Zedler:Teutsche Schilde

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Teutsche Schlacht-Ordnung

Band: 43 (1745), Spalte: 140. (Scan)

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Teutsche Schilde, Lat. Scuta Germanica, Fr. Cartouches, Ecus echanores, sind in der Mitten auf beyden Seiten ausgeschnitten, und unten spitzig, am Rande offt mit Bild- u. Schnitzwerck versehen, welches aber von der Mahler u. Bildhauer ihren Einfällen herrühret. Sie sollen vor dem nur auf einer Seite ausgeschnitten gewesen seyn, welches, wie Hr. Trier in der Einleitung zur Wappen-Kunst p. 33. haben will, dazu gedienet, daß man die Lantze darein legen u. mit desto mehrerer Gewißheit habe fechten können. Nachher aber habe man auf beyden Seiten, jedoch bloß um der Zierlichkeit willen, den Schild ausgeschnitten. Jedoch diese Gedancken scheinen nicht viel Grund zu haben, denn es lehret die gesunde Vernunfft, daß die Teutschen von verschiedenen Kriegsbedienungen so wohl gewust, als selbige jetzo bekannt sind; also muß man vielmehr sagen, daß diese Art Schilde diejenigen Kriegs-Bediente geführet, die etwa nach jetzigen Zeiten Unter-Officiers heissen, ob man sich gleich gar wohl bescheidet, daß die heutigen Unter-Officier mit denen vormahligen in gar wenige Vergleichung zu setzen, alleine es behält seine Richtigkeit, daß die Kriegs Bedienungen zu allen Zeiten unterschieden gewesen. Als aber nachher das Kriegswesen eine gantz andere Gestalt bekam, hat man auch auf den Unterschied von dergleichen Schilden nicht mehr gesehen.

Hierbey aber muß man sonderlich mercken, daß die Schildes-Seite sich allemal also vorzustellen, als ob einer den Schild gleichsam vor sich trage, die nun zur rechten Seite sich befindet, wird auch die rechte genannt: oder, besser zu sagen, weil der Schild am lincken Arm getragen worden, so ist diejenige Seite, die nach dem Hertzen zu gesehen, auch die rechte. Die Frantzosen aber sollen sie daher Cartouches nennen, weil sie gleichsam nur von Papier zusammen gesetzet wären. Doch das sind des Menetrier seine papierne Einfälle, indem ja fast nichts kindischer heraus kommen kan, als papierne Schilde dichten zu wollen. Genug, daß diese Schilde bey den Teutschen allemahl bekannt gewesen.

Zschackwitzens Heraldica oder Wapen-Kunst, p. 150. u. ff.