Zedler:Sporck (Johann Reichs-Graf von)

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Sporcke (Wilhelm von)

Band: 39 (1744), Spalte: 367–368. (Scan)

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Sporck (Johann Reichs-Graf von) Kayserl. Kriegs-Rath, General über die gesammte Cavallerie und Obrister zu Fuß, Herr auf Lissau, Kuniget, Herman-Mestitz, Gradlitz, Malschau und Hoyeniawes.

Er war zu Westerlohe im Lande Dellbrücken, in dem Westphälischen Stiffte Paderborn um das Jahr 1607 von Catholischen Eltern gebohren, und besagter massen aus dem Nieder-Sächsischen Geschlechte von Spörck entsprossen; Erstlich diente er dem Churfürsten zu Bayern und wohnte der grossen Schlacht welche 1620 vor Prag, auf dem so genannten weisen Berge vorgieng, mit bey. Im Jahre 1639 wurde er von seinem Herrn zum Obristen ernennet, da er denn hin und wieder auf Partheyen, absonderlich aber 1645 in dem Treffen bey Janckowitz in Böhmen, wider die Schweden seinen tapffern Muth sehen ließ. Hierauf wurde er General-Major, und unterstund sich nebst dem bekannten Johann von Werth, 1647, da sein Churfürst mit den Schweden einen Stillstand getroffen, die Bayerische Armee dem Kayser zu zuführen. Allein da sie würcklich auf dem Marsch gegen Böhmen begriffen waren, ruffte der Churfürst seine Völcker zurück, und erklärte den von Sporck und den von Werth vor Verräther, welches so viel würckte, daß die meisten Truppen weiter fort zu rücken keine Lust bezeigten. Nach geendigten 30 jährigen Kriege muste er mit den Kayserlichen Hülfs-Völckern wider die Schweden in Pommern und darauf in Pohlen rücken, allwo er, gleichwie auch 1664 in Ungarn, vielfältige Proben seiner Tapfferkeit sehen lassen. Besonders hat er sich durch das in Ungarn gehaltene Treffen bey St. Gotthard sehr berühmt gemacht. Und es kan hiervon das Ihme ertheilte Kayserliche Diploma ein glaubwürdiges Zeugniß ablegen.

Es hat auch seine sonderbahre Tapfferkeit, welche er in besagten Treffen bezeiget hat, einem Künstler Gelegenheit gegeben, daß er in sein damahls geführtes Commando Schwert, welches noch jetzo von der Sporckischen Familie ihm zu Ehren aufbehalten wird, folgende Verse eingegraben hat:

Hinweg du Römer Schwert aus der Pharsoller Schlacht,
Hier ist ein deutsche Kling von größrer Stärck und Macht,
Die führt der tapffre Sporck in seiner Helden Faust,
Als er bey Gotthard schlug der Türck und Tartarn Haut.
Drum hat ihn Danckbarkeit den Lob-Spruch hergesetzt,
Und eines Künstlers Hand der Nachwelt eingeätzt.

Doch nicht nur bey dieser Gelegenheit sondern auch anderwärts hat der tapffre Spork zur Gnüge [368] seine Treue gegen das Kayserliche Hauß, und gegen das gesammte heil. Römische Reich blicken lassen, und den Kayserlichen Thron öffters aufs neue befestiget.

Im Jahre 1671 reisete derselbe mit einem grossen Gefolge nach Loretto, und ward auf seiner Rückreise von dem Pabste mit Ablaß in der letzten Todes-Stunde vor sich und seine Nachkommen bis ins dritte Glied beschenckt. Endlich danckte er 1675 wegen hohen Alters ab, begab sich auf seine Güter in Böhmen, die er in währenden seiner Kriegs-Diensten angeschaffet, und starb 1679 im August-Monate, nachdem er den Freyherrlichen, und letztens den Gräflichen Titel auf seine Familie gebracht hatte, gegen das 80 Jahr seines Alters auf seiner Herrschafft und Schloß Hermann-Mestitz in Böhmen.

Er war zu seinen Zeit der gröste General von der Reuterey, wie er denn dem Kayser vorgeschlagen, die Infanterie gäntzlich abzuschaffen, und dagegen lauter Cavallerie auf den Beinen zu halten.

Von seinen Gemahlinnen und Nachkommen siehe den vorhergehenden Geschlechts-Artickel.

Imhof N. P. Leben R. Leopolds. Lehmanns jetztherrsch. Europ. P. III. Pufend. de bello Suec. Genealogie der Hochgräfl. Sporckischen Familie in Handschrift.