Zedler:Quedlinburg, die Haupt-Stadt

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Quedlinburg, ein Fürstlich Frauenzimmer-Stifft

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QUEDLINBURGENSIS ABBATIA

Band: 30 (1741), Spalte: 165. (Scan)

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Quedlinburg, Quedelingenburg, Quedlinburgum, Quedelinbourg, die Haupt-Stadt im Stifft gleiches Namens, davon vorherstehender Artickel handelt. Sie ist eine gute, grosse und wohlhabende Handels-Stadt, zwischen Halberstadt und Ermesleben, von iedem Orte zwey Meilen an dem Wasser Bode in Ober-Sachsen gelegen.

Sie wird in die Alte- und Neue-Stadt eingetheilet, hat auch etliche Vorstädte, als das Westendorff, den Neuen-Weg, und den Müntzenberg, welche letztere auf einem kleinen Berg dabey lieget, und vordem ein Kloster gewesen, Mons Sion genannt. Nicht weniger hat sie ein Schloß auf einem Felsen, in dessen Kirche der grosse Kayser Heinrich, der Vogler, begraben liegt, und auch ein Gymnasium illustre.

Ubrigens treibet sie auch gute Handlung. Die Neu-Stadt hält 4 Roß- und Vieh-Märckte: 1) auf Matthäi, oder 8 Tage vor Michaelis; 2) acht Tage vor Aller-Heiligen; 3) Montag nach Estomihi; 4) acht Tage vor Johannis. Die Alt-Stadt daselbst hält Kram-Marckt: 1) Miseric. Dom. 2) Sonntag nach Himmelfarth; die Neustadt den Sonntag nach Martini. Abels Preußische Geographie. Marperger von Messen und Jahr-Märckten.

Im Jahr 1583 ist allhier zwischen den Pfältzischen, Sächsischen und Brandenburgischen auf einer, und den Braunschweig-Helmstädtischen Gottes-Gelehrten auf der andern Seite, eine mündliche Unterredung von der Gegenwart Christi nach der menschlichen Natur gehalten worden. In dem 30jährigen Kriege hat diese Stadt bald von den Kayserlichen, bald von den Schweden gar viel ausstehen müssen.

Auf dem Schloß allhier hat die Aebtißin ihre Residentz. In demselben ist 1711 ein ziemlicher Theil eingefallen, wodurch etliche Gewölber eröffnet worden, in welche man viel kostbare Sachen gefunden, so vermuthlich von den alten Kaysern aus dem Hause Sachsen, so in dieser Gegend sich aufgehalten, herrühren.