Zedler:Meissen, eine Marck-Grafschafft

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Meissen, das Bißthum

Band: 20 (1739), Spalte: 376–384. (Scan)

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Meissen, Lateinisch Marchionatus Misniae, eine Marck-Grafschafft in Ober-Sachsen, welche eines der schönsten Länder in Deutschland ist, und gegen Morgen an die Marck-Grafschafft Laußnitz, gegen Mittag an das Königreich Böhmen, gegen Abend an die Land-Grafschafft Thüringen, gegen Mitternacht an das Churfürstenthum Sachsen gräntzet. Ihre Länge erstrecket sich auf 22 bis 24, und die Breite von 15 bis 18 Deutsche Meilen. Sie wird in der Form eines Triangels abgebildet, und hat also gegen Aufgang die Elbe, gegen Niedergang die Elbe und Sala, gegen Mittag das Böhmische Gebürge, Montes Sudetes genannt.

Der Ursprung dieser Marck-Grafschafft ist dieser: Als Heinrich der Vogler mit den Ungarn, Pohlen, Böhmen, Wenden und Sorben Streit gehabt, hat er um das Jahr 930 oder 931 auf einen dickbewachsenen Berge an der Elbe eine Festung erbauet, so er von dem Flüßlein Meisse, welches daselbst in die Elbe fiel, Misniam oder Meissen benamet und mit einem Grafen, derselben Strich wieder die Sorben, Wenden und andere Völcker vertheidigen solte, besetzet. Dieses [377] war also der Ursprung der Marg-Grafschafft Meissen, deren erster Bezirck sich eben nicht allzuweit erstrecket, aber nach und nach zu genommen, als die Marg-Grafen nach Vertreibung der Milzenischen Wenden sich immer mehrern Landes bemächtiget.

Die Ankunfft der Marg-Grafen von Meissen, ist überaus zweiffelhafftig, und wird auf verschiedene Weise erzehlet. Dem gemeinen Vorgeben nach, soll Friedrich, Graf zu Wettin, der erste Marg-Graf zu Meissen etc. und aus des berühmten Sächsischen Fürsten, Wittekinds, Geschlecht gewesen seyn, welchen Heinrich der Vogler, im Jahr 980 darzu gemacht haben soll. Auf ihn folgte Ridacus, ein Vetter Friedrichs, und als er 986 gestorben, kam Eckard I zur Regierung durch Hülffe Kayser Ottens III. Er wird vor einen Sohn Graf Günthers zu Pleissen gehalten, und hat sich über alle seine Vorfahren hervor gethan, so, daß er nach gedachten Kaysers Tode, selbst nach der Kayserlichen Crone gestrebet. Hierdurch aber setzte er sich nur bey andern in Haß, und wurde eben deswegen von seinem eigenen Vetter, Graf Siegfriden von Nordheim, oder wie andere wollen, von Lothario und Bennone, Hertzogen zu Sachsen, ermordet. Hierauf bekam sein Sohn Eckard II die Marg-Grafschafft, wiewohl ihn vorher seines Vaters Bruder Conzelm solche gar streitig gemacht, der aber hierüber von Kayser Heinrich II zu einer langwierigen Gefängniß verdammet worden. Eckard II starb 1068, und hinterließ seinen Bruder Hermannen zum Nachfolger. Dieser bekam mit den Bund-brüchigen Pohlen viel zu thun, und verlohr die Stadt Bautzen. Sie belagerten auch die Stadt Meissen selbsten, und setzten ihr hart zu; doch wurden sie durch Aufschwellung des Wassers zurück getrieben; wobey merckwürdig ist, daß die Weiber 2 von den Feinden in Brand gebrachte Thürne aus Mangel des Wassers mit Meth geleschet.

