Zedler:Hexen-Pfeile

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Hexerey

Band: 12 (1735), Spalte: 1977–1978. (Scan)

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Hexen-Pfeile, Lapides Lanceae cuspidem referentes, sind Steine, welche an Gestalt dem Alpschoß ziemlich gleich kommen, und von denen Schottländern Sagittae Laniarum genennet werden, wie Sibbaldus in seiner Schottländischen Historie p. 49. bezeuget, allwo er eine genaue Beschreibung dessen aus Herrn von Straloch Beschreibung der Herrschafft Abredonien anzühet, welche aus dem Lateinischen ins Teutsche versetzet also lautet: Ich kan nicht vorüber, hier einen Stein zu beschreiben, so in diesem Lande fället, und von niemand bis hieher beschrieben worden.

Dieser Stein ist kein Edelgestein noch durchsichtig, sondern bestehet aus einem harten doch sehr zerbrechlichen Kissel-Steine deren es hier genung giebet. Sie scheinen zwar gekünstelt zu seyn, dürfften aber schwerlich aus einer so zerbrechlichen Materie so gemachet werden können. Man findet sie in zweyerley Gestalt; Einige bestehen aus einer dreyeckigten Spitze, wie ein Spieß formiret; die andern sind wie die Spitze von einem Jäger-Eisen, oder Spieß; alle aber sind so groß, u. sehen aus wie Kissel-Steine, woher sie rühren, 1. 2. oder nur eines halben Zolles lang, so dick als ein oder zwey Gersten-Körner; auswendig gantz rauch und ungeschliffen, doch an denen Seiten scharfficht.

Dieses allein ist recht wunderlich an diesen Steinen, daß man sie zuweilen ohngefehr auf denen Aeckern, auch an denen Strassen und Wegen findet, niemahlen aber dieselbe antreffen kan, wenn man sie mit Fleiß aufsuchet. Heut findet man sie von ohngefehr, wo gestern nichts war: Nach Mittage, wo vor Mittags alles blos zu seyn schiene, und zwar gemeiniglich in Sommer, bey hellen Tagen. Ein glaubwürdiger, frommer Mann hat mir erzehlet, daß, als er zu Pferde über Feld geritten, einer oben in seinem Stieffel sey gefunden worden. Eben dergleichen ist auch einer gewissen Frau zu Pferde geschehen, welche einen aus denen Falbeln des Kleides gezogen. Diese Steine nennet der gemeine Mann in seiner Mutter-Sprache [1978] Elf-Arrowheads, welches auf Lateinisch so viel heisset, als ferreas Saggittarum Sagittas, d. i. eiserne Hexen-Pfeile, womit die Hexen schüssen: denn hier heisset man die Hexen und dergleichen Geschmeisse Elfs. Von diesen und deren Pfeilschüssen glauben viele dergleichen Sachen, welche hier anzuführen gantz undienlich wär. Bishierher Stralochius.

Obbelobter H. Sibbaldus hält davor, daß es gemachte Steine seyn, die vielleicht des Aldrovandi Lapides Sagitarii, deren sich die Römer sollen bedienet haben, von welchen es die Schottländer vielleicht gelernet. Die Figur ist in des Aldrovandi Mus. Metall. p. 634. zu befinden, wobey dieses noch zu erinnern, daß die bey uns so genannte Donner-Aexte und Donner-Keule, davon an seinem Orte gehandelt worden, ohne Zweiffel auch also gekünstelt sind, welches nicht allein an denen Löchern zu sehen, (so auf einer Seite, wo die Bohrer angesetzet worden, glatt, auf der andern Seite, wo sie durchgegangen, abgebrochen und zerstückelt scheinen) auch aus der Schärffe so wohl derer steinernen als metallenen abzunehmen ist: woraus H. D. Jacobaeus in dem Königl. Dänischen Mus. p. 35. schlüsset, daß sie von denen Alten vor diesem entweder im Kriege zur Gegenwehr, oder Holtz und andere Sachen damit zu spalten, oder wie Hk. D. Spener meynet, zu Opfer-Messern seyn gebrauchet worden, indem man Nachricht findet, daß die Nordischen Völcker sich vor alten Zeiten dergleichen bedienet hätten. So ist auch bekannt, daß die Indianer, ehe das Eisen ihnen bekannt worden, alle ihre Messer, Dolchen, und dergleichen aus Stein gemachet, besonders aus dem Lapide novacularum und Cultello Indiano Imperati, welcher aus dem Ximene weitläufftig in des Wormii Museo p. 92. beschrieben wird.

Zugeschweigen, daß man in H. Schrifft dergleichen Stelle antreffe, daß man geschärffte Steine zur Beschneidung gebraucht habe: Welches alles denen Herren Antiquariis zu fernerer Untersuchung anheim gestellet wird.