18.) Trautmannsdorff, 19.) die Truchsesse von Waldburg 20.) Weissenwolff. 21.) Waldstein, 22.) Wolckenstein, 23.) Wolffstein. Kurtzer Bericht, was für Stände bei dem löblichen Reichs-Gräflichen Schwäbischen Collegio würcklich concurriren und wie es mit ihnen sedendo & votando gehalten wird de an. 1724. ap. Lünig, l.c. c.18. §.46. p.892.

Dieses Gräfliche Collegium wählet 2. Directores und 4. Adiunctos, per dies vitae permanentes. Es hat 2. Bäncke eine zur rechten, die andere zur lincken Hand; auf jener sitzen die 4. ältern Geschlechter, auf dieser die andern Herren Grafen nach dem Senio Personarum; Doch werden die Vota alternando von einer Banck zur andern aufgeruffen. Lünig l.c. §.46. p.888.

Auf der Fränckischen Grafen-Banck sitzen 1) die Grafen [2273] von Castell, 2) von Dornbach, so an. 1697. abgestorben, 3) Erpach, 4) Hohenlohe, 5) Geyer, 6) Schencken von Limburg, welche an. 1714. abgestorben, 7) Löwenstein-Wertheim 8) Nothafften, 9) Nostitz, 10) Schönborn, Windischgrätz. Europ. Herold. l.c. p.722.seqq. Bilderbeck l.c. c.31. p.224. Zweyburg. l.c. p.118. Lünig. l.c. §.47. p.893.

In diesem Hochlöblichen Collegio ist das Directorium ambulatorium juxta Senium, und kommt gleichfalls alle 3. Jahr an einen andern. Auf desselben Begehren wird ihm ein Adiunctus verstattet. Lünig. l.c. §.40. p.888.

Bey diesen 3. gräflichen Collegiis wird das Directorium ohne Entgeld geführet. Von dem Directorio des gräflichen Westphälischen Collegii schreibet Lünig. l.c.

Die mehresten aus dem gräflichen Westphälischen Collegio haben vor wenigen Jahren auch 2. Directores einen Catholischen und einen Augspurgischer Confeßion zugethanen erwählet. Weil aber die Fürsten, so Vota in diesem Collegio haben, solch Directorium bißhero nicht agnosciret, so bleibt es noch zur Zeit in Ungewißheit, und wird sonst das Votum durch monathliche Alternation, unter denen Herren Gesandten des Collegii, in Comitiis geführet, etc.

Es sitzen aber auf dieser Westphälischen Grafen-Banck die Grafen von 1) Bentheim-Bentheim, Bentheim-Tecklenburg, Bentheim-Steinfurt, 2) Bromhorst und Gronßfeld 3.) Lippe, 4) Manderscheid, 5) Marck, 6) Metternicht, 7) Rantzau, 8) Reckheim 9) Rietburg, 10) Salm und Reifferscheid, 11) Vehlen, 12) Waldpadt von Passenheim, 13) Wied Zweyburg l.c. P.II. c.14.seqq. Lünig. l.c. c.18. §.48. p.894.seq. Thulden, Vontin. Hist. Vniuers. p.70. Europ. Herold. Tom.I. p.662.sqq. Imhoff. l.c. IX. Bilderbeck l.c. c.32. p.228.sqq. zu mercken ist, daß solche Grafen und Herren nicht allemahl in dem Crayse ihre Güter haben, oder wohnen, wohin sie sich ratione Collegii Comitum bekennen; sondern darunter sonst auf ihre Conveniente sehen.

Von denen weltlichen Fürsten ist zu mercken, daß ein Fürst, so in Person erscheinet, allen Gesandten vorgehet, und zwar wenn es einer von gedachten alten Häusern ist, so hat er die erste Session und secundum Votum Immediate post Directorium; ist es aber einer von den neuen, so hat solches zwar quoad Sessionem Statt, das Votum aber legen sie nach denen Gesandten post omnes, vor denen Wetterau- und Schwäbischen Grafen, ab. Lundorp, l.c. Tom.IV. Lib.IV. c.44. §.5. p.867. T.VII. Lib.VI. §.138. v.6. p.58. Pfeffinger. l.c. Lib. Tit.I. §.58.seqq. p.361.seqq.