Marggraf Hermann starb ohne männliche Erben, und weil seine Schwester Mathildis an Theodoricum oder Dietrichen, Grafen zu Wettin, vermählet war, kam Meissen an das Hauß der Grafen von Wettin. Der erste Marggraf aus demselbigen war Dedo, ein Sohn des kurtz vorher gedachten Dietrichs und der Mathildis. Dieser wurde 1031 Marggraf zu Laußnitz, als er aber noch weiter um sich greiffen, und seinen Stieff-Sohn Otten um seine väterliche Grafschafft Orlamünde bringen wolte, wurde er hierüber von Kayser Heinrich IV gefangen genommen, und must, wolte er anders die Freyheit haben, bloß mit dem Marggrafthum Meissen vergnügt seyn. Er hatte auch das Unglück, daß sein Sohn mit ihm gleiches Nahmens wider ihn rebellirte; doch dieser wurde von seinen eignen Bedienten, auf der Cloac von hinten zu erstochen. Hierauf starb Dedo 1083 und folgte ihm sein Sohn Heinrich der ältere. Dieser war in seiner Jugend bey mehr gedachten Heinrich IV als Geissel, entwischte aber auf der Jagd. Ob er nun gleich durch den König Uratislaum II in Böhmen von dem Besitz des Marg-Grafthums Meissen abgehalten wurde, so kam er doch endlich, wiewohl kurtz vor seinem Tode, zum würcklichen Besitz. Er starb 1103, und hinterließ seine [378] Gemahlin Gertraud schwanger.

Der Graf Conrad von Wettin, welcher gern succediren wolte, gab vor, daß die Gräfin mit ihrer Schwangerschafft einen Betrug vorhätte; allein sie wieß in Gegenwart vieler Zeugen in der Kirche ihren gesegneten Leib, und brachte bald darauf Heinrichen den Jüngern zur Welt. Weil nun Conrad die Marggräfin Gertraud abermahls eines Betrugs beschuldigte, und vorgab, sie hätte eine Printzeßin gebohren, welche sie mit dem Knäblein eines Kochs vertauschet, so rächete dieser Heinrich, als er erwachsen solchen Schimpff, starb aber bald darauf 1127 ohne Erben.

Zwar hatte Thiemo, ein Sohn Dietrichs, Grafen zu Wettin, und ein Bruder des vorgedachten Dedo, Marggrafen zu Meissen, bereits 1091 vom Kayser Heinrich IV die Anwartschafft auf Meissen erhalten; allein Thiemo muste noch dasselbe Jahr in einer Belagerung das Leben einbüssen. Doch sein Sohn, vorgemeldter Conrad, kam nach seines Vettern Heinrichs des Jüngern Tode 1127 zur Regierung. Zwar lag er damahls zu Kirchberg in einem eisernen Kasten, der an einen Thurn heraus gebauet war, gefangen, darein ihn ietztgemeldter Heinrich aus Rache setzen lassen; allein so bald er von dessen Tode Nachricht bekommen, bestach er die Wächter, daß sie ihn loß liessen. Hierauf gieng er selbst vor Kayser Lotharium II, der ihm dann nicht nur das Marggrafthum Meissen, sondern auch 1136 die Nieder-Lausitz gab, gleichwie ihn der folgende Kayser Conrad der III im Jahr 1143 mit der Grafschafft Rochlitz belehnet. Er brachte sich auch grosses Ansehen zu wege, und bauete das prächtige Kloster auf dem Petersberge ohnweit Halle, welches sein Sohn Dedo vor ihm angefangen, vollends aus. Er gieng 1156 selbsten in dieses Kloster, und legte in Beyseyn vieler Fürsten den weltlichen Habit ab. Er machte auch die Ordnung, daß dieses Kloster seines Geschlechts Begräbniß seyn solte. Er starb 1156, nachdem er unter seinen Söhnen folgende Disposition hinterlassen: Es solte nemlich Otto Meissen, Dietrich Laußnitz, Heinrich Wettin, Dedo Rochlitz und Friedrich Brene bekommen. Also folgte ihm Otto, welcher von dem reichhaltigen Bergwerck zu Freyberg, so zu seiner Zeit entdeckt worden, den Nahmen des Reichen bekommen, in dem Marggrafthum Meissen, von welchem unter dem Wort Otto Marggraf, nachzusehen. Er hatte zwey Söhne Alberten und Dietrichen.

Albert, von welchem an seinem Ort unter dem Wort Albertus der Hoffärtige, ein mehrers zu lesen, kam hierauf nach des Vaters Tode 1189 zur Regierung, wurde aber das folgende Jahr mit Gifft hingerichtet, und weil er keine Kinder hinterließ, so brachte Dietrich endlich das gantze Land an sich. Siehe Dietrich Marggraf. Er hinterließ einen Sohn, Heinrichen, welcher der Erleichtete und Milde beygenannt, und der erste Landgraf in Thüringen worden. Er starb 1288. Seine Söhne waren Albert, Theodoricus und Friedrich. Friedrich der Kleine starb 1316, ohne Erben von seiner Gemahlin Jutta, Gräfin von Schwartzburg zu hinterlassen. Sein Bruder Theodoricus der Weisse beygenannt, beschützte seines Bruders Alberts, [379] beygenannt des Unartigen, Söhne wieder ihren Vater, der ihnen das Land entwenden wolte, und ward 1276 von dem Anhaltischen Fürsten mit List gefangen, doch wiederum loßgelassen, da er dann diejenigen, welche an dieser Gefangennehmung Schuld gewesen, zu gebührender Straffe gezogen. Er starb hierauf 1282, nachdem ihm seine Gemahlin Helena, Marggraf Johanns I von Brandenburg Tochter, Friedrichen, wegen seiner schweren Aussprache der Tatta oder Teut bygenannt, gebohren. Dieser starb 1291, ohne Erben von Hildegard, einer Hertzogin aus Bayern, zu hinterlassen.

Des gedachten Alberts des Unartigen Söhne waren Friedrich und Dietzmann oder Dietrich. Dieser letztere erwiese seine Tapfferkeit so wohl wieder die Kayser Adolphen und Alberten, als wieder Churfürst Johannen von Brandenburg, hatte aber 1307 das Unglück, in der Thomas-Kirche zu Leipzig von einem Meuchel-Mörder hingerichtet zu werden. Sein Bruder Friedrich mit dem gebissenen Backen, von welchem an seinem Ort unter Friedrich, ein mehrers gedacht worden, zeugte 1310 Friedrichen den Ernsthafften, welcher eben daselbst ausführlicher abgehandelt worden. Dieser zeugte Friedrichen den Strengen, Balthasarn, Wilhelmen, Cocles beygenannt, und Ludwigen. Dieser letztere wurde Ertz-Bischoff zu Mayntz und Magdeburg, wie auch Bischoff zu Halberstadt und Bamberg. Im Jahr 1381 befand er sich auf dem Fastnacht-Spiel zu Calb, allwo er aber von einer Treppe fiel, und den Halß stürtzte. Sein Bruder Wilhelm wurde 1343 gebohren. In der Theilung bekam er Ober-Meissen, und residirte darauf zu Dreßden. Sonsten brachte er durch Kauff die Herrschafften Illenburg, Colditz und Riesenberg in Böhmen an sich, mit den Waffen aber Pirna und Königstein; Er starb 1407, ohne Erben von Elisabeth, des Marggrafen Jodoci in Mähren Tochter, zu hinterlassen. Der dritte Bruder Balthasar 1336 gebohren, brachte sich durch seine Tapfferkeit bey dem König Eduard III in Engelland in grosses Ansehen. Er bekam in der Theilung Thüringen, brachte durch Heyrath mit Margaretha, des Burggrafen Alberts zu Nürnberg Tochter, Hildburghausen, Heldburg und Eißfeld an aich, gleichwie ihm durch Abgang des letztern Grafen von Kefernburg 1380 diese Grafschafft heimgefallen. Er starb endlich 1406 und hinterließ Friedrichen, den Einfältigen, nach sich, welcher 1440 ohne Kinder von seiner Gemahlin Anna, Gräfin von Schwartzenburg zu haben, dieses Zeitliche gesegnet.

Der erstgebohrne Sohn, Friedrich der Strenge, von welchem an seinem Ort ausführlichere Nachricht zu finden, hatte eine weit gesegnetere Nachkommenschafft. Seine Gemahlin Catharina, Fürst Heinrichs zu Henneberg Tochter, brachte ihn Coburg zu, und gebahr ihm nebst Wilhelmen dem Reichen, so die Chur- und Marck-Brandenburg von Marggraf Jodoco in Mähren 1410 erkauffet, und 15 Jahr hernach unverheyrathet gestorben, Friedrichen den Streitbahren, welcher zum ersten Churfürsten und Hertzog zu Sachsen aus seinem Hause gemaht worden. Siehe Sachsen.

Allhier [380] ist nur zu erinnern, daß in der zu Leipzig 1485 getroffenen Erbtheilung zwischen Churfürst Ernsten und Hertzog Albrechten zu Sachsen das ansehnlichste Theil des Marggrafthums Meissen an die Albertinische Linie gekommen, welches durch die Wittenbergische Capitulation noch mehr verstärcket worden.

Es wird aber Meissen heut zu Tage eingetheilt in den Meißnischen, Leipzigischen, Ertzgebürgischen, Voigtländischen und Neustädtischen Creiß; in das Altenburgische Fürstenthum, und in die 3 Stiffter Meissen, Merseburg und Naumburg. Zu dem Meißnischen Creiß gehören die Aemter: Meissen, Dreßden, Leubnitz, Hospital St. Matern, Moritzburg, Radeberg, Oschatz, Torgau, Senfftenberg, Oirna, Stolpe, Hayna, Hohenstein, Mühlberg, Grillenburg, Lausig, Zabeltitz, Dippoldswalde. Zum Leipziger Creiß gehöret Leipzig, Düben, Eilenburg, Grimma, Leißnig, Colditz, Rochlitz, Mutschen, Dölitsch, Zörbig, Petersberg, Pegau, Borna, die Gräflichen Schönburgischen Herrschafften Penick, Wechselburg, Roßburg, Remsen. Zum Ertzgebürgischen Creiß wird gerechnet Freyberg, Nossen, Augustusburg, Chemnitz, Stollberg, Zwickau, Franckenberg und Sachsenburg, Schwartzenberg und Grottendorff, Grünhayn, Anneberg, Wolckenstein, Lauterstein, Frauenstein und Altenberg, Wiesenburg, Wildenfels. Im Voigtländischen Creiß sind Plauen, Voigtsberg, Pausa, Schöneck, Reichenbach. In dem Neustädtischen Creiß ist Wayda, Mildenfurt, Arnshaug und Ziegenrück. In dem Altenburgischen Fürstenthum, so der Ernestinischen Linie gehörig, findet sich Altenburg, Ronneburg, Camburg, Eisenberg, Roda, Leichtenburg.

Es ist ein grosser und ansehnlicher Adel in diesem Lande.

Ausser der berühmten Universität zu Leipzig finden sich die 2 Churfürstliche Land-Schulen zu Meissen und Grimma, denn die dritte, Pforte genannt, wird zu Thüringen gerechnet.

Im übrigen bringet das Erdreich auch zum Uberfluß alles hervor, was zur menschlichen Nahrung nöthig ist.

In den Bergwercken findet man sehr reichhaltige Ertze, welche an Haupt-Metallen, etwa Gold, sehr vieles Silber, Zinn, Eisen, silbrig Gold oder güldig Silber, Quecksilber, Kupffer, Bley, Wißmuth, Stahl etc. in sich hegen. Das Gold wird aus etlichen Flüssen, als der Elbe, Mulde, Reder und andern gewaschen; wie man denn sagt, daß Churfürst Johann Friedrich eine Kette gehabt, bey 16 Marck schwer, bloß von solchem Wasch-Golde. Das Silber wird absonderlich zu Freyberg, Marienberg und Anneberg, vor allen aber zu Schneeberg, welches ehedem sehr grosse und reiche Ausbeute gegeben hat, gefunden. Das Quecksilber ist das beste und lauterste, so man in dem so genannten Glaß-Kopff Gängen antrifft. Das Kupffer wird gar reichlich auf dem Schneeberge in der Schlemm, sonsten aber um Freyberg, Anneberg und andern Orten, wiewohl etwas sparsamer, gefunden. Um Naumburg und Zeitz hat man auch einige kupffrige Brunnen. Das Zinn hat sonderlich zu Altenberg gar reichhaltige Anbrüche, gleichwie auch aum Schneeberg das so genannte Fletz-Maul, Eybenstock und Platta; um Dippoldiswalda und Frauenstein, die Böbel, [381] Schmiedeberg und andere eben deswegen beruffen sind. Das Bley wird fürnemlich um Freyberg und Schneeberg auf der Schlemm gegraben. Wißmuth findet man meistens zu Schneeberg, und dann zu Annaberg, Marienberg und St. Joachimsthal. Das Eisen wird sonderlich in dem Ober-Gebürge gegen dem Joachims-Thal auf der Burckarts-Leite, auf dem so genannten Emmler oder Memmler, um Grünhein; und ferner in der Pirnischen Pflege um Lauenstein, Glaß-Hütte, Berg-Gießhübel, und anderswo gefunden. Der Stahl findet sich in dem Voigtlande. An Neben-Metallen hat man das Spieß-Glaß, Kieß, Kobold, Glantz und Blende. Albinus meldet auch, daß viele Edelgesteine in diesem vortrefflichen Lande zu finden; und gedencket namentlich der Perlen, Cristallen, Diamanten, Amethysten, Chrysolithen, Chalcedonier, Carbunckel, Jaspis, Türckis und anderer. An andern kostbaren Steinen finden sich der Magnet, so absonderlich um Schwartzenberg anzutreffen, ferner der Blutstein, Glaß-Kopff, Gyps, Marien- oder Frauen-Eiß, und etliche Arten von der Blende. So hat man auch wohlriechende Steine, als den Viol- oder Veil-Stein; den Bisam-Stein, Moß-Stein und Quendel-Stein.

An köstlichen Werck- und Bau-Steinen hat man den Marmor von unterschiedlicher Art und Farbe. Denn zu Zöblitz bey Marienberg findet man einen schwärtzlichen und um Rochlitz einen Asch-grauen. Der weisse Marmor wird fürnemlich zu Anneberg gegraben, und der Stolpenische Stein oder Marmor ist von solcher Härte, daß man sicher davon Ambosse machen könnte. Die Sand- oder Raggen-Steine, welche um Pirna gefunden werden, führet man auch in auswärtige Länder. Der Schiffer-Stein ist sonderlich bei Zwickau und Döbeln zu haben.

Von mineralischen Erd-Säfften findet sich der Alaun, Kupffer-Wasser, Berg- und Schiffer-grün, Berglassur, Grünspan, Schwefel und anders.

Die vornehmsten Flüsse sind die Elbe, die Mulde und Saale, die weisse und schwartze Elster, die Pleisse, und die Reder.

Von Wunder- Heil- und Gesund-Brunnen waren vormahls der Lammatzer, der Queck- und Leubnitzer, wie auch der Freybergische Brunn, und dann auch der zu den drey Tannen bey Zwenitz, in dem Meißnischen Ertz-Gebürge, beruffen. Heut zu Tage hat man aus dem Brunnen zu Hohenlohe, in dem Stifft Merseburg, gar gute Würckungen wieder die Kranckheiten verspühret. Von Wild- und Warmen-Bädern hat man das Wolckensteinische und Jobs- oder Wiesen-Bad.

Um Chemnitz, Augustusburg und Torgau finden sich unterschiedene Wasser, darinnen das eingeworffene Holtz und andere Sachen mit Stein überzogen werden.

Von nahmhafften Gebürgen hat man den Culmberg bey Wurtzen, den Rochlitzer hohen Berg, den Kohl- Hermsdorffer- und Buch-Berg, den Lilien- und Königsstein etc.

Von Weinbergen finden sich unterschiedene in Meissen, Zadel etc. über Dreßden und Pirna, und wieder herunter zu beyden Seiten des Elb-Stroms, biß Torgau, auch Naumburg an der Saale.

Um Pirna, Dreßden, Meissen, Lommatzsch, Torgau, Delitsch, Leipzig, Merseburg und Altenburg findet [382] man einen schönen Getraide-Boden.

Von Wäldern sind die beruffensten der Böhmische, Rochlitzer, Königsheiner, Schneeberger, Schwartzenberger, Wolckensteiner, Chemnitzer, Augustsburger und andere.

Die ältesten Einwohner des Meißner-Landes sind gewesen 1) die Ascanii oder Tuiscones, die Aßken, und 2) die Hermones.

Hernach haben darinnen gewohnt 1) die Hermenduri, 2) Mysi, welche ungefehr 200 Jahr nach Christi Geburt aus Asien in dieses Land gekommen seyn sollen, und von diesen soll auch nach einiger Meinung, das Land den Nahmen haben; (siehe Mysi) 3) die Sorben, auch sonst Heneti, Veneti, Wenden, oder Riphaei genannt, 4) die Marcomannen, 5) Slaven, 6) Daleminci, 7) Glomaci, 8) Milceni oder Milzeni.

Die neuern Einwohner in dieser Marggrafschafft sind: 1) die Francken, welche im Jahr Christi 789 von Carl den Jüngern, in die Städte und Schlösser, welche er wieder die Sorben und Böhmen gebauet, aus seinem Kriegs-Volcke gesetzet worden. Ingleichen wurden im Jahr 1100 vom Grafen Wipprechten zu Groitzsch und Osterlande viel Fränckische Bauern, denen er die neueste Heyde, zwischen der Mulda und Wiehra um den Flecken Froburg, wie auch in der Sprottau zu bauen eingegeben, ins Land Meissen gebracht; 2) die Sachsen, welche im Jahr 786 und 806 von Wittekindo, als Landpflegern über das Sorben-Land, in diese Lande eingesetzet worden. Im Jahr 930 sind vom Kayser Heinrich I dem Vogler, noch mehr Sachsen in dieses Land, und sonderlich in die Gegend der Stadt Meissen gebracht worden; 3) die Holländer und Flandern, welche im Jahr 1160 von Albert, (Vrso) dem Bäre, neben die Meißner und Hartzländer an die Saale, Elbe und Havel, an der Sorben, Laußnitzer und anderer Wenden statt, sind gesetzet worden. Daher die Niederländischen Nahmen Kemberg, Brügg, Niemegk, Ravenstein, Hacken, der Flemmig, Kemmerig, und auch die Holländischen Acker bey Naumburg sollen überley geblieben seyn.

Die Meißnischen Einwohner sind eifrig in der Religion, behertzt, gerecht, friedfertig, keusch, mäßig, reinlich und freyer Künste ergeben. Die Francken darinnen sind mannlich, großmüthig und vorsichtig, und die Sachsen streitbar.

Die alten Einwohner des Landes haben viel Abgötter verehret, und die Hayn oder Hayen, sind derer Götter Tempel gewesen; es sind von ihnen angebetet worden 1) Mercurius Deutanes, welchen sie für den höchsten Gott gehalten, und demselben Menschen geopffert haben; 2) Mars, 3) Herthuma, terra Mater, 4) Ruttiber, 5) Irmeseul, 6) Trigla, 7) Flyntz, 8) Radegast, 9) Swantewitz, oder Sanctum lumen, 10) Zernebog, 11) Syba, 12) Promo, 13) Crodo, 14) Proreirt, ein 5 köpffiger Abgott, 14) Rudiant, ein 7 köpffiger Teuffel der Wenden, und 16) Zedutt.

Endlich im VII Jahrhunderte hat die Bekehung zum Christlichen Glauben seinen Anfang genommen. Im Jahr Christi 618 hat Lotharius, König der Francken, nachdem er die Sorben in einer Schlacht an den Sudetischen Gebürgen getilget, zu Fortpflantzung der Christlichen Religion das Kloster Chemnitz anfangs gebauet, [383] welches aber die Wenden balde wieder sollen zerstöret und die Christen ausgerottet haben. Nach diesen hat Carl Martellus, König der Francken, den Christlichen Glauben in diesem Lande eingeführet durch St. Bonifacium, den ersten Ertz-Bischoff zu Mayntz, welcher das Evangelium an vielen Orten in Deutschland selbst geprediget, und also auch den ersten Grund zur Christlichen Kirche des Meißner-Landes geleget hat. Dieser Ertz-Bischoff hat nicht weit von Leipzig ein klein Kloster gebauet, die alte Kirche in Meissen St. Jacob gewiedmet, und dem Bißthum zu Mayntz unterworffen, welche doch die Heyden hernach wieder zerstöret. Im Jahr 806 hat Carl der Grosse, durch seinen Sohn Carl den Jüngern, König der Francken, der Sorben und Wenden Land zur Christlichen Religion bezwungen, und zu Merseburg die erste Kirche gestifftet. (siehe Merseburg.) Zu der Zeit sollen auch andere Kirchen, als zu Zeitz und Naumburg, erbauet worden seyn. Im Jahr 856 hat Ludovicus Germanicus, die Länder Thüringen und Meissen mit Gewalt zum Christlichen Glauben gezwungen, und eine Kirche in Wendenland, so Ecclesia Niscensis genennet, und hernach unter das Stifft Meissen gebracht worden, bauen, und wieder die Wenden befestigen lassen. Es ist aber vor Zeiten das Ländgen, so über Meissen, Dreßden und besser hinauf gelegen, Nisanen genennet worden, und ein Kirch-Sprengel des Dom-Stiffts Meissen gewesen. Im Jahr 927 hat Kayser Heinrich der Vogler, die Sorben und andere alte Völcker dieser Lande mit Sieg der Waffen entweder zum Christlichen Glauben gezwungen, oder gantz vertrieben, und also die Christliche Religion in Schwang gebracht.

Zu welchem Ende er nach erhaltener grossen Schlacht und Sieg bey Merseburg im Jahr 934 die 3 Bißthümer, Meissen, Merseburg und Zeitz gestifftet, welche hernach sein Sohn und nachfolgender Kayser Otto vollführet hat. Diese Stiffter und das gantze Land Meissen haben im Jahr 1539 unter der Regierung Heinrich des Frommen, Hertzogs zu Sachsen, die Lutherische Religion angenommen, welche auch noch bis ietzo darinnen floriret. Johann Erhard Kappe in Progr. de religionis ante ducentos annos in Saxonia & Misnia Statu, Leipzig 1739 in 4.

Andere Neben-Stiffter im Lande Meissen sind: 1) Wurtzen, 2) Bautzen, 3) Altenburg, 4) Freyberg, 5) zu Zeitz die Collegiat-Kirche, und 6) zu Merseburg St. Sixti. So denn sind noch halbe Dome, als 1) zu Ebersdorff, 2) Zscheila, 3) Hayn, und 4) Stolpen.

Die Klöster im Lande Meissen sind gewesen: I) Deutscher Herrn, 1) zu Altenburg, 2) Zschielen, 3) Dommitzsch, 4) Plauen, 5) Schlewitz; II) Benedictiner, 1) in Kemnitz, 2) Borlau, 3) Pegau, 4) St. Peter bey Merseburg, 5) St. Georgen bey Naumburg, 6) Goßegck, 7) Laußig; III) Cistercienser oder Bernhardiner, 1) zu Zelle an der Mulda, 2) Grünhayn, 3) Buchau, 4) Pforta an der Saale, 5) Dobrilug; IV) Canonicorum Regularium, oder geregelter Chor-Herren Klöster, sub Regula Augustini waren: 1) Lauterberg oder Petersberg bey Halle, 2) St. Georgen bey Altenburg, 3) St. Thomas in Leipzig, 4) zur Naumburg, [384] 5) St. Afra zu Meissen, 6) Zillen, und 7) Niemegk der ersten Stifftung nach; V) Antonier-Herrn: 1) Eiche bey Leipzig, 2) Lichtenburg; VI) Prämonstratenser-Ordens, Wilthenforth; VII) Cölestiner, Königstein; VIII) Canonicorum S. Thoma Cantuariensis waren: anfänglich zu Zwickau, nachmahl gen Merseburg auf dem Neumarck transferiret, darinnen der Dom zu St. Sixti ist. IX) Augustiner oder Einsiedler waren: 1) zu Alt-Dreßden, 2) Grimma, 3) Hertzberg, 4) Neustadt an der Orla, 5) Wittenberg und 6) Waldheim; X) Prediger-Mönche, Dominicaner- oder schwarze Mönche waren: 1) zu St. Paul in Leipzig, 2) zu Freyberg, 3) Pirn und 4) Plauen; XI) Wilhelmiter, zu Orlamünde; XII) Karthäuser 1) bey Crimmitzschau, und 2) Zwickau; XIII) Marien-Knecht, 1) zum Hayn, ord. S. Augustin, 2) zu Motzschen; XIV) Barfüsser- Franciscaner- oder Graue-Münche, 1) zu Leipzig, 2) Dreßden, 3) Meissen, 4) Freyberg, 5) Zwickau, 6) Altenburg, 7) Torgau, 8) auf St. Annaberg, 9) Chemnitz, 10) Oschatz, 11) Weyda, 12) Zatz, 13) Steinlausig, und 14) Wittenberg. Jungfrauen oder Nonnen-Klöster in diesem Lande waren: I) Barfüsser und St. Claren-Ordens: 1) zu Seuselitz und 2) Weissenfels; II) Cistercienser, 1) zu Mühlberg und Niemptsch bey Grimma; III) Benedictiner, 1)zum Heiligen Creutz an der Elbe unter Meissen, 2) Zornzwitz bey Mügeln, 3) Souchau, 4) Sitzeroda bey Torgau, 5) Heilig Creutz an der Saale bey Salburg, 6) Riessau und 7) St. Thomä zu Merseburg. Uber diese sind noch andere Jungfrauen-Klöster mehr gewesen: zu Mitweyda, Schwölln, Cronschwitz, Altenburg, Freyberg, Hayn, Remisch, Laußnitz bey Weyda, und Eisenberg, Beutwitz, Langendorff bey Weissenfels, Geringswalda, Franckenhausen bey Crimmitzschau, Schönfeld, Brena, Lübbegün, St. Georgen bey Leipzig vor dem Peters-Thore, St. Michael zu Zeitz, und auf dem Petersberge sind anfänglich auch Nonnen gewesen. Siehe Petersberg. Wer mehr von diesen Klösten wissen will, kann Kreysigs Historische Bibliotheque von Ober-Sachsen, Sect. IV. c. 10 und die daselbst angeführten Schrifftstellen nachlesen, oder auch in diesem Universal-Lexico unter ihren besondern Artickeln.

Fabricius de rebus Misn. Reineccius de Missenorum origine. Albinus Meißn. Land- und Berg-Chron. Schurtzfleischs dissert. de Marchia Misnens. Imhoff N. P. L. IV, c. 2. Knaut Prodr. Misniae. Lehmanns Hist. Schauplatz der natürlichen Merckwürdigkeiten in dem Meißnischen Ober-Ertz-Gebürge. Ditmar. Chron. Merseb. L. I. Einleitung zur Histor. des Churfürstenth. Sachsen, P. I, L. II, c. 4. Ludwigs Germ. Princ. L. III, Sax. c. 7. Schwedische und Sächsische Staats-Cantzley in 8. Spener in syllog. geneal. Glafeys Geschichte des Hauses Sachsen